Verschwörungstheorien Apple wirft Podcasts von Alex Jones aus iTunes

Nach YouTube, Facebook und Spotify geht nun auch Apple gegen den Verschwörungstheoretiker Alex Jones vor. Wegen der Verbreitung von Hass werden seine Podcasts größtenteils aus den Angeboten der Firma entfernt.

Alex Jones
BRIAN BLANCO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Alex Jones


Apple reagiert spät, aber dafür umfassender als andere Plattformen: Während Spotify zunächst nur einzelne Episoden der "Infowars"-Podcasts des rechtspopulistischen Verschwörungstheoretikers Alex Jones löschte, entfernt Apple auf einen Schlag fünf von sechs Kanälen, die Jones und seiner Marke gehören, vollständig aus iTunes und seiner Podcast-App. Als Grund nannte Apple Verstöße gegen seine Richtlinien zu Hassrede.

Jones hatte zuletzt unter anderem verbreitet, dass die US-Demokraten am 4. Juli einen Bürgerkrieg anzetteln wollten, dass die US-Regierung an den Anschlägen am 11. September 2001 in New York beteiligt gewesen sei und dass der Amoklauf an der Sandy Hook High School von Schauspielern inszeniert worden sei. Daraufhin hatten mehrere Angehörige von Opfern Morddrohungen erhalten.

Eine Ausnahme gibt es noch für die Shows von "Infowars"

Ein Sprecher von Apple sagte dem News-Portal "BuzzFeed", das Unternehmen toleriere keine Hassrede: "Podcasts, die gegen unsere Richtlinien verstoßen, werden aus unseren Verzeichnissen entfernt, sodass sie nicht mehr gefunden, heruntergeladen oder gestreamt werden können. Wir präsentieren gerne verschiedene Ansichten, solange alle, die eine andere Meinung haben, respektiert werden."

"Infowars"-Shows wie "War Room" und die "Alex Jones Show" waren bisher zwar nicht direkt von Apple in iTunes angeboten worden, aber Apple hatte sie in seinen Suchindex aufgenommen. So konnten sie von jedem iPhone-Nutzer gefunden und abonniert werden. Nun sind sie weder in iTunes noch über Apples Podcast-App auffindbar. Mit einer Ausnahme: Die Sendung "Real News with David Knight", die ebenfalls zu "Infowars" gehört, ist noch verfügbar. Warum das so ist, teilte Apple nicht mit.

Facebook hatte zunächst das persönliche Profil von Jones für 30 Tage gesperrt und ebenso wie YouTube einige Videos seiner Show gelöscht. Spotify hatte zuletzt erklärt, jede Podcast-Folge zu überprüfen, die von Nutzern gemeldet wird. Sollten dabei Verstöße gegen Spotifys Richtlinien festgestellt werden, will das Unternehmen die jeweilige Folge aus seinem Angebot entfernen.

Update: Spotify hat nach eigenen Angaben mittlerweile die komplette Podcast-Reihe "Alex Jones - Infowars" aus seinem Dienst entfernt. Andere Inhalte der Marke würden derzeit überprüft. Facebook hat am Montag bekannt gegeben, dass es vier Seiten von Jones entfernt hat, sodass er dort keine neuen Inhalte anbieten kann.

pbe

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
vox veritas 06.08.2018
1.
Jetzt mal unabhängig davon, daß der Typ Schwachsinn verbreitet, aber es ist spannend und beängstigend zugleich zu sehen, wie eine handvoll Unternehmen (in diesem Fall Social Media Unternehmen) bestimmen kann, wer was wann sagen darf / kann und zu wem.
Calen 06.08.2018
2. Grenzen der Meinungsfreiheit
Zitat von vox veritasJetzt mal unabhängig davon, daß der Typ Schwachsinn verbreitet, aber es ist spannend und beängstigend zugleich zu sehen, wie eine handvoll Unternehmen (in diesem Fall Social Media Unternehmen) bestimmen kann, wer was wann sagen darf / kann und zu wem.
Nein, ist es nicht. Er kann weiterhin seinen Schwachsinn verbreiten, nur nicht mehr mit der Hilfe von Apple. Warum sollte ein Unternehmen verpflichtet werden, den Schwachsinn zu verbreiten. Meinungsfreiheit ist wichtig, es gibt aber auch noch andere Grundrechte, die gleichrangig sind. Sie würden es auch nicht wollen, wenn jemand sie verpflichtet, meine Meinung zu verbreiten. Spannender ist die Frage, warum immer noch nicht solche Unternehmen haftbar gemacht werden könne, wenn strafrechtliche "Meinungen" über diese verbreitet werden, während ich mich im Zweifel schadensersatzpflichtig mache, wenn ich Postings veröffentliche und die Idiotie des Postings zeige.
Strg+C 06.08.2018
3. Vollkommen okay.
Zitat von vox veritasJetzt mal unabhängig davon, daß der Typ Schwachsinn verbreitet, aber es ist spannend und beängstigend zugleich zu sehen, wie eine handvoll Unternehmen (in diesem Fall Social Media Unternehmen) bestimmen kann, wer was wann sagen darf / kann und zu wem.
Ich stimme Ihnen zu, der Typ verbreitet Schwachsinn. Dann sind wir aber genau beim richtigen Punkt: Apple, Spotify und YouTube sind Unternehmen und wenn ein Nutzer, hier Alex Jones, gegen irgendwelche Richtlinien oder Einstellungen verstößt, dann haben diese auch das Recht, ihn zu entfernen. Sie würden Herrn Jones wahrscheinlich auch nicht auf Ihrer Geburtstagsfeier reden lassen wollen oder? Halte ich das für Zensur? Überwiegend nein, denn die Zensur findet nicht durch den Staat statt. Es liegt eher der Fall vor, dass ein Geschäftspartner mit einem anderen - um die Worte von Herr Jones' Meister zu verwenden - keine Deals mehr abschließen will. Hetzen kann Herr Jones leider immer noch, aber nicht auf gewissen Plattformen. Diese Einschränkung ist gut.
Zäsus 06.08.2018
4. @1
Das kann man ja noch tolerieren, weils Firmen sind. Aber wenn das vom Staat verordnet wird, dann ist großer Grund zur Sorge. Z.b aktuell https://www.heise.de/newsticker/meldung/Schuelerproteste-in-Bangladesch-3G-und-4G-abgeschaltet-4129677.html
Forums-Geschwurbel 06.08.2018
5.
Zitat von vox veritasJetzt mal unabhängig davon, daß der Typ Schwachsinn verbreitet, aber es ist spannend und beängstigend zugleich zu sehen, wie eine handvoll Unternehmen (in diesem Fall Social Media Unternehmen) bestimmen kann, wer was wann sagen darf / kann und zu wem.
Gruselig ist hier einzig und allein, wieviele für den hasserfüllten Quatsch von Jones und Konsorten (gibt's ja auch auf deutsch!) empfänglich sind ... Jones hat übrigens kein Redeverbot bekommen ! Er kann lediglich nicht mehr Apple Podcasts für seinen gefährlichen Mumpitz missbrauchen. 'Kleiner' Unterschied !
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