Neue Regeln Eltern sollen Facebook-Einstellungen ihrer Kinder absegnen

Facebook-Nutzer können bald ein wenig besser kontrollieren, welche Werbung das Netzwerk ihnen zeigt. Bei Jugendlichen unter 16 sollen die Eltern über bestimmte Freigaben mitentscheiden.

Smartphone mit Facebook-Logo
DPA

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Facebook-Mitglieder weltweit bekommen bald mehr Möglichkeiten mitzuentscheiden, welche Werbung ihnen angezeigt wird. In einem Blogpost stellt das Unternehmen "neue Datenschutzerfahrungen für alle auf Facebook" vor. Dabei geht es auch um heikle Themen wie Facebooks umstrittene Gesichtserkennungsfunktion sowie Accounts von Nutzern unter 16 Jahren.

In Facebooks Blogpost heißt es zunächst, jeder, "egal wo er wohnt", werde bald gebeten, "wichtige Informationen darüber zu überprüfen, wie Facebook seine Daten verwendet, und Entscheidungen über seine Privatsphäre auf Facebook zu treffen". Außerdem sollen die Nutzungsbedingungen und die Datenrichtlinie des Netzwerks aktualisiert werden. Nutzer aus der EU werden die Entscheidungen zu ihren Daten bereits ab dieser Woche treffen können, heißt es, Facebook-Mitglieder aus anderen Ländern erst später.

Facebooks scheinbarer Vorstoß pro Privatsphäre ist im Detail weder so radikal, wie er in der Ankündigung klingen mag, noch kommt er überraschend. Das Unternehmen stellt auch in seinem Blogbeitrag noch einmal klar, was der entscheidende Anlass dafür ist: die Datenschutz-Grundverordnung der EU (DSGVO), die am 25. Mai in Kraft tritt.

Unternehmen schreibt die DSGVO unter anderem vor, ihren Umgang mit persönlichen Daten transparenter zu machen, Bürgern gibt sie zudem bessere Möglichkeiten, Datenschutzrechte einzufordern. Bei der ersten Anhörung Mark Zuckerbergs vergangene Woche im US-Kongress hatte es in dessen abfotografierter Vorbereitungsmappe noch explizit geheißen, er solle nicht sagen, dass Facebook die DSGVO-Vorgaben schon erfülle.

Nachfrage nach bestimmten Informationen

Eine der Entscheidungen, die Facebook-Nutzer demnächst treffen können, soll die sein, ob das Unternehmen Daten von Partnerfirmen verwenden darf, um dem Nutzer passendere Anzeigen zu zeigen. Als Partner führt Facebook in diesem Kontext zum Beispiel Websites und Apps an, die den Like-Button des Konzerns verwenden.

Bei bestimmten freiwilligen Angaben will Facebook künftig noch einmal explizit nachfragen, ob der Nutzer sie wirklich in sein Profil aufnehmen möchte - und sie so mit anderen teilen und auch für Facebook nutzbar machen will. In diese Kategorie von Informationen fallen Angaben zur Religion und zu politischen Ansichten, sowie Einträge unter dem Punkt "Interessiert an", über den ein Nutzer andeuten kann, ob er Männer oder Frauen kennenlernen möchte.

Künftig soll es für Facebook-Nutzer auch leichter sein, ihre Daten zu löschen, herunterzuladen und zu exportieren. Die Werkzeuge dafür seien weltweit verfügbar, schreibt Facebook, sie seien aber so konzipiert, dass sie zur DSGVO passen.

Eltern sollen Entscheidungen junger Nutzer zustimmen

Obwohl seine Anpassungen vor allem auf die neuen Regeln in Europa abzielen, betreffen sie auch einige Themen, mit denen sich Mark Zuckerberg jüngst im US-Kongress konfrontiert sah. Darunter die Frage, ob seine Firma junge Facebook-Nutzer nicht besser schützen müsse.

Ändern wird sich zunächst etwas für Nutzer zwischen 13 und 15. Für sie will sich Facebook vor der Nutzung bestimmter Funktionen künftig die Erlaubnis eines Elternteils oder Erziehungsberechtigten einholen, darunter die bereits erwähnten Profilangaben zur Religion, politischer Haltung und zum Punkt "Interessiert an". Außerdem sollen die Eltern von Nutzern unter 16 mitentscheiden, ob Facebook ihnen Werbung auf Basis von Partnerdaten anzeigen darf. Die Anpassung wird Deutschland betreffen.

Junge Nutzer, denen die Freigabe der Eltern fehlt, sollen vorerst eine "weniger personalisierte Version von Facebook mit eingeschränkter Freigabe und weniger relevanten Anzeigen" zu sehen bekommen, heißt es. Das offizielle Mindestalter für die Nutzung von Facebook bleibt derweil bei 13 Jahren.

Facebook betont in seinem Blogbeitrag, dass die DSGVO nicht vorschreibe, das Alter der Nutzer zu überprüfen. Das Onlinenetzwerk werde aber wie gefordert "angemessene" Anstrengungen unternehmen, um die nötige Zustimmung der Eltern zu verifizieren. Die Teenager können dafür bei Facebook nach ihren Eltern suchen, damit das Online-Netzwerk ihnen eine Anfrage zur Bestätigung der Profil-Einstellungen schicken kann. Alternativ können die Jugendlichen auch eine E-Mail-Adresse der Eltern angeben. Facebook sehe damit seine Verpflichtungen ausreichend erfüllt, heißt es.

Zugleich können auch nach bisheriger Praxis Nutzer aufgefordert werden, ihr Alter nachzuweisen, wenn Facebook Hinweise bekommt, dass sie jünger als 13 Jahre sind.

Gesichtserkennung kommt nach Europa zurück

Im Zuge seiner Anpassungen will Facebook auch seine Gesichtserkennungsfunktion zurückbringen, über die Nutzer in Fotos automatisch markiert werden können. Facebook hatte die Gesichtserkennung in Europa zunächst im Sommer 2011 freigeschaltet, stieß damit aber auf den Widerstand europäischer Datenschützer. Deshalb stoppte der Konzern die Funktion und verpflichtete sich im Herbst 2012, die bis dahin erzeugten Daten zu löschen.

Jetzt soll die Gesichtserkennung erst nach ausdrücklicher Zustimmung der Nutzer eingeschaltet werden. Dass sie zurückkommen soll, hatte Facebook bereits im März angekündigt.

Als Vorteil für die Nutzer führt Facebook auch an, dass sie benachrichtigt werden können, wenn jemand ohne ihr Wissen ein Foto von ihnen bei Facebook hochlädt. Für Nutzer unter 18 Jahren wird die Gesichtserkennung grundsätzlich deaktiviert.

mbö/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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ptb29 18.04.2018
1. Und schon ist vergessen,
dass Facebook die Daten weiterverkauft bzw. anderen zur Verfügung stellt. Das Thema ist durch, jetzt sind die Router dran. Ich kann meinen Kindern Facebook nicht verbieten, sie sind alt genug, die Datenkrake nicht nutzen zu wollen.
t.malinowski 18.04.2018
2. Lifelog
Am 4 Feb. 2004 schloß DARPA, die Forschungsabteilung des Pentagon, das Projekt Lifelog nach mehr-monatlicher Ausschreibung. Ziel von Lifelog war es so viel wie möglich über die Interessen und Handlungen (TV,Musik, Politische Gesinnung, Soziale Verknüpfungen, E-mails und Telefongespräche, Aufenthaltsort zu aller Zeit)) der Bevölkerung in einer Datenbank zu verbinden. Privacy Wächter warnten das dieses Projekt eine große Gefahr darstellte. Artikel hierzu zu finden bei Wired.com. Am 4 Feb. 2004 wurde Facebook gegründet. Zufall?
spon_2999637 19.04.2018
3. Und?
Wer gibt denn auf FB sein echtes Alter an, wenn man dafür erst die Eltern fragen muss.... ?
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