Blendle und Pocketstory Das kaufen die Deutschen im Digitalkiosk

Mit Blendle und Pocketstory gibt es seit einigen Wochen zwei Webdienste, die Artikel aus Zeitungen und Zeitschriften einzeln verkaufen - zum Teil schon für wenige Cent. Welche Texte interessieren die deutschen Nutzer am meisten?

Blendle-Gründer Marten Blankesteijn: Etwas mehr als die Hälfte der Nutzer in Deutschland ist jünger als 35 Jahre
DPA

Blendle-Gründer Marten Blankesteijn: Etwas mehr als die Hälfte der Nutzer in Deutschland ist jünger als 35 Jahre


Seit gut einem Monat verkauft Blendle in Deutschland einzelne Texte aus Zeitungen und Magazinen. Jetzt hat das aus den Niederlanden stammende Start-up eine Top 5 der bislang gefragtesten Artikel veröffentlicht. Beliebt seien vor allem "Geschichten, die hochkomplexe Sachzusammenhänge auf verständliche Art und Weise herunterbrechen".

Auf Nachfrage hat auch der Hamburger Blendle-Konkurrent Pocketstory Einblick in seine meistverkauften Texte gegeben.

  • Auf Platz eins liegt bei Pocketstory die SPIEGEL-Geschichte "Der unheimliche Dienst", die sich mit dem BND beschäftigt. Einzeln verkauft wird sie für 1,11 Euro.
  • Mit 59 Cent auf Platz zwei folgt "Software statt Spoiler", ein "Zeit"-Artikel über Autos aus dem Silicon Valley.
  • Auf Platz drei landet das Philosophiemagazin "Hohe Luft" mit "Schneller, weiter, schöner, gesünder!", einem Text über den Trend zur Selbstoptimierung. Er kostet 53 Cent.
  • Um die niederländische Stadt Arnheim geht es in "Urlaub in Bitcoin-City", dem vierterfolgreichsten Text. Er kostet 45 Cent und stammt aus der Zeitschrift "Technology Review".
  • Und auf Platz fünf liegt "Gestärkt aus der Krise", ein Artikel aus der Zeitschrift SPIEGEL WISSEN, der sich mit dem Umgang mit Niederlagen beschäftigt. Der Zugriff kostet 83 Cent.

Blendle hat über 500.000 Nutzer - weltweit

Blendle ist Mitte September offiziell in Deutschland gestartet, Nutzerzahlen für den hiesigen Markt gibt der Dienst nicht heraus. Das Start-up meldet lediglich, sein Dienst wachse in Deutschland "massiv schneller" als seinerzeit in den Niederlanden. Ähnlich wie dort sei auch hier etwas mehr als die Hälfte der Nutzer jünger als 35 Jahre. Weltweit komme Blendle mittlerweile auf eine halbe Million Nutzer.

Wer sich bei Blendle neu anmeldet, bekommt 2,50 Euro Startguthaben - man kann das Angebot also zumindest eine Zeit lang nutzen, ohne echtes Geld auszugeben. Artikel aus dem SPIEGEL sind sowohl bei Blendle als auch bei Pocketstory verfügbar.

Eine Betaversion von Pocketstory ist bereits seit dem Mai online. Wer sich dort registriert, bekommt aktuell einen Artikel seiner Wahl kostenlos. Nutzerzahlen des Dienstes sind bislang nicht bekannt. Geschäftsführer Thorsten Höge zufolge hat auch Pocketstory eine im Vergleich zu den klassischen Zeitungs- und Zeitschriftenkäufern eher junge Nutzerschaft.

mbö



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insgesamt 8 Beiträge
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herjemine 12.10.2015
1. Zu teuer!
Wenn ich die Preise einzelner Artikel in Realtion zum Preis einer "Zeit" oder eines "Spiegel" am Kiosk setze bleibt der Schluss: Viel zu teuer! Die Preise müssten 80-90% runter dass ich anfangen würde zu kaufen.
olaf_olafson 12.10.2015
2. Auch als App ?
Ich habe für Pocketstory eine App gefunden. Die werde ich mir mal anschauen. Für Blendle gibt es die (noch?) nicht. Weiß jemand ob da was geplant ist? Sonst ist dieses Angebot für mich von vornherein gestorben. Ich möchte mich auf dem iPad nicht damit im Browser rumschlagen, dauernd an- und abmelden, Cookies löschen und Tracker blocken. Auf eine Anmeldung würde ich gerne auch verzichten. Zahlen kann ich immerhin anonym über den App Store per in-App Kauf. Noch eine Frage: Sind beide Angebote absolut werbefrei? Falls ja hoffe ich, dass auch keine Werbetracker vorhanden sind.
adubil 12.10.2015
3.
Zitat von herjemineWenn ich die Preise einzelner Artikel in Realtion zum Preis einer "Zeit" oder eines "Spiegel" am Kiosk setze bleibt der Schluss: Viel zu teuer! Die Preise müssten 80-90% runter dass ich anfangen würde zu kaufen.
Die virtuelle TOP10-Gesamtausgabe würde 6,84 € kosten. Das ist schon ein Happen für 10 Artikel. Wobei die Ansage "am meisten gelesen" ja noch nichts über Qualität, Tiefe und Ausführlichkeit aussagt. Möglicherweise ist die TOP-Liste auch über das Ranking getriggert. Feedback. Interessant wäre zu erfahren, wieviele User denn tatsächlich für die Artikel bezahlt haben. Zumindest bei 'Blendle' soll's ja sowas wie ein nachträgliches Storno geben.
nebukadnezar123 12.10.2015
4. Blendle konnte mich noch nicht überzeugen
Habe mir Blendle besorgt, sobald es rauskam. Leider ein sehr eingeschränktes Angebot an Zeitschriften. Hatte auf Spektrum gehofft aber leider nur Mainstream wie Stern und Bild. Die App (Android) hat keinerlei Möglichkeiten zur Personalisierung. Zeitschriften die man über die App gekauft hat zeigen keine Bilder an nur Text. Zum Teil sind die Artikel sehr teuer, im Verhältnis zur Länge des Textes. Bin momentan nicht überzeugt, aber möglicherweise braucht das ja noch paar Monate.
macmeinung 12.10.2015
5. Die Zukunft?
Interessant. Laut der Top10 könnte man den typischen Nutzer in die mittlere bis gehobene Bildungsbürgerschicht verorten (Cicero, Zeit, FAS ...). Ist das nicht das Klientel, dass überhaupt noch bereit is Geld für Inhalte auszugeben? Schlecht für die Verlage ist nur, dass diese Leute nun nur noch Artikel kaufen und keine Gesamtausgaben. Ob das die Umsatzkurven mittelfristig wachsen lassen wird?
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