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Smartphone-Software Artisto Diese App verwandelt Videos in LSD-Clips

Mail.ru Group

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Der Hype um Prisma inspiriert Entwickler: Mit Artisto gibt es nun eine neue Software, die Bilder in Gemälde verwandelt. Die kostenlose App des russischen Internetkonzerns Mail.ru bearbeitet allerdings keine Fotos, sondern bewegte Bilder.

Die Artisto-App jagt die Videos von Android- und iOS-Geräten durch ein künstliches neuronales Netz. Danach sehen die Clips so aus, als hätte Vincent van Gogh einen psychedelischen Trickfilm gezeichnet.

Acht Tage haben die Entwickler nach eigenen Angaben zum Programmieren gebraucht. Bei Facebook schreibt Anna Artamonova, die Vizepräsidentin der Mail.ru-Gruppe: "Da es gerade in Mode ist, haben wir auch ein bisschen mit neuronalen Netzen herumprobiert." Um nicht andere Apps nachzuahmen, habe man sich aber auf Videos spezialisiert. Artamonova spielt dabei auf die App Prisma an, die vor einigen Wochen erschienen ist und mit Foto-Kunstfiltern in die App-Charts gestürmt ist.

Leider merkt man Artisto an, dass es sich um einen Schnellschuss handelt. In unserem Test auf einem iPhone 5s hakt die Software ordentlich. Zu Beginn lassen sich lediglich bereits gedrehte Videos aus dem Smartphone-Album auswählen. Die Aufzeichnen-Funktion lässt sich nicht antippen. Auch bei der Filter-Auswahl stürzt das Programm immer wieder ab.

Doch die Ergebnisse können sich sehen lassen. 14 Filter stehen zur Auswahl, die das Video etwa in ein loderndes Feuer-Kunstwerk, in eine bewegte Graphit-Zeichnung oder einen Mosaik-Clip verwandeln. Trotz der stattlichen Anzahl an Designs haben die Entwickler angekündigt, bald noch mehr Filter zur Verfügung zu stellen.

App spuckt nur kleine Kachelvideos aus

Die App benötigt weniger als zehn Megabyte Speicherplatz auf dem Smartphone. Was daran liegt, dass die Videos auf den Mail.ru-Servern bearbeitet und gerendert werden. Das hat zur Folge, dass die Filterfunktion ganz schön am Datenvolumen saugt, da die Clips auf die Server hochgeladen und nach der Bearbeitung wieder heruntergeladen werden. Klar ist auch: Die Videos landen auf russischen Servern und das Unternehmen behält sich vor, die Daten anonym zu speichern und an Vertragspartner weiterzuleiten.

Bei einer ordentlichen Datenverbindung klappt das Rendern flott: Sobald man einen Filter ausgewählt hat, dauert es nur wenige Sekunden, bis das Video in der Vorschau seinen neuen Look bekommt. Die fertigen Clips sehen in unserem Test sehr gut aus, die Konturen des Originalvideos sind sauber zu erkennen, auch wenn das künstliche neuronale Netz das das Ursprungsmaterial stark verfremdet hat.

Die App spuckt allerdings lediglich kleine Kachelvideos mit einer Auflösung von gerade einmal 512 mal 512 Pixel aus. Außerdem ist die Länge der Videos auf maximal zehn Sekunden begrenzt. Längere Szenen müssen mit einem Editor in der App zurechtgestutzt werden. Ein weiterer Haken ist das Artisto-Wasserzeichen, das bei jedem fertigen Video in der rechten unteren Ecke angezeigt wird.

Trotz dieser Schwächen eignet sich die App gut für einen netten Gag in der Timeline. Das sehen wohl auch die Entwickler so und bieten den Nutzern an, den fertigen Clip nach der Bearbeitung gleich bei Facebook, Instagram oder beim russischen sozialen Netzwerk VK.com zu posten.



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RadioLA 08.08.2016

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