Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Selbstzensur: Apple blockiert in China angeblich seine Nachrichten-App

News-App: In China kein Zugriff auf Nachrichten aus dem Westen? Zur Großansicht
AP/dpa

News-App: In China kein Zugriff auf Nachrichten aus dem Westen?

Einem Medienbericht zufolge ist der Zugriff auf Apples News-App in China nicht möglich. Zensiert sich der US-Konzern selbst, um dem Regime in Peking entgegenzukommen?

Mit iOS 9, dem neuen Betriebssystem für iPhones und iPads, hat Apple auch eine neue App eingeführt: News. Sie soll automatisch im Internet Nachrichten zusammensuchen, die den Interessen des Nutzers entsprechen, egal ob der sich für Politik, Wirtschaft, Sport oder Musik und Mode begeistert. Die "New York Times" (NYT) berichtet nun, dass der Konzern seine App in China selbst blockiert.

Die Meldung der "NYT" basiert auf Äußerungen des Start-up-Gründers Larry Salibra. Der hatte bereits am 2. Oktober getwittert: "Apple News schaltet sich ab, wenn man auf dem chinesischen Festland online geht." Dazu postete er einen Screenshot der News-App auf einem iPhone. In der Titelzeile ist ein Hinweis zu lesen: "Kann jetzt nicht aktualisieren. News wird in Ihrer gegenwärtigen Region nicht unterstützt."

In seinem Blog erklärte er weiter, er habe zwar einen US-Account bei Apple, arbeite aber regelmäßig in China. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die App in Hongkong problemlos funktioniere. Sobald er aber die Grenzbrücke über den Shenzhen-Fluss überquere und sich sein Handy in das chinesische Mobilfunknetz einbuche, sei es mit der App vorbei und die oben genannte Fehlermeldung erscheine.

In Deutschland funktioniert die amerikanische App

Diese Schilderung ist wichtig, da Apples News-App bisher nur in den USA offiziell gestartet ist. In Großbritannien und Australien läuft sie derzeit im Betatest. Eben deshalb ist die App deutschen Nutzern weitgehend unbekannt: In anderen Ländern als den drei genannten erscheint die App auf Apples Geräten nicht.

Diese Sperre lässt sich allerdings leicht aushebeln: Sobald man auf seinem i-Gerät die Regionseinstellungen auf die USA umschaltet, wird die App auf dem Homescreen sichtbar und nutzbar. In Deutschland funktioniert das problemlos.

Schilderungen zweier Nutzer gegenüber "Quartz" zufolge, kann man Apples Nachrichten-App mit einem amerikanischen Account auch in Taiwan benutzen, sobald man aber das chinesische Festland betritt, ist der Zugriff nicht mehr möglich.

Kein Apple-Radio für Chinas Musikhörer

Sowohl Larry Salibra als auch die "NYT" vermuten, die Blockade von Apple News in China werde von Apple selbst durchgeführt. Das kommunistische Land ist nach den USA der wichtigste Markt für Apple. Allein im dritten Quartal 2015 setzte das Unternehmen dort 11,5 Milliarden Euro um.

Die These der "NYT" ist nun, Apple wolle mit seiner Selbstzensur den chinesischen Zensoren zuvorkommen. Nachrichtenanbieter sind in China verpflichtet, ihre Nachrichten auf Einhaltung staatlicher Richtlinien zu überprüfen. Teils sitzen Zensoren direkt bei den Internetanbietern und sorgen dafür, dass allzu liberales Gedankengut nicht in Chinas Netze eingespeist werden kann.

Das könnte auch der Grund sein, weshalb Apples Radiosender Beats 1, der mit Apple Music eingeführt wurde, in China nicht verfügbar ist: Das Programm wird live gesendet und ist deshalb für die Zensoren kaum überwachbar.

Auf Anfrage hat sich Apple bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

mak

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Apple hält sich an die jeweils gültigen Gesetze
mcpoel 12.10.2015
Das wird doch als Antwort kommen. Aber wie weit darf man damit gehen? Würde Apple das auch in Nordkorea tun? Wo ist die Grenze? Werte- Fehlanzeige?
2.
Konstruktor 12.10.2015
Zitat von mcpoelDas wird doch als Antwort kommen. Aber wie weit darf man damit gehen? Würde Apple das auch in Nordkorea tun? Wo ist die Grenze? Werte- Fehlanzeige?
Quark. Apple verhält sich in Nordkorea genauso wie in China: Sie liefern dorthin *gar keine* Inhalte. "Selbstzensur" wäre etwas anderes, nämlich das Selektieren und Aussortieren bestimmter unliebsamer Inhalte. Eine andere Wahl existiert da schlicht nicht, und den Dienst dann eben in einem zensierenden Land komplett zu sperren ist die konsequenteste Option. Alles andere wäre verwerflich (eben tatsächliche Selbstzensur) oder effektiv unmöglich (Versuch, unzensierte Inhalte zu verbreiten, die dort vom Staat als illegal behandelt würden und strafrechtliche Folgen hätten). Eine Blamage ist es so am ehesten für die chinesische Regierung, weil die Zensur unübersehbar freie Informationen unzugänglich macht.
3. Behörden sind nicht Apple
nepi 12.10.2015
Da war die schnelle Zeile wohl wichtiger als der Inhalt? Alle Technikportale berichten bereits, dass die chinesischen Telekommunikationsanbieter auf Druck der Behörden News sperren und die entsprechenden Daten nicht auf die Geräte kommen (Portproblem unmittelbar nach ios9 auch bei der Telekom in Deutschland). Aber passt ja, das böööööse Apple. Spiegel stand mal für gründliche Recherche - jetzt geht es nur um Schnelligkeit. Schaut mal bei dem Kollegen von ifun.de vorbei - die erklären es ohne Hype...
4. Zensur ist ganz groß bei Apple
gatsue 12.10.2015
Nicht nur Selbstzensur, sondern auch mißliebeige Inhalte, wie Konkurrenz, werden bei iTunes von Apple zensiert. Nach einem willkürlichen Schlüssel und unter dem Hinweis auf "redaktionelle Freiheit". Muss man sich auch noch verhöhnen lassen. Die Dunkle Seite ruft.
5. Experten
tonyhawks 12.10.2015
Immerhin hat Apple beim Thema Zensur eine gewisse Expertise vorzuweisen. Das können sie ja aus ihrem App Store und unerwünschten Titelblättern...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: