Wechsel zur Konkurrenz-Software Blackberry sattelt offenbar auf Android um

Laut einem Medienbericht setzt Blackberry künftig auf Software der Konkurrenz - und will bereits im Herbst ein Gerät präsentieren, das mit Googles Mobilbetriebssystem Android betrieben wird.

Betriebssystem Blackberry 10: Weniger Apps im Angebot als für iOS und Android
DPA

Betriebssystem Blackberry 10: Weniger Apps im Angebot als für iOS und Android


Das kanadische Unternehmen Blackberry zweifelt offenbar am Erfolg seines eigenen Betriebssystems. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge will der Elektronikkonzern auf Smartphones der kommenden Generationen erstmals das Google-Betriebssystem Android installieren. Reuters bezieht sich dabei auf vier verschiedene Quellen, die alle mit den Plänen vertraut sind, aber nicht öffentlich darüber sprechen dürfen.

Mit diesem Schritt würde Blackberry indirekt zugeben, dass die eigene Smartphone-Software kaum Chancen gegen die Konkurrenzprodukte von Apple, Windows und Google hat. Erst vor etwa zwei Jahren hat das Unternehmen das Betriebssystem Blackberry 10 vorgestellt, das seither auf den eigenen Smartphones und Tablets installiert wird. Doch auch die zunächst positiv bewertete Software sorgte nicht dafür, dass Blackberry sich erfolgreich gegen Apple und Google behauptete.

Das liegt nicht zuletzt am Angebot der Apps, die selbst große Software-Konzerne eher für iOS und Android entwickeln als für Blackberry. Zwar unterstützt das Blackberry-Betriebssystem seit Version 10.3 auch Android-Apps aus dem Amazon-Shop, aber diese rund 300.000 Apps können lange nicht mithalten mit den drei Millionen Anwendungen bei Apple und Google.

Während der Konzern einst den Smartphone-Markt dominierte, hat Blackberry heute nur noch einen Marktanteil von weniger als einem Prozent. Das Unternehmen hat daraus bereits Konsequenzen ziehen müssen: Während im Jahr 2011 noch 17.500 Angestellte für Blackberry gearbeitet haben, waren es im Februar dieses Jahres nur noch etwa 6200.

Android-Gerät soll im Herbst auf den Markt kommen

Blackberry will sich zu den Android-Plänen nicht äußern. Man kommentiere keine Gerüchte und Spekulationen. "Aber wir bleiben dem Blackberry-10-Betriebssystem verpflichtet", es biete eine "unerreichte Sicherheit und Leistung". Auch Google will die Berichte über den Software-Wechsel nicht bestätigen.

Laut den Informanten könnte das Geräte-Kontrollsystem BES12 ein Grund dafür sein, dass Blackberry auf Android umsattelt. Mit der Software können Unternehmen die Mitarbeitergeräte verwalten, die mit iOS, Android und Blackberry betrieben werden. Das Android-Projekt soll offenbar die Kunden davon überzeugen, dass auch Smartphones der Konkurrenz mit dem System kompatibel sind.

Der Konzern könnte bereits im Herbst ein Gerät auf den Markt bringen, das mit Android betrieben wird, heißt es in dem Bericht. Neben einem Touchscreen soll das Smartphone oder Tablet auch eine Tastatur haben, die man zusätzlich zum Schreiben benutzen kann. Die Tasten sind ein Markenzeichen des Konzerns, der auf Nutzer setzt, die nicht so gerne ihre Texte auf einem Touchscreen eingeben.

jbr/Reuters

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insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
endbeach 12.06.2015
1. Endlich!!!
ich habe selbst ein Z10. Das OS ist das GRAUEN und elend langsam beim Starten. Mein Androidhandy ist schon lange am Laufen, bis endlich das BB aktiv wird. Die Bedienung ist überhaupt nicht intuitiv, ich brauchte Wochen, um damit schnell umgehen zu können. Überhaupt kein Vergleich mit Android und IOS. Das kann nur besser werden...
WillausD 12.06.2015
2. Also das BB10 ist ein ...
.... gutes und stabiles OS. Habe selber das Z10 und bin sehr happy. Und man kann über den side load das SNAP Programm laden und mit dem Google Konto auch apps Installieren (nicht alle laufen). Habe das S6 edge als Firmenhandy und hatte fast alle Sams S Vorgänger. Leider ist das Android ziemlich unsicheres OS wie damals Win95/98.
Kaygeebee 12.06.2015
3.
Schade, denn Blackberry OS 10 ist ein sehr gutes Smartphone-OS mit einigen Features, welche es von der Konkurrenz absetzen. Letztendlich entscheiden richten sich interessierte KäuferInnen aber nicht nur nach dem OS selbst, sondern auch dem damit verbundenen App Store. Und hier hat Blackberry in den letzten Jahren fast komplett versagt. Für unser Blackberry Playbook gab es praktisch keine guten Apps. Ein paar Klassiker (Adobe Acrobat Reader, Angry Birds, Facebook, Youtube), aber größtenteils nur Schrott (nutzlos, teuer, schlecht programmiert). Ein mobiles Gerät wie ein Tablet oder Smartphone entfaltet seine vollen Möglichkeiten heute eben erst, wenn es mit den entsprechenden Apps ausgestattet werden kann. Ob Android für Blackberry Geräte nun die Rettung bringt bezweifle ich. Blackberry ist bei jüngeren Konsumenten nicht mehr "in" oder "cool". Blackberry lastet immer noch der Ruf der muffigen Businessmarke an und selbst Konzerne setzen nicht mehr auf Blackberry. Die AIG erlaubt ihren Mitarbeitern z.B. ihre privaten Smartphones zu benutzen oder stattet sie mit iPhones aus. Neue Geräte von Blackberry (Q10, Q5, Z30) wurden gar nicht mehr angeschafft. Und der Androidmarkt ist schwierig, da die Konkurrenz dort enorm ist (Samsung, HTC, LG, Huawei, Sony, Motorola und zahllose Marken aus China). Man merkt, dass Blackberry langsam nach jedem Strohhalm greift und verzweifelt wird. Nach rund zwei Jahre sein lange entwickeltes OS aufgeben, um massentauglicher zu werden? Das klingt ziemlich verzweifelt. Ich glaube nicht, dass Blackberry in den nächsten drei bis fünf Jahren noch existieren wird.
Vex 12.06.2015
4. brauch kein Android auf meinem BB
Ich selbst habe das Q10 mit dem BB10 und bin absolut zufrieden. Ich find es wesentlich besser als das Samsung Android meiner Frau oder meiner Eltern und würde auch nur sehr ungerne wechseln. Die Anzahl der Apps ist mir völlig egal da ich ausser einem Navi, Browser und einem Messenger kein Apps brauche. Und gerade der Browser ist allem was ich auf Android gesehn habe klar überlegen. Das BB10 langsam beim starten ist stimmt aber das muss ich nur etwa alle 2 Monate mal machen und ein Android Smartphone das es ohne Nachladen 3-4 Tage bei geringer-mittleren Nutzung schafft hab ich auch noch nicht erlebt die meisten schaffen es keine 4 Tage ohne Strom selbst wenn man sie gar nicht benutzt.
deeperman 12.06.2015
5. Einmal cool, und dann...?
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, als Blackberry-Phones DAS Imagephone waren. Jeder Manager tippte mit wichtigem Gesicht darauf herum, packte es mit großer Geste bei Flughafen-Security aus - genauso wie heute das iPhone. Und genauso wie, noch früher, die Nokia in Bananenform. Und noch früher das Motorola Star-Tac. Und davor das Siemens-Handy mit einer Woche Stand-by. Alles vergessen - es sollte Apple eine Warnung sein, wie schnell das gehen kann, wenn irgendwer irgendwas cooleres bringt.
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