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Fehlfunktion: Profi-Kopierer verdreht Zahlen

Scanner der Firma Xerox (Symbolbild): Ein Blogger berichtet von einem Fehler, durch den Kopierer der Firma Zahlen vertauschen sollen Zur Großansicht
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Scanner der Firma Xerox (Symbolbild): Ein Blogger berichtet von einem Fehler, durch den Kopierer der Firma Zahlen vertauschen sollen

Aus 14 wird 17, aus 21 manchmal 14: Ein Informatiker hat einen kuriosen Fehler bei Xerox-Kopierern beobachtet - offenbar vertauscht die Gerätesoftware beim Kopieren Zahlen. Xerox prüft den Fall.

Auf dem Tisch liegt der kopierte Grundriss einer Wohnung. Ein Zimmer ist auf den ersten Blick größer als das andere, doch der Plan behauptet das Gegenteil: Das kleinere Zimmer habe mehr Quadratmeter. Der erste Gedanke in einer solchen Situation ist: Jemand hat sich vertippt oder etwas vertauscht. Doch den Fehler, den ein Informatiker beschreibt, hat kein Mensch, sondern ein Kopierer begangen. Das Originaldokument ist korrekt beschriftet, erst auf der Kopie hat das Gerät die Zahlen für die Flächenangabe vertauscht.

Der Informatiker David Kriesel berichtet in seinem Blog, dass er einen Software-Fehler in den Kopierern des Unternehmens Xerox gefunden hat. Detailliert beschreibt er eine kleine Versuchsreihe und wie er auf das Problem aufmerksam gemacht wurde. Der reproduzierbare Fehler trete wohl bei Zahlen auf, die in einer gerade noch lesbaren Auflösung auf Dokumenten abgedruckt sind. Sie werden bei Kopien durch andere Zahlen aus demselben Dokument ersetzt.

Als mögliche Fehlerquelle nennt Kriesel ein Kompressionsverfahren. Denn um Datenspeicher einzusparen, werden bei der Kompression von Bildern ähnliche Bildbestandteile wiederverwendet. Da die betroffenen Bestandteile sich zwar ähneln, aber noch mit bloßem Auge unterscheiden lassen, kommt es zu dem Zahlentausch. Für die Geräte scheinen die gerade noch lesbaren Zahlen ähnlich genug zu sein, um sie wiederzuverwenden. "Das Ergebnis sind Dokumente, die falsch sind, aber häufig so subtil, dass man es auf den ersten Blick nicht bemerkt", schreibt Kriesel. Den Fehler selbst hat ein Xerox-Geräte vertreibender Betrieb verifiziert, so Kriesel.

Kleine Zahlenfehler mit großer Wirkung

Xerox prüft den Fall derzeit, äußert sich aber nicht öffentlich.

Sollte der Fehler tatsächlich bei mehreren Xerox-Druckern auftreten, könnte das erhebliche Probleme mit sich bringen. Wenn Bauunternehmen oder Behörden Kopierer der Firma nutzen, könnten auch harmlose, auf den ersten Blick kleine Fehler große Konsequenzen haben. Welchen Effekte beispielsweise durch verfälschte statische Berechnungen für Gebäude oder falsche Finanzkalkulationen entstehen, lässt sich nur schwer abschätzen. Es ist derzeit völlig unklar, seit wann der Fehler existiert.

Als in seiner Versuchsreihe getesteten Geräte nennt der Informatiker Kriesel die Scankopierer der Xerox-WorkCentre-Reihe, darunter Xerox WorkCentre 7535 und 7556. Auf ihnen konnte er den Fehler in wechselnder Häufigkeit reproduzieren. Auch die neueste Software-Version behebt das Problem derzeit noch nicht.

kpg

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Ein Schelm...
unpolit 05.08.2013
wer Böses denkt. Kann natürlich sein, dass der Kopierer/Scanner die korrekten und vertauschten Daten an das NSA sendet. Und dann hat man bei Abweichung vom MainStream-Verhalten plötzlich die Steuerfahndung im Hause, weil ja betrogen wurde.... Eigentlich undenkbar, aber da sind in den letzten Wochen schon diverse als "nicht denkbar" eingestufte Taten als "wird so gemacht" qualifiziert worden.
2. Die Innovationszyklen werden immer kürzer...
snoook 05.08.2013
... und eine Folge ist, dass für gründliche Tests keine Zeit mehr bleibt. Dabei hätte gerade sowas getestet werden müssen, wenn man weiß, wie die eigene Software arbeitet. Oder die Prozessorleistung wurde so weit kostenoptimiert, bis nur noch Murks rauskam.
3. Architekten
twister-at 05.08.2013
Viel deprimierender ist, dass das Ausmaß solcher Fehler überhaupt nicht erkannt wird. So traurig es bei Architekten ist (und so gefährlich, wenn es um Statik geht), so gibt es zig andere Anwendungsproblematiken - von Medikamentenbeigabe über Meldungen von Steuern und und und.
4. Absoluter Blödsinn.
berns 05.08.2013
Fotokopiergeräte scannen die Vorlage nach hell und dunkel. Da wird nichts "ähnliches" ersetzt. Wenn Zahlen nicht mehr einwandfrei lesbar sind, kann natürlich der Eindruck einer falschen Zahl entstehen, das kann auftreten, wenn die Kopie wiederholt kopiert wird und durch die Wirkung der Gradation Teilbereiche nicht mehr erkannt werden. Kein Fotokopiergerät druckt etwas anderes, als es durch Scannen der Vorlage zu erkennen war.
5. wie man sich taeuschen kann
heiden98 05.08.2013
... und ich dachte, "Foto"kopierer lesen die Blattoberflaeche pixelweise ein und schwarzer Staub klebt dann an den entsprechenden Stellen auf der Druckwalze. Wenn die Geraete Zeichen vertauschen, heisst das, dass es die Originalvorlage zeichenweise liest (OCR), nur hatten die dummerweise einen Legasteniker in der QA. Natuerlich kann ein vernetztes Geraet den text an den BND weitergeben, der es ... oops! ... an die NSA weitergeben, die es dann dem BND zuspielt. (Wir wollen doch nicht, dass der BND Gesetze bricht, oder?)
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