Lange haben Nutzer anderer Handy-Betriebssysteme neidisch auf Apples Airplay geschielt. Jetzt sollen sie eine eigene Alternative zu Apples drahtloser Verbindungstechnik bekommen: Dial. Der Titel steht für "Discovery and Launch", also "Entdecken und starten". Entwickelt wurde die Dial von YouTube und der amerikanischen Online-Videothek Netflix. Dial soll es zum Kinderspiel machen, Smartphones und TV-Geräte oder Settop-Boxen miteinander zu verbinden, um Apps auf dem großen Bildschirm des Fernsehers abspielen zu können.
Wie so etwas gehen kann, hat Apple mit Airplay vorgemacht. Die Apple-Technik lässt Computer, Smartphones und Tablets per Mausklick oder Fingertipp eine Verbindung zu Fernsehern, Aktivboxen oder Verstärkern herstellen. Die Geräte erkennen einander dabei automatisch, eine komplizierte Konfiguration entfällt. Steht die Verbindung, kann man Musik, Filme und Fotos abspielen oder gar den Bildschirminhalt des zuspielenden Geräts komplett auf den TV übertragen. So wird beispielsweise das iPad zur Spielkonsole.
Auf ähnliche Weise soll jetzt Dial mit anderen Handys und Tablets funktionieren und wird deshalb als Gegenstück zu Airplay bezeichnet. Eine Kopie der Apple-Technik ist Dial aber nicht. Anders als Airplay dient Dial nicht dazu, beispielsweise Videos vom Handy auf den Fernseher zu streamen.
Stattdessen besteht seine primäre Funktion darin, dafür zu sorgen, dass sich Handy und TV gegenseitig erkennen, ohne dass der Anwender eingreifen müsste. Ist die Verbindung hergestellt, wird das Smartphone zu einer Art App-Fernbedienung: Startet man eine App auf dem Mobilgerät, bekommt der Fernseher den Befehl, selbst eine entsprechende App, beispielsweise für YouTube oder Netflix, zu starten. Indem man die App auf dem Handy bedient, steuert man gleichzeitig die App auf dem TV, kann also ein Video auswählen und auf dem Großbildschirm anschauen.
Unterschiede zu Airplay
Genauer betrachtet muss man feststellen, dass es tatsächlich nur wenige Gemeinsamkeiten von Dial mit Airplay gibt. Beide sorgen dafür, dass sich Geräte ohne weiteres Zutun miteinander verbinden. Darüber ist die Airplay-Kernfunktionalität die Möglichkeit, Inhalte auf das gekoppelte Gerät zu übertragen. Genau diese Funktion ist in Dial nicht vorgesehen, könnte aber von einzelnen Herstellern als Erweiterung des Standards in ihre Geräte eingebaut werden.
Umgekehrt ist es per Airplay nicht möglich, auf einem anderen Gerät eine App zu starten, was wiederum der Kern von Dial ist. Zudem ist Dial so intelligent, dass es automatisch den App Store des angeschlossenen Fernsehers öffnet, wenn man versucht eine App zu starten, die auf dem TV noch nicht installiert ist.
Und schließlich funktioniert Airplay nur dann auf einem Fernseher, wenn man diesen mit einem Apple TV verbunden hat, denn einen Apple-Fernseher oder Fernseher mit integriertem Airplay gibt es - noch - nicht. Dial-fähige Geräte hingegen sind bereits verfügbar, ohne dass deren Hersteller darauf hingewiesen hätten. So sollen laut "Gigaom" bereits alle aktuellen Google-TV-Geräte Dial enthalten. Ebenso seien Teile der Technik bereits seit 2012 in einigen Fernsehern von Samsung und LG integriert, weitere sollen Interesse bekundet haben.
Bleibt abzuwarten, ob sich neben den bisher genannten Inhalteanbietern aus dem angloamerikanischen Raum (Hulu, BBC, Pandora), die sich zu Dial bekannt haben, bald auch europäische und deutsche gesellen. Denn so schön sich das Konzept anhört, ohne Apps von Anbietern wie Sky, Maxdome oder den TV-Sendern ist es hierzulande derzeit nicht viel mehr als eine hübsche, aber leere Hülle.
In der Zwischenzeit können sich Android-Nutzer damit behelfen, ihren Geräten Airplay beizubringen. Apps wie der AppleTV AirPlay Media Player und iMediaShare machen es möglich.
mak
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