Digitalassistentin von Apple Warum Siri plötzlich "Motherfucker" sagt

Siri ist nicht dafür bekannt, Schimpfwörter zu benutzen. Nun jedoch hatten iOS-Nutzer eine simple Frage entdeckt, auf die die Assistentin überraschend vulgär antwortet. Apple hat offenbar schnell darauf reagiert.

Home-Button des iPhone 8
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Wollen die eigenen Kinder definiert haben, was genau eigentlich eine Mutter ist, sollte man diese Frage nicht unbedingt Siri beantworten lassen. Das gilt jedenfalls, wenn der Nachwuchs noch sehr jung ist und Englisch spricht. Nutzer von Apples Digitalassistentin haben dieses Wochenende nämlich entdeckt, dass Siri beim Definieren des Begriffs "Mother" völlig unvermittelt etwas Vulgäres sagt: "Motherfucker".

Zu hören ist das Wort, wenn man nach dem Befehl "Define: Mother" die erste Antwort der amerikanischen Siri-Variante abwartet und dann ihre Frage, ob man die nächste Definition hören will, bejaht. Auf das anfängliche "A woman in relation to a child or children to whom she has given birth" folgt dann Siris zweite Definition: "as a noun: short for motherfucker" - "als Substantiv: kurz für 'Motherfucker'".

Siri sagt also "Motherfucker", einfach so? Im Netz wird bereits seit Samstag über die überraschende Antwort der Digitalassistentin diskutiert, SPIEGEL ONLINE bekam sie bei einem kurzen Test am Sonntagabend ebenfalls ausgespielt.

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Das Wort kann sogar positiv gemeint sein

Ob Siris Reaktion in dieser Form Absicht ist, ist bislang unklar, vermutlich hängt die Antwort damit zusammen, wie der Eintrag zu "Mother" im "Oxford Living Dictionaries"-Lexikon aufgebaut ist. Von dort nämlich stammt Siris zweite Begriffsdefinition, mit dem feinen Unterschied, dass sie auf der Lexikon-Website klar als "Vulgärsprache" gekennzeichnet ist. Diese Einordnung spart sich Siri.

Das Wort "Motherfucker" kennt die US-Version der Digitalassistentin derweil durchaus. Fragte man sie "What is a motherfucker?", antwortete sie in unserem Test mit "There is no need for that", also: "Das ist nicht nötig", alternativ auch mit "Your Language!" - "Deine Sprache!" oder mit "I hope you don't kiss your mother with that mouth": "Ich hoffe, du küsst mit diesem Mund nicht deine Mutter."

Das sind interessante Reaktionen, jedenfalls so lange, wie Siri das Wort bei "Mother" ohne Verweis auf den Kontext seelenruhig selbst benutzt, anderseits aber auch, weil "Motherfucker" laut dem Oxford-Lexikon theoretisch sogar positiv besetzt sein kann, in Kontexten wie "Das Titelbild beweist, dass er ein talentierter Motherfucker ist".

Gibt man Siri konkret den Befehl "Define: Motherfucker" erwähnt sie diese Bedeutung aber nicht, sie zitiert in diesem Anwendungsfall nur die erste von zwei Erklärungen aus dem Oxford-Lexikon "A despicable or very unpleasant person or thing", "eine abscheuliche oder sehr unangenehme Person oder Sache". In diesem Fall erwähnt Siri immerhin zusätzlich auch, dass das Ganze Vulgärsprache ist.

Auf Deutsch ist alles anders

Benutzt man Siri auf Deutsch, fällt ihre Definition von Mutter übrigens ganz anders aus. Fragt man sie hier nach der Bedeutung des Begriffs, wird noch vor der "Frau, die ein oder mehrere Kinder geboren hat" eine andere Definition abgespielt: Die vom "Stück aus Metall, das ein Gewinde hat und auf eine Schraube gedreht hat".

Update, 30. April, 8.20 Uhr: In der Nacht, nachdem dieser Artikel erschienen ist, scheint Apple Siris Antworten angepasst zu haben - sie antwortet auf den Befehl "Define: Mother" nun harmloser.

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mbö



insgesamt 9 Beiträge
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5b- 29.04.2018
1. Stimmt nicht ganz
Zumindest bei mir ist es erst die zweite Variante, die erst vorgelesen wird wenn man die Frage ob man eine zweite Definition hören möchte nach der unmittelbar vorgelesenen ersten Variante bejaht.
ei-gude-wie 29.04.2018
2. Siri sagt Motherfucker? WTF!
Welchen sittlichen Nährwert hat eine Betrachtung über die Nicht- / Verwendung eines Wortes durch Siri bei differenzierter Fragestellung? Wozu sollte sich ein Nutzer von Siri mit solchen Überlegungen befassen? Wer sich freiwillig einen Spion ins Wohnzimmer stellt, der in nicht nachvollziehbarer Weise die privatesten Gespräche mithört, an Big Brother weiter gibt, von einer Firma im Ausland mit minimalen Datenschutzbestimmungen analysieren und vermarkten lässt, macht sich keinerlei Gedanken um seine eigenen Wörter. Wieso sollten die Nutzer von Siri also über solch trivialen Fragestellungen nachdenken?
sven2016 29.04.2018
3.
Irgendwann bringt Axel Hacke ein Siri-Buch heraus. Dann ist das Thema final im seichten Allerweltsbereich gelandet, wo es auch hingehört. Überwachende "Sprachassistenten" sind das Reizthema, nicht Spitzfindigkeiten und Unzulänglichkeiten der Datenbasis.
hausfeen 29.04.2018
4. Im Grunde nur "Muttersöhnchen", "Memme", was immer weggepiepst ...
... wird. The Doors in "The End" hatten einen echten Traum vom Sex mit der Mutter thematisiert. Dabei ging es um die freudianische Therorie des Ödipus-Komplexes. Von solchen Theoretisierungen sind heutige Raps und Metal-Songs weit entfernt. Am Ende verharren sie bei "Memme" und der gezielten Beleidigung, für die Zidane beim WM-Endspiel schon mal einen professionellen Kopfstoß auf den Solarplexus vergab, obwohl nur seine Schwester, nicht die Mutter beleidigt wurde. Also Kinderkacke das. Nichtsdestotrotz wurde der Doors-Song weitgehend geächtet.
carranza 29.04.2018
5. Wenigstens wird nicht weichgespült
Die Welt ist noch nie besser geworden, nur weil man gewisse Dinge nicht direkt beim Namen nennen darf.
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