Facebook-Entwicklerkonferenz F8 Kaufen, Buchen, Bezahlen - alles wird Kommunikation

Facebooks Messenger soll Pizzabestellung und Reisebuchung vereinen, doch bisher hat der Dienst nicht so richtig abgehoben. Sogenannte Chatbots, also Software, die kommunizieren kann, soll das ändern.

REUTERS

Ein Zehnjahresplan, nicht weniger, verkündet Mark Zuckerberg auf der Bühne der F8, Facebooks jährlichen Entwicklerkonferenz in San Francisco. Der erste Schritt davon ist nicht sonderlich überraschend: die Öffnung der Chat-App "Messenger" für Unternehmen. Dies hatte Zuckerberg schon im vergangenen Jahr angekündigt.

Bisher hatte der Service, der Pizzabestellung und Reisebuchung vereinen soll, nicht richtig abgehoben. Künstliche Intelligenz, sogenannte Chatbots sollen das jetzt ändern. Am anderen Ende der Kommunikation sollen zukünftig also Maschinen sitzen, die sich an Nutzer erinnern, die ihre Vorlieben kennen und die Konsum noch schneller machen.

Alles wird also Konversation: Kaufen, Buchen und Nachrichten, denn auch die können Chatbots auswählen und versenden. Zuckerberg demonstrierte in San Francisco, wie man in einem Dialog Blumen bestellen oder Nachrichten abrufen kann.

Messenger-Chef David Marcus spielte danach im Detail durch, wie man im Messenger zum Beispiel Schuhe kaufen kann. Der Chatbot eines Online-Händlers fragte zunächst nach der Art des Schuhs, dann nach der Preisspanne und danach wurde eine Galerie von Modellen zur Auswahl angezeigt. Auch bezahlt wird, ohne den Messenger zu verlassen. "Sie werden mehr Geld ausgeben als Ihnen lieb ist", scherzte Marcus.

Neu ist das insgesamt nicht, Facebook ist nur einer der Player, die diesen Bereich für sich entdeckt haben. Aber: Facebook hat weltweit 900 Millionen Nutzer, die zu diesen neuen Angeboten Zugang haben. In zehn Jahren merken wir dann vielleicht nicht mehr, dass am anderen Ende des Kundendienstes kein Mensch mehr sitzt.

Digitale Infrastruktur in einer Hand

Facebook will, so Zuckerberg, Technologie entwickeln, die Menschen zu einander bringt. Dahinter steht nicht weniger, als die komplette Infrastruktur digitaler Kommunikation zu steuern. Wenn Zuckerberg die Öffnung der "Live Video"-Schnittstelle für Entwickler verkündet, klingt das wie ein technisches Detail. Es ist aber die Erweiterung von Facebook zur Videoplattform, die Live-TV große Konkurrenz machen wird.

Dahinter steht der Plan, eine 360-Grad-Kamera zu entwickeln, die zwei Stunden Video in hoher Qualität aufzeichnen kann. Facebook wolle nicht selbst Kamerahersteller werden, sondern werde die Hardware-Pläne und die nötige Software kostenlos veröffentlichen, sagte Produktchef Chris Cox. Außerdem wird eine Schnittstelle geöffnet, über die auch Geräte wie Drohnen oder Webcams Live-Video auf die Facebook-Plattform übertragen können.

In den "Emerging Markets", den Wachstumsmärkten in Afrika und Asien, liefert Facebook auch die Infrastruktur für das Netz. Drohnen und Satelliten sollen mehr als vier Milliarden zusätzliche Nutzer ins Internet bringen - und zu Facebook-Nutzern machen.

Denn schnelles Internet braucht Facebook für ein weiteres Produkt, das im Zehnjahresplan ganz oben steht: mit Oculus Rift hat Facebook ein Virtual-Reality-Produkt (VR) auf dem Markt, das Spiele- und Filmproduktion schon jetzt vor neue Herausforderungen stellt. VR sei einfach der nächste Schritt, so Zuckerberg: erst Text, dann Foto, Video und nun Virtuelle Realität.

Das Wort, das während der ersten Präsentationen am häufigsten gebraucht wurde, war nicht "Teilen", es war "Infrastruktur". Infrastruktur für alle digitalen Inhalte, für Kommunikation, für Konsum. Zehn Jahre kann das dauern, muss es aber nicht.

Torsten Beeck/sun/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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thomasmann 12.04.2016
1. Das wird wohl eine Enttäuschung werden....
Natürlich werden die Leute die sowas zum Bezhalen verwenden werden, mehr werden. Allerdings wird das dann auch diejenigen auf den Plan rufen, die den ganzen Mist bisher toleriert haben, aber bei der Bezahlung mit sowas aus ganz banalen Sicherheitsgründen eine klare, nicht zu überschreitende Grenze haben.
criticalsitizen 13.04.2016
2. Im E-Kommerce-Netz ist ja alles billiger und billiger und besser
Weshalb nicht gleich Zugriff (naja nicht für Mittelständler aber die großen E-Kommerz-Monopole) auf alle privaten Konten und Daten, dazu das Recht, allen Privatleuten alles (gefühlt ists ja immer über 100% billiger online gekauft) alles verkaufen zu können. Schliesslich weiss der E-Kommerz ja viel beser, was der private Konsument benötigt, haben will und kaufen muss, als der Konsument selber Steuerbefreit, rechtsfrei, hochinnovativ, mit Lilliarden subventioniert. Wozu also der Umweg über chatbots, die es ja wohl viel länger schon gibt? Breitband für Alle, Digitale Agenda!
schlauchschelle 13.04.2016
3. Passt, finde ich, nicht zusammen
Man will "Technologien entwickeln, die Menschen zueinander bringt", aber gleichzeitig "In zehn Jahren merken wir dann vielleicht nicht mehr, dass am anderen Ende des Kundendienstes kein Mensch mehr sitzt". Das entzweit doch nur, denn, um es mit Henry Ford zu sagen "Autos (chatbots) kaufen keine Autos(Schuhe)". Wenn also immer mehr Menschen überflüssig werden (Drohnen, Chatbots, selbstfahrende Maschinen etc.) wir aber gnadenlos auf die 8-9 Mrd. Menschen zusteuern, geht das nicht. Doch, wenn Herr Draghi endlich das Helikoptergeld loslässt. Dann muss man den Menschen nur noch klar machen, dass seine erschaffenden Hände eigentlich überflüssig sind, aber wer nur rumhängt setzt Fett an....kompliziert, kompliziert....
From7000islands 13.04.2016
4. Brain washing verhindern
Die schreckliche Langsamkeit der Politiker in sogenannten Demokratien ist die eigentliche Gefaehrdung der Menschehit in die "Schoene neue Welt" gesogen zu werden. Widerstand zwecklos. Die Legislative werkelt immer noch an Gesetzen, die Internet Kriminalitaet kontrollieren zu koennen, waehrend das brain -washing durch Monster wie Zuckermann perfektioniert wird. Zuckermann kann ausgetauschtr werden und es wird ein Erdogan an seine Stelle treten, ein Kim oder eine CIA Groesse. Wenn man Zuckermann und alle onlineAnbieter zwingen wuerde, eine bestimmte Zahl Jobs in Relation zu Kunden (=Mitglieder oder User) anzubieten, koennten diese Billionairs Monster, die nur durch das Massen umspannnende Internet zu Macht und Reichtum kommen, halbwegs in eine Nutzen bringende Rolle draengen. Z.B. ein Service Job fuer 3000 User /Kunden jedes Landes wuerde eine echte soziale Komponente in die sich verlogen bezeichnenden "sozialen" Netzwerke bringen. Im Beispiel Deutschland mit 28 Millionen Nutzern wuerden daurch rund 9000 Jobs geschaffen anstatt weniger hundert Jobs wie aktuell. Dadurch wuerde das irrwitzige Geldsammeln der Internet Billionaire wie Zuckermann reduziert, die Werbeeinnahmen wuerden in Jobs fliessen und damit die Besteuerung der Internet Unternehmen auf eine neue Grundlage durch Jobs mit Kuendigungsschutz nach modernsten Arbeitnehmerkriterien gestellt. Generell muessen Internet Unternehmen , die - egal in welchen Laendern - bestimmte Einnahme Margen ueberschreiten, hoehere Steuern in den Laendern bezahlen, in denen sie agieren. Es kann nicht sein , dass smarte Hans im Glueck die Politik der Welt durch ihre Massen an Geld bestimmen. Denn Geld ist POLITISCHE MACHT.
reader0815 13.04.2016
5. Die Menschen zusammenbringen
ist ganz sicher nicht das primäre Ziel. Hier geht es scheinbar um totale Informationskontrolle in einer Hand. Nicht nur die Entwicklung von Börsenwerten zeigt, das Unternehmen aus der Verwertung von großen Mengen nichttechnischer, oft persönlicher Daten meist viel mehr Profit erwirtschaften, als durch die Produktion von Gütern. Das Zuckerberg an der Produktion von Kameraequipment nicht selbst interessiert ist, unterstreicht dies nur nebenbei. Welche nicht mehr kontrollierbare Gefahren von einer solch immensen Konzentration von Informationen für eine Gesellschaft ausgehen könnten, ist nur zu erahnen.
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