Apps für iOS: Warum Apple Google danken sollte

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Mit Google ist Apple in diesem Jahr wenig freundlich umgegangen. Dabei gäbe es für den iPhone-Hersteller gute Gründe, dem Konkurrenten dankbar zu sein. Die iOS-Apps des Suchmaschinen-Konzerns sind für viele ein wichtiger Grund, Apple-Geräte zu kaufen - wie ein aktuelles Beispiel belegt.

Unverzichtbar: Google-Apps für iOS Fotos
SPIEGEL ONLINE

Angefangen hat der Ärger kurz vor Apples Entwicklerkonferenz WWDC im Juni. Bevor die eröffnet wurde, sei in Apples Hauptquartier die Entscheidung gefallen, Google Maps aus dem iPhone-Betriebssystem iOS hinauszuwerfen, wurde damals berichtet. Für Apple wäre es wohl ein Leichtes gewesen, die Google-Karten zu behalten; die Lizenz zur Nutzung hätte noch ein Jahr Restlaufzeit gehabt, berichtete The Verge.

Doch Apples Manager wollten lieber ihre eigenen Karten voranbringen. Und, schön anzusehen sind die ja auch tatsächlich. Schnell werden die vektorbasierten Grafiken auf den Bildschirm gezeichnet, sie sind voller Zusatzinformationen. Aber leider auch voller Fehler.

Das hätte nicht sein müssen.

Was folgte, bekam nicht ohne Grund den Beinamen Apple-Maps-Desaster. Statt sich über schöne neue Karten in Apples neuem i-Betriebssystem iOS zu freuen, machten sich Anwender in aller Welt über deren Mängel lustig. Die Suche nach Fehlstellen wurde zum Volkssport, die Häme und der Ärger so intensiv, dass sich zuerst Apple-Chef Tim Cook öffentlich entschuldigte und dann den iOS-Manager Scott Forstall aus dem Unternehmen komplimentierte.

Und doch ließ das Unternehmen nicht locker und entfernte auch noch die YouTube-App, seit 2007 fester Bestandteil jedes iPhones, aus iOS 6. Dafür zumindest hatte man eine Erklärung: Die Lizenz dafür, die YouTube-App ins iOS einzubinden, sei abgelaufen, erklärte Apple und verwies darauf, dass Google bereits an einer eigenen YouTube-App arbeite. Bis die fertig sei, könne man YouTube auf dem iPhone ja im Browser nutzen.

Zehn Millionen Apps in 48 Stunden

Das Resultat dieser beiden Entscheidungen ist eines, mit dem Apple offenbar nicht gerechnet hatte: Viele iPhone- und iPad-Besitzer schreckten davor zurück, ihr Gerät auf iOS 6 zu aktualisieren. Damit ließen sie sich monatelang nicht nur etliche neue Funktionen entgehen, sondern verzichteten auch auf die zusätzliche Sicherheit der neuen Version.

Welchen Einfluss Googles Apps tatsächlich auf Apples Kunden haben, zeigt sich nun, nachdem Googles neue Maps-App endlich in Apples App Store angekommen ist. Innerhalb der ersten 48 Stunden sei sie zehn Millionen mal heruntergeladen worden, meldete Google.

Für Apple viel interessanter dürfte jedoch sein, was das Online-Anzeigennetzwerk MoPub berechnet hat. Die 12.000 iOS-Apps, die MoPub mit Werbung bestückt, wurden innerhalb des ersten Wochenendes nach der Google-Maps-Veröffentlichung von 29 Prozent mehr iOS-6-Nutzern verwendet als zuvor. Die Schlussfolgerung: Millionen Apple-Anwender haben das überfällige Update erst eingespielt, als die Karten-App des Internetkonzerns wieder verfügbar war. Absolut verlässlich sind diese Zahlen zwar nicht, dürften bei einer Milliarde am Tag von MoPub überwachten Werbeeinblendungen aber recht nah an der Wahrheit liegen.

Wer will schon ein iPhone ohne Google?

Und wenn es so ist, dass eine einzige Anwendung dafür sorgt, dass Millionen i-Nutzer ihre iPhones, iPads und iPods mit dem neueren, besseren und sichereren iOS 6 bestücken, wäre es jetzt an der Zeit, sich bei Google zu bedanken. Und dass nicht nur wegen der Karten-App.

Apples zurückweisender Haltung zum Trotz veröffentlicht Google eine iOS-App nach der anderen. So gibt es längst eine neue YouTube-App und seit einigen Tagen die dazu passende App "YouTube Capture", mit der man am iPhone filmen und seine Videos gleich auf das Google-Portal hochladen kann. Außerdem liefert der Konzern eine Gmail-App, die so mancher komfortabler findet als Apples eingebauten E-Mail-Client, eine App zum Bearbeiten von Online-Dokumenten im Cloud-Dienst Google Drive und etliche andere, die für viele Apple-Kunden unverzichtbar geworden sind.

Diese Apps sind ein wichtiger Teil dessen, was iPhone-Besitzer zu zufriedenen Kunden macht. Apple sollte Google dankbar sein.

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Ich weiß nicht...
simonsinus 19.12.2012
... ob der Begriff Dankbarkeit in dieser heißumkämpften Branche überhaupt noch was gilt. Genauso könnte ja auch Google Apple dankbar sein. Google hat von dem zunehmenden Traffic von Seitens der iDevices von ja wohl auch gut profitiert und das jahrelang.
2. Naja...
schwarzewolke 19.12.2012
---Zitat--- Viele iPhone- und iPad-Besitzer schreckten davor zurück, ihr Gerät auf iOS 6 zu aktualisieren. Damit ließen sie sich monatelang nicht nur etliche neue Funktionen entgehen, sondern verzichteten auch auf die zusätzliche Sicherheit der neuen Version. ---Zitatende--- Zuerst: Habe meiner Freundin trotz eklatanter und lange bekannter Sicherheitslücken auch erst mal davon abgeraten, das Update auf iOS6 einzuspielen. Ich habe ihr aber auch NUR wegen der Schließung der teilweise drei Jahre lang bekannten Sicherheitslücken dazu geraten, auf iOS6 upzudaten, weil eben NICHT etliche neue Funktionen z. B. für ihr iPhone 4 verfügbar sind. War sehr lustig, vor gut drei Wochen wollte ein Bekannter von mir in Köln als Ortsunkundiger ein wenig rumschlendern. Tja, such mal den Kölner Dom bei Apple Maps und erklär ihm mal, wo er entlang gehen soll... Bin dann mit ihm zum Dom und ja, er steht noch! Das ist dann wieder so eine Mär, dass ja die Updatepolitik von Apple so toll sei.
3. Und Microsoft sollte Apple dankbar sein ...
discotieren 19.12.2012
.... denn ohne Apple hätte Microsoft das nächste Kartellverfahren vor der Nase. Die US-Unternehmen können nun aufeinander verweisen und das Kartellrecht ist damit faktisch zum Ruhen gebracht. Ein ganz böser, wer bei der Rettung Apples durch Microsoft daran dachte. Wikipedia schreibt: "Apple war zu dieser Zeit als Unternehmen bereits in erheblicher Bedrängnis. Es kam daher zu einem Vergleich, bei dem Microsoft durch den Erwerb von stimmrechtlosen Aktien Apples und einer Zahlung in unbekannter Höhe den Konkurs von Apple abwandte und dieses im Gegenzug seine Klage zurückzog." Nice trick! Wie immer, reiben sich die US-Unternehmen die Hände ... die dummen Europäer kaufen alles. Vor allem begreifen sie nicht, dass sie mit dem sicheren, schnellen und kinderleichten Linux längst selbständig sein könnten, statt jährlich Milliarden in die USA zu transferieren: Für Lizenzen, die in Wirklichkeit keiner braucht.
4. Win-Win-Situation
blubb321 19.12.2012
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEMit Google ist Apple in diesem Jahr wenig freundlich umgegangen. Dabei gäbe es für den iPhone-Hersteller gute Gründe, dem Konkurrenten dankbar zu sein. Die iOS-Apps des Suchmaschinen-Konzerns sind für viele ein wichtiger Grund, Apple-Geräte zu kaufen - wie ein aktuelles Beispiel belegt. http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/apple-sollte-google-fuer-maps-app-dankbar-sein-a-873804.html
Googles Geschäftsmodell ist das Verkaufen von Werbung. Je mehr Menschen eine Werbung sehen, desto teurer kann man sie verkaufen. Jeder der Werbung verkauft, ist daher daran interessiert, so viele Nutzer wie nur irgendwie möglich zu haben. Das gilt nicht nur für Fernsehsender, sondern eben auch für Google. Also selbstverständlich produziert Google eine iOS-App nach der anderen. Die Web-Nutzung ist bei iOS intensiver als bei Android. Google macht mit iPhones und iPads eine Menge Geld. Die Maps-Situation ist für beide Firmen eine Win-Win-Situation. Und auch für die Kunden, natürlich. Jeder (Apple, Google, Apples Kunden) steht jetzt besser als zuvor mit iOS 5 und den integrierten Google Maps da. Wenn man recherchiert, stößt man sehr schnell auf die Gründe, warum Apple sich von Google Maps verabschiedet hatte: Apple wollte eine moderne Version, so wie Google sie auch für Android anbot. Google wiederum war dazu nur bereit, wenn es mehr Daten über die Nutzer und eine Integration mit Google-Accounts bekäme. Darüber kamen die beiden nicht zusammen. Jetzt hat jeder, was er will. Apple hat eine moderne Version von Google Maps und sogar eine eigene Maps-Anwendung. Und Google bekommt die Daten von den Nutzern, die es haben möchte, inkl. Google Account-Integration. Wie gesagt, eine Win-Win-Situation. Warum muss da jetzt Apple dankbar sein, Google aber nicht? Eine reichlich naiv-emotionale Sicht der Dinge ist das.
5. Kein Skype auf dem iPad 4 (?)
Bernhard.R 19.12.2012
Seit einer Woche bin ich Besitzer eines neuen iPad. Nein, nicht das "New iPad", sondern die Nr. 4. Ein Grund war der Wunsch, Videotelefonate zu genießen. Die App aus dem Store geladen und los gehts - dachte ich. Leider Fehlanzeige. Da ich keine Info dazu im Web fand, befürchte ich, daß es Skype noch nicht für das iPad mit dem iOS 6 gibt.
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