Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

App-Umbau: Warum Foursquare seine Fans enttäuschen muss

Von

Einchecken und Medaillen sammeln, das war einmal: Foursquare stellt jetzt lokale Suche und Empfehlungen in den Vordergrund. Die Funktionen, mit denen die App groß geworden ist, werden ausgelagert. Vielen Nutzern gefällt das gar nicht.

Foursquare: Der App-Split Fotos
othree/ CC-Lizenz BY

Fünf Jahre nach dem Start erfindet sich die Foursquare gerade neu. Das Einchecken an einem Ort, das Sammeln von Medaillen für besonders viele Flughafenbesuche und der Kampf mit Freunden um den Bürgermeister-Titel: Alles ausgelagert in eine zweite App namens Swarm. Alles nicht so wichtig für das neue Foursquare, zum Entsetzen langjähriger Fans.

Wie die Foursquare-App künftig aussehen wird, hat das Unternehmen jetzt erstmals vorgestellt. Die Nutzer bekommen angezeigt, was in ihrer Umgebung für Restaurants, Geschäfte und Sehenswürdigkeiten sind. Fotos, Bewertungen und Kommentare inklusive. Außerdem steht eine Suche zur Verfügung. Im Prinzip ist es eine hübschere Variante der Empfehlungs-App Yelp.

"So startet die Zukunft der 'personalisierten lokalen Suche'", heißt es bei Foursquare. Überhaupt sei das schon immer der Plan gewesen. Das Einchecken soll nur ein Umweg gewesen sein, weil vor ein paar Jahren die Ortungsfunktion von Handys noch nicht so gut war - und weil Foursquare so erst von seinen Nutzern gelernt habe, was für interessante Orte es überhaupt gibt.

Zielgenaue Werbung

Vor allem aber stagnierte das Wachstum. Foursquare mit seinem großen Check-in-Button hat aktuell eigenen Angaben zufolge zwar mehr als 50 Millionen Nutzer. Das dürfte die Investoren, die mehr als 100 Millionen Dollar in die Firma gesteckt haben, aber kaum zufriedenstellen. Ortsbasierte Dienste gelten schließlich als das nächste große Ding - und zwar seit Jahren. Foursquare hat rund 170 Mitarbeiter, Yelp 2000.

Nicht nur Polizei und Geheimdienste freuen sich über das Smartphone als Ortungswanze. Ob nun Google, Facebook, Apple oder Yelp: Kaum ein großes Web-Unternehmen will nicht mit dem Zugriff auf den aktuellen Aufenthaltsort spezielle Dienste anbieten. Natürlich geht es dabei auch um zielgenaue Werbung.

Hat der Eincheck-Button bei Foursquare zu sehr davon abgelenkt, was sich in den Tiefen der App für nützliche Informationen verbergen? Bei der Analyse der Nutzungsdaten hat das Unternehmen jedenfalls festgestellt, dass meistens nur eine der beiden Funktionen genutzt wurde - entweder die Suche nach Tipps für einen bestimmten Ort oder das Netzwerken mit Freunden und Sammeln von Medaillen.

So mancher altgediente Foursquare-Nutzer ist überhaupt nicht begeistert von der Neuerung. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens häufen sich kritische bis empörte Kommentare ("Das ist der Tod von Foursquare") ebenso wie unter den Artikeln in Fachblogs, die das Thema aufgreifen. Bei Twitter verkünden viele entnervte Nutzer, dass sie sich weigern, Swarm zu installieren. Und sogar eine - nicht sehr populäre - Petition gibt es, die fordert, Check-ins und Medaillen wieder in die eigentliche Foursquare-App zurückzuholen. Enttäuscht sind offenbar vor allem langjährige Nutzer - doch die reichten augenscheinlich eben nicht aus, um das Angebot profitabel zu machen.

Fake-Bewertungen

Das neue Foursquare soll endlich explosives Wachstum bringen, das Einchecken stand dem angeblich im Weg. Deswegen schickt Foursquare die Medaillen-Freunde nun zu Swarm. Wer beide Apps installiert hat, bekommt in Foursquare einen Swarm-Button zum schnellen Check-in. Eine Funktion pro App, diese Strategie fahren auch Facebook, das seinen Messenger ausgelagert hat, und Google mit seiner großen Apps-Familie.

Aber ob jemand auf ein weiteres Yelp gewartet hat? Das neue Foursquare sieht nach dem altbekannten Yelp aus, und es funktioniert auch so. Den Konkurrenten gibt es seit zehn Jahren, 2012 kaufte Yelp mit der deutschen Gründung Qype auch noch den größten europäischen Konkurrenten. Mittlerweile hat auch die Yelp-App eine Eincheck-Funktion. Beide Apps leben davon, dass Nutzer Tipps in die Datenbanken schaufeln - die bestenfalls auch noch hilfreich sind und keine Fake-Bewertungen.

Dieser Datenschatz ist enorm wertvoll. Vor ein paar Jahren soll Google versucht haben, Yelp deswegen für mehr als eine halbe Milliarde Dollar zu übernehmen. Das Unternehmen lehnte ab. Seitdem versucht Google selbst, relevante lokale Informationen zu sammeln und hat dazu unter anderem 2011 den Restaurantführer Zagat übernommen. Foursquare will nun seinen Ortsdaten-Schatz ganz in den Vordergrund stellen.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Das Problem
kiltbear 25.07.2014
Zitat von sysopothree/ CC-Lizenz BYEinchecken und Medaillen sammeln, das war einmal: Foursquare stellt jetzt lokale Suche und Empfehlungen in den Vordergrund. Die Funktionen, mit denen die App groß geworden ist, werden ausgelagert. Vielen Nutzern gefällt das gar nicht. http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/app-umbau-foursquare-ist-jetzt-wie-yelp-a-982653.html
ist, das gerade die so genannten Superuser, die für Foursquare kostenlos, in ihrer Freizeit die Daten pflegen, Änderung durchwinken oder ablehnen, selber Orte erfassen, kurz eigentlich für Foursquare die Arbeit machen, überhaupt nicht begeistert sind und Foursquare verlassen. Für viel war die "Gamification" also, Badges, Bürgermeistertitel, Punkte, der Antrieb den Dienst zu nutzen und dann auch gleich nicht existente Orte zu erfassen oder existierende zu pflegen. Wenn das wegfällt, checkt mach auch nicht mehr ein. Die Tätigekeit der Superuser wird durch das Ständige Wecheln zwischen zwei Apps viel mühsamer (Swarm zum einchecken, Foursquare zum editieren) und das ohne spürbaren Mehrwert. Die Zielgruppe von Swarm dürfte schon aufgrund des Designs viel jünger sein als die jetzigen altgedienten User und kaum der Typ Nutzer, der Orte erfasst oder pflegt. Swarm ist auch darauf ausgelegt, das man viele 4sq Freunde in der Umgebung hat, da man sich nur noch mit Freunden misst. Das funktioniert leider nur in sehr grossen Metropolen, überall anders ist es schlicht witzlos. Indem Foursquare die aktivsten Nutzer, die die auch viel zur Datenbank beigetragen haben, vergrault, sägt man m.E. am Ast auf dem man sitzt und das dürfte sich rächen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: