Kopierte Uhr: Apple zahlt Millionen für Bahnhofsuhr-Design

Für das iPad hatte Apple die berühmte Schweizer Bahnhofsuhr verwendet - ohne Erlaubnis. Doch der Bahnkonzern SBB ließ sich zu einer Einigung bewegen, die ihm nun nach Informationen einer Züricher Zeitung über 16 Millionen Euro beschert haben soll.

Bahnhofsuhr: Schweizer Designklassiker als App Fotos
DPA

Zürich/Berlin - Das Zifferblatt mit schwarzen Strichen, ohne Zahlen und mit dem roten Sekundenzeiger in Form einer Signalkelle besticht durch schlichtes Design. Weil dies gut zur Apple-Philosophie passte, wählten Apple-Designer es wohl als Zeitanzeige für das iPad aus. Mit der Lizenzierung nahm der Konzern es aber nicht so streng wie bei der Verfolgung eigener Design-Kopien. Die legendäre SBB-Bahnhofsuhr wurde ohne Erlaubnis in die Software des iPad übernommen.

Als SBB dann die rote Kelle zeigte, verständigte sich Apple mit dem Unternehmen im Oktober auf eine Lizenz, finanzielle Details wurden aber nicht bekannt. Jetzt berichtet der "Tages-Anzeiger" aus Zürich, Apple habe dem Bahnkonzern 20 Millionen Franken (rund 16,6 Mio Euro) für die Nutzung des berühmten Bahnhofsuhr-Designs bezahlt. Die Zeitung nannte die Zahl unter Berufung auf mehrere Quellen.

Die Bahnhofsuhr war 1944 von dem Ingenieur und Gestalter Hans Hilfiker für die SBB entworfen worden. Sie gilt als Designklassiker, der unter anderem in den Sammlungen des Museum of Modern Art in New York und des Design Museum in London zu finden ist.

Die SBB lizenzieren das Design der Bahnhofsuhr auch für Armbanduhren und andere Zeitanzeiger, aber eigentlich nur für den Uhrenhersteller Mondaine, der seit 1986 die Produktion von auf dem Designklassiker basierenden Uhren für den Massenmarkt übernimmt. Mondaine ist eigenen Angaben zufolge nicht in die Vereinbarung eingebunden. "Als exklusiver Lizenznehmer sind wir überrascht, vom Lizenzabkommen zwischen der SBB und Apple zu hören," sagte Ronnie Bernheim, Mitbesitzer der Firma. Er wollte aber nicht sagen, ob er weitere Maßnahmen ergreifen will.

Apple war nach der zunächst unlizenzierten Übernahme des Uhrendesigns Doppelzüngigkeit vorgeworfen worden, weil das Unternehmen selbst eigene Designentwürfe scharf juristisch schützen lässt und Nachahmer vor Gericht bringt.

dpa/mia

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wie weit geht´s noch mit dem ver.... Copyright?
tweet4fun 11.11.2012
Zitat von sysopFür das iPad hatte Apple die berühmte Schweizer Bahnhofsuhr verwendet - ohne Erlaubnis. Doch der Bahnkonzern SBB ließ sich zu einer Einigung bewegen, die ihm nun nach Informationen einer Züricher Zeitung über 16 Millionen Euro beschert haben soll. Apple zahlt SBB Millionen für Bahnhofsuhr-Design - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/apple-zahlt-sbb-millionen-fuer-bahnhofsuhr-design-a-866582.html)
Da haben wir einen weißen Kreis mit 12 längeren und 48 kurzen Strichen in schwarz. Es gibt zwei Hauptzeiger und einen roten Sekundenzeiger. Es ist - Überraschung! - eine Uhr! Und darauf gibt es ein Copyright??? Würde das auch gelten, wenn statt des roten Kreises am Ende des Sekundenzeigers ein Dreieck gewählt worden wäre? Oder andersherum: Wird künftig jeder Uhrenhersteller aufgrund irgendeinem uralten Dokuments verklagt, weil er das Grunddesign der Uhr ja offensichtlich abgekupfert hat? Ja wird`s noch??? Bei der Kopie eines Designs von Luigi Colani kann ich das durchaus nachvollziehen. Aber eine simple Uhr? Wie weit gehen Firmen und ihre Anwälte noch? Das ist ja tatsächlich schon Realsatire!
2.
DocEmmetBrown 11.11.2012
Also was jetzt? Laut Überschrift haben sie gezahlt aber laut Text "sollen" sie gezahlt haben. Eine klare Aussage sollte man doch erwarten können wenn man sich nicht auf Bild.de befindet.
3. Es geht immer noch bescheuerter
spon_leser 11.11.2012
Zitat von tweet4funDa haben wir einen weißen Kreis mit 12 längeren und 48 kurzen Strichen in schwarz. Es gibt zwei Hauptzeiger und einen roten Sekundenzeiger. Es ist - Überraschung! - eine Uhr! Und darauf gibt es ein Copyright??? Würde das auch gelten, wenn statt des roten Kreises am Ende des Sekundenzeigers ein Dreieck gewählt worden wäre? Oder andersherum: Wird künftig jeder Uhrenhersteller aufgrund irgendeinem uralten Dokuments verklagt, weil er das Grunddesign der Uhr ja offensichtlich abgekupfert hat? Ja wird`s noch??? Bei der Kopie eines Designs von Luigi Colani kann ich das durchaus nachvollziehen. Aber eine simple Uhr? Wie weit gehen Firmen und ihre Anwälte noch? Das ist ja tatsächlich schon Realsatire!
Ich gebe ihnen vollkommen Recht. Es ist eigentlich totaler Schwachsinn. Aber bevor hier der Verdacht entsteht, dass dieses Uhrendesign die Spitze der Lächerlichkeit wäre, möchte ich den Blick auf folgenden Artikel bei heise.de lenken: Apple lässt sich Rechteck mit abgerundeten Kanten schützen | Mac & i (http://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Apple-laesst-sich-Rechteck-mit-abgerundeten-Kanten-schuetzen-1746897.html) Es geht immer noch bescheuerter. Man fragt sich ernsthaft, wie krank das Patentrecht ist wenn man sich das durchliest.
4. spiegel & seine rechtschreibung
IG-110 11.11.2012
nur eine kleinigkeit, aber vom grossen spiegel sollte man das erwarten können: im spiegel ist das "i" sicher richtig, doch in egal welcher, in keiner "zürcher zeitung" findest du es.
5. Und darauf gibt es ein Copyright
Lorbeerblatt 11.11.2012
Zitat von tweet4funDa haben wir einen weißen Kreis mit 12 längeren und 48 kurzen Strichen in schwarz. Es gibt zwei Hauptzeiger und einen roten Sekundenzeiger. Es ist - Überraschung! - eine Uhr! Und darauf gibt es ein Copyright??? .... Ja wird`s noch??? Bei der Kopie eines Designs von Luigi Colani kann ich das durchaus nachvollziehen. Aber eine simple Uhr?
Ja wirds noch? Ja, es wird. Nur komisch, dass jeder, der dieses Design sieht, sofort an die Bahnhofsuhr denkt, genauso wie jeder, der bei dem stupiden Kästchen mit dem Strich drin sofort nur an das Eine denkt: http://www.pactum1.de/pages/galerie/logos/deutsche_bank_logo.jpg Genau das Simple mit dem Wiedererkennungswert ist es aber, was wirklich gutes Design ausmacht. Das ärgert die, die das fertige Design sehen. Aber - wenn es in Ihren Augen so simpel ist, gutes, wert-volles Design zu machen... wer hält sie davon ab, genau das zu tun?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Apps
RSS
alles zum Thema Apple
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 56 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
iOS 6: Neue Funktionen für iPhone und iPad

Fotostrecke
Apple Maps: Ortsmarken im nirgendwo, ganze Städte in der iCloud


E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.