Cinemagramme selbst machen So entsteht ein bewegtes Standbild

Cinemagramme sind ein beeindruckender Mix aus Foto und Video - kein Wunder, dass sie auf Instagram, Facebook und YouTube äußerst beliebt sind. Hier erfahren Sie, wie man solche Aufnahmen erstellt.

Michael Jordan

Von "c't-Fotografie"-Autor Michael Jordan


Schon seit geraumer Zeit finden Bilder mit Bewegung nicht nur in sozialen Netzwerken immer mehr Anklang. Was für den einen ein Marketinginstrument für mehr Aufmerksamkeit ist, ist für den anderen eine kurzweilige Spielerei mit der Wahrnehmung. Zwei vom Ansatz her verschiedene Techniken helfen dabei, solche Bilder zu erstellen, im Folgenden erklären wir sie beide.

Technik 1: Endlosschleifen

Die einfachere Variante ist die Endlosschleife eines kurzen Filmschnipsels. Der Kniff ist dabei die Auswahl eines geeigneten Motivs. Ein tropfender Wasserhahn oder eine schaukelnde Bewegung etwa sind Abläufe, die sich gut in Form einer Schleife festhalten lassen.

Der Reiz solcher Sequenzen ist das endlose Ablaufen einer Bewegung, die im realen Leben nicht als Bewegung ohne Ende vorkommt. Der Betrachter wartet quasi darauf, dass die Wiederholungen endlich ein Ende haben.

Für diese Technik sind zwei Arten von Bewegung geeignet: kreisförmige Bewegungen, bei denen das Startbild und das Bild nach Abschluss der Kreisbewegung gleich sind, was einen unauffälligen Übergang in die Endlosschleife ermöglicht, und lineare Bewegungen. Bei letzteren verschwindet das sich bewegende Objekt am Ende entweder außerhalb oder innerhalb des Bildfeldes. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Tropfen in einer Tasse, bei der die Perspektive so gewählt ist, dass der Punkt des Auftreffens nicht sichtbar ist.

Für das Erstellen solcher Schleifen ist lediglich ein Smartphone notwendig, das Filme aufnehmen kann. Werden die Filme zum Beispiel bei Instagram hochgeladen, werden sie automatisch als Endlosschleife präsentiert.

Die Hardware

Hardware-seitig benötigen Sie lediglich drei Dinge: ein Smartphone, ein Stativ sowie eine Stativhalterung fürs Smartphone. Ist das eigene Fotostativ zu schwer oder das Tischstativ zu unflexibel, lässt sich auch ein einfaches Lampenstativ nehmen, sofern es das für den Smartphonehalter notwendige 1/4"-Gewinde besitzt. Dank des geringen Gewichts ist es leicht zu tragen.

Wer nicht nur horizontal filmen möchte, kann zwischen Smartphone und Stativ noch einen kleinen Kugelkopf befestigen, um die Neigung zu verändern.

Einfacher Einstieg mit Filmschnipseln

Die App Stores für Android und iOS bieten diverse Software an, die die den Produktionsvorgang vereinfacht. Einige Programme sind kostenfrei, andere gibt es in einer Basisversion gratis, sie führen dafür zu einem Wasserzeichen im fertigen Film. Wenn die App dem Nutzer gefällt, kann aber ein Upgrade erworben werden, das meist weitere Funktionen freischaltet und das Wasserzeichen verschwinden lässt.

Gefunden in c't

Gut für den Einstieg eignet sich zum Beispiel das kosten- und werbefreie Programm Boomerang von Instagram. Die App zeichnet eine Sequenz von maximal einer Sekunde Dauer auf. Wird der Aufnahmeknopf früher losgelassen, endet die Aufzeichnung sofort. Solche kurzen Sequenzen klappen meist auch ohne Stativ. Die Software unterstützt sowohl die Front- als auch die rückseitige Kamera.

Gleich nach der Aufnahme läuft der Filmschnipsel auf dem Display als Endlosschleife, und zwar nicht jeweils linear vom Anfang zum Ende. Vielmehr "wendet" der Clip am Ende und läuft dann rückwärts zum Anfang, um dort erneut zu wenden. Da es so keinen Bruch gibt, wirken diese Filme harmonisch.

So entstandene Filmchen können auf Instagram oder Facebook hochgeladen werden, sofern die jeweilige App installiert ist. Alternativ kann der Film auch per Mail oder Nachricht versendet beziehungsweise auf dem Smartphone oder in der Cloud gespeichert werden.

Technik 2: Cinemagramme

Eine etwas anspruchsvollere Technik ist als Cinemagrafie bekannt. Ausgangsbasis hierfür ist ebenfalls ein kurzes Video. Von diesem Film ist jedoch nur ein Teil als Bewegtbild zu erkennen, während der Rest so maskiert ist, dass nur ein Standbild zu sehen ist. Dies entspricht nicht unseren Sehgewohnheiten und weckt dadurch unsere Neugier.

Die gestalterische Herausforderung bei dieser Art der Darstellung ist nicht nur die Wahl eines dafür gut geeigneten Motivs, sondern auch die kluge Entscheidung, welche der Bildelemente als Film und welche als stehendes Bild präsentiert werden. Damit die Irritation wirkungsvoll ist, bedarf es eines Motivs mit viel Bewegung, da nur so ein Teil der Bewegung eingefroren werden kann.

Überzeugend sind solche Motive immer dann, wenn sich Teile des Hauptmotivs bewegen: zum Beispiel in Form einer Person, die mit einem Auge blinzelt oder deren langes Haar im Wind weht. Aus gestalterischer Sicht weniger gelungen sind die Motive, bei denen sich lediglich im Hintergrund etwas bewegt und bei denen das Hauptmotiv statisch bleibt. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass diese Bilder weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Cinemagramme werden meist in einem linearen Loop abgespielt. Damit die Wiedergabe nahtlos ohne Sprünge gelingt, ist es sinnvoll, dass das Anfangs- mit dem Endbild einer Sequenz identisch beziehungsweise deckungsgleich ist.

Sollte das nicht der Fall sein, bieten einige Apps wie Cinegraph Pro die Möglichkeit zur Überblendung, um den Übergang weicher zu gestalten. Alternativ gibt es auch die bereits beschriebene Option, den Film am Ende wieder zum Anfang zurücklaufen zu lassen und dann immer wieder hin und her. Das wirkt bei einer linearen Bewegung wie fließendem Verkehr aber natürlich unnatürlich und ist so kontraproduktiv zum subtilen Effekt, den man gern erzielen möchte.

Beispiel Loopsie

Eine einfach zu bedienende App für den Einstieg in Cinemagrafie ist Loopsie, sie ist kosten- und werbefrei für iOS verfügbar. Anders als bei Boomerang können die Sequenzen in Loopsie länger als eine Sekunde dauern. Zur besseren Kontrolle des Bildaufbaus bei der Aufnahme lassen sich Gitternetzlinien einblenden. Zusätzlich können Sie zwischen drei Formaten mit unterschiedlichem Seitenverhältnis wählen. Nach der Aufnahme stabilisiert die App das Video automatisch.

In der iOS-App Loopsie lassen sich Cinemagraf-typisch Bereiche markieren, die sich im späteren Video nicht mehr bewegen.
Heise

In der iOS-App Loopsie lassen sich Cinemagraf-typisch Bereiche markieren, die sich im späteren Video nicht mehr bewegen.

In der Nachbearbeitung können Sie die Teile, die sich im Film bewegen sollen, übermalen. Diese Retusche lässt sich später noch korrigieren: So können Sie ganz entspannt ausprobieren, wie der Film am besten wirkt.

Bevor Sie die fertige Sequenz hochladen beziehungsweise abspeichern, bestimmen Sie noch den Wiedergabemodus: Sie haben die Wahl zwischen einem linearen Loop von Anfang bis Ende und einem Vor-zurück-Loop mit Umkehrpunkten an Anfang und Ende.

Mehr zum Thema


insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
MrSnoot 24.06.2018
1.
Ich hätte ja gerne Beispiele gesehen.
philosophus 25.06.2018
2. Haste was zu sagen?... DAS zählt...
Was soll dabei gross "beeindruckend" sein?. Die Techniken die beschrieben werden sind bekannt seit der Erfindung des Kinematographs und seit dem, das einzige beindruckende ist, dass man die Zeit als bewegendes Bild einfangen kann, beliebig "schneiden" und damit Geschichten erzählen kann. Dabei galt und gilt: Es geht NUR um die Aussagekraft der Bilder...die Technik dabei ist nebensächlich...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.