Datenwolke für Musik: Apple startet "iTunes Match" in Deutschland

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In der Nacht zum Freitag hat Apple "iTunes Match" in Deutschland freigeschaltet. Der Dienst verlagert die Musiksammlung seiner User gegen Gebühr in eine Datenwolke - auch Songs, die man nicht online erworben hat. SPIEGEL ONLINE hat das Angebot schon getestet.

Musik in der Datenwolke: iTunes Match Fotos
SPIEGEL ONLINE

Kurz vor Mitternacht, in der Nacht zum Freitag, verbreitete sich die Nachricht im Netz: Apple hat iTunes Match in Deutschland aktiviert. Nach einem Update der Multimediasoftware iTunes sei der Dienst plötzlich und ohne Ankündigung verfügbar geworden - eigentlich. Denn noch bis in die frühen Morgenstunden mehrten sich Klagen von Anwendern, bei denen das Angebot partout nicht funktionieren wollte.

Der Grund, weshalb das Interesse an Apples neuem Dienst so groß ist: Unter manchen Netznutzern gilt iTunes Match als günstige Möglichkeit, Musik quasi zu legalisieren, die man aus zweifelhaften Quellen bekommen hat. Dabei ist der Ansatz laut Apple ein anderer. Musik, die man selbst von CDs gerippt oder von Schallplatten und Audiokassetten digitalisiert hat, soll sich schnell, bequem und in guter Qualität in eine Datenwolke übertragen lassen. Dort angekommen, kann man alle in dieser Wolke gespeicherten Songs mit mehreren Computern synchronisieren - sofern darauf iTunes läuft - und mit iPhones, iPads und iPods abgleichen.

Der große Vorteil gegenüber vergleichbaren Angeboten: Während man seine Musikdateien beispielsweise bei Amazon und Google mühsam und zeitaufwendig hochladen muss, durchsucht iTunes die Musiksammlung und sendet nur eine Liste der gefundenen Songs an die iTunes-Server. Fortan hat man Zugriff auf diese Songs aus dem iTunes-Portfolio. Nicht selten dürfte dieser Quasi-Tausch mit einer Verbesserung der Klangqualität einher gehen. Denn von iTunes Match werden alle Songs im AAC-Format mit einer Abtastrate von 256 Kilobit pro Sekunde bereitgestellt, üblich war lange Zeit nur eine halb so hohe Abtastrate.

Erster Erfolg nach 20 Minuten

In einem ersten Test klappte die Anmeldung problemlos. Allerdings verlangte iTunes trotz eines ausreichenden Guthabens die Eingabe von Kreditkartendaten. Der Grund dürfte sein, dass iTunes Match als sich selbst verlängerndes Abo ausgelegt ist. Eine Belastung der Kreditkarte erfolgte nicht, die 24,95 Euro, die Apple als Jahresgebühr für den Dienst einfordert, wurden vom Guthaben abgebucht. Ärgerlich ist das Prozedere trotzdem für alle, die aus Angst vor Abzock-Apps keine Kreditkartendaten bei iTunes hinterlegen wollen.

Im Anschluss beginnt iTunes damit, die Musiksammlung zu durchsuchen. Je nach Umfang und der Geschwindigkeit von Festplatte und Rechner kann das in einigen Minuten erledigt sein - oder bedeutend länger dauern. Der eigentliche Upload der Daten geht dann über DSL recht schnell vonstatten. Nach dem Anstoßen des Vorgangs auf einem Laptop, dessen 60 Gigabyte große iTunes-Sammlung auf eine Netzwerkfestplatte ausgelagert ist, war es bereits nach rund 20 Minuten möglich, die in iTunes Match gelagerte Musik auf einem iPad abzuspielen.

Ein Kabelkiller

Dabei handelte es sich allerdings nur um jene Songs, die iTunes Match auf Anhieb erkennen und zuordnen konnte. Ältere Titel, die von CDs gerippt und händisch betitelt worden waren, erschienen erst erheblich später in der Liste, weil sie eben doch komplett in Apples Cloud-Speicher geladen werden mussten. Auf dem Tablet - dessen vorherige Musiksammlung bei Aktivierung der Match-Funktion zunächst gelöscht wird - werden die Cloud-Titel mit einem Wolkensymbol gekennzeichnet. Nach einem Klick darauf wird der jeweilige Song aus der Wolke auf das Gerät geladen und steht offline um Anhören bereit. Erfreulich ist, dass man auch komplette Wiedergabelisten, Alben oder sämtliche Werke eines Künstler mit einem Klick auf das Gerät holen kann. Als Absicherung gegen überhöhte Handyrechnungen lässt die Software das in der Standardeinstellung nur per W-Lan zu.

Nach einigen Stunden Test lässt sich sagen: iTunes Match ist keine Geheimwissenschaft. Mit wenigen Mausklicks kann man damit seine komplette Musiksammlung in einen Wolkenspeicher verlegen, von dem aus man sie auf beliebige iTunes-Geräte wieder herunterladen kann - sofern man seinen iTunes-Account darauf aktiviert. Der Komfortfaktor ist nicht zu unterschätzen, der potentielle Zugewinn an Klangqualität auch nicht. Ein wenig Geduld ist aber doch gefragt. In unserem Test war der Musiktransfer auch nach mehreren Stunden noch nicht abgeschlossen.

Danach dürfte zumindest eines feststehen: i-Geräte werden frei vom Synchronisationskabel, müssen zum Datenabgleich nicht mehr mit einem Computer verbunden werden. Apps, Bücher, Kontaktdaten, Termine und E-Mails wurden schon bisher über Apples iCloud zusammengeführt. Mit iTunes Match folgen jetzt Musik und Musikvideos. Jetzt fehlt eigentlich nur noch einen Möglichkeit, eigene Filme in iCloud zu laden, um sie überall verfügbar zu machen.

Und i-Geräte, die sich drahtlos mit Strom betanken lassen. Aber das wird wohl noch dauern.

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insgesamt 34 Beiträge
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1. Schön
dr.edi 16.12.2011
Zitat von sysopIn der Nacht zum Freitag hat Apple "iTunes Match" in Deutschland freigeschaltet. Der Dienst verlagert die Musiksammlung seiner User gegen Gebühr in eine Datenwolke - auch Songs, die man nicht online erworben hat. SPIEGEL ONLINE hat das Angebot schon getestet. http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/0,1518,804155,00.html
wie Apple das geistige Eigentum zu Grabe trägt. Natürlich hat man nur legale Kopien im Sinn. Was soll man auch anderes behaupten. erinnert ein wenig an Putin der sagt die Wahlen seinen nicht gefälscht und Russland eine lupenreine Demokratie. Defakto gibt es mit diesem Dienst schlichtweg keine Raubkopienen mehr. Und das soll sich die Musikindustrie gefallen lassen? Dagegen waren Dienste wie Napster der reinste Kinderfalsching. Und über Zukünftiges abkupfern von Ideen sollte Apple ab dem heutigen zeitpunkt besser den Mantel des Schweigens breiten.
2. sehe den nutzen nicht
Nonvaio01 16.12.2011
Zitat von sysopIn der Nacht zum Freitag hat Apple "iTunes Match" in Deutschland freigeschaltet. Der Dienst verlagert die Musiksammlung seiner User gegen Gebühr in eine Datenwolke - auch Songs, die man nicht online erworben hat. SPIEGEL ONLINE hat das Angebot schon getestet. http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/0,1518,804155,00.html
Also ich sehe den Nutzten nicht. Alle Handys haben meist so um die 16GB internen speicher, wenn man will oder muss kann man den aufruesten mit einer micro karte. Da passen soviele songs drauf das man diese gar nicht aufeinmal hoeren kann. Das problem mit der Wolke ist ausserdem das man immer online sein muss, also daten verbraucht. Man verbraucht also daten um seine songs zu hoeren die man eigentlich eh auf dem Handy hat, und dann darf man noch gebuehren zahlen fuer diesen service.
3.
paulpunkt 16.12.2011
Zitat von Nonvaio01Also ich sehe den Nutzten nicht. Alle Handys haben meist so um die 16GB internen speicher, wenn man will oder muss kann man den aufruesten mit einer micro karte. Da passen soviele songs drauf das man diese gar nicht aufeinmal hoeren kann. Das problem mit der Wolke ist ausserdem das man immer online sein muss, also daten verbraucht. Man verbraucht also daten um seine songs zu hoeren die man eigentlich eh auf dem Handy hat, und dann darf man noch gebuehren zahlen fuer diesen service.
Die Lieder werden heruntergeladen und auf dem Gerät gespeichert. So kann man Lieder im WLAN runterladen und dann wie gewohnt abspielen. Der Vorteil liegt hier vor allem darin, dass es nun nicht mal mehr nötig ist, via WLAN mit dem heimischen Computer zu synchronisieren, sondern der Download von neuen Songs prinzipiell überall möglich ist.
4.
adkats 16.12.2011
Sinnvoll wäre, ein App für das iPhone zu bringen mit dem man Musik-CDs per Barcode scannen kann und diese dann in die Wolke wandern.
5. ...
omega84 16.12.2011
Zitat von dr.ediwie Apple das geistige Eigentum zu Grabe trägt. Natürlich hat man nur legale Kopien im Sinn. Was soll man auch anderes behaupten. erinnert ein wenig an Putin der sagt die Wahlen seinen nicht gefälscht und Russland eine lupenreine Demokratie. Defakto gibt es mit diesem Dienst schlichtweg keine Raubkopienen mehr. Und das soll sich die Musikindustrie gefallen lassen? Dagegen waren Dienste wie Napster der reinste Kinderfalsching. Und über Zukünftiges abkupfern von Ideen sollte Apple ab dem heutigen zeitpunkt besser den Mantel des Schweigens breiten.
Also glauben Sie es ist für Künstler besser, wenn man für seine Schwarzkopien gar nichts zahlt, als wenn man 25€ / Jahr zahlt?
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