Neue Funktion Facebooks Suche funktioniert jetzt tatsächlich

Seit Jahren klagen Nutzer über Facebooks Unübersichtlichkeit, jetzt hat das Netzwerk seine Suchfunktion überarbeitet. Wir erklären, wie man die neue Suche jetzt schon testen kann - und was sie alles ans Licht bringt.

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Facebook: Eine Suchfunktion, die den Namen verdient
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Facebook: Eine Suchfunktion, die den Namen verdient


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Ein wenig fühlt man sich an diesem Oktobertag wie vor zweieinhalb Jahren. Damals stellte die Facebook "Graph Search" vor, eine Suchfunktion, mit der sich etwa Menschen finden lassen, die bestimmte Seiten per Like für gut befunden haben. Facebook verkaufte die Funktion damals als Revolution.

Rückblickend dürfte Graph Search aber das Nutzungsverhalten kaum eines Facebook-Nutzers verändert haben. Ja, Datenschützer beschäftigten sich intensiv damit, und auch Ermittlern, Journalisten oder Aktivisten hilft Graph Search beim Finden von Verdächtigen, Quellen oder Kontrahenten. Aber sonst? Von den meisten Facebook-Nutzern hörte man im Zweifel eher, dass Facebook generell einmal eine vernünftige Suchfunktion bräuchte. Nicht für Menschen, sondern für Postings.

Nun, elf Jahre nach seiner Gründung, scheint Facebook endlich solch eine Suchfunktion bekommen zu haben. Seit Donnerstagabend sollen zwei Billionen öffentliche Postings per Stichworteingabe durchsuchbar sein, heißt es in einer Ankündigung mit dem Schlagwort "Search FYI". Wer eine Suche startet, landet künftig nicht nur bei den Postings seiner Freunde, sondern stößt jetzt auch auf öffentliche Beiträge Dritter.

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Im Zweifel ist jetzt also auch der richtige Moment, noch einmal genau darauf zu achten, was man bislang alles öffentlich bei Facebook gepostet hat. Denn das Netzwerk wird transparenter, egal, ob die Nutzer das gut finden oder nicht. In einem FAQ zur Suchfunktion heißt es, dass auch Postings von Personen in der Suche auftauchen, bei denen die Funktion noch nicht freigeschaltet wurde. Wer sofort etwas tun will: Facebook bietet eine Schnellfunktion, mit der sich die Sichtbarkeit aller alten öffentlichen Postings zurückstufen lässt.

Die neue Suche funktioniert dem Netzwerk zufolge in Echtzeit, samt Vorschlägen für bessere Suchbegriffe. Wer will, kann per Facebook jetzt ähnlich wie auf Twitter unkompliziert einen Eindruck davon bekommen, was Nutzer aus aller Welt zu einem bestimmten Thema schreiben. Man kann Kommentare zur Fußballpartie vom Vortag finden, aber auch die neueste Flüchtlingshetze. Oder Hetze, die schon Monate alt ist, bislang aber unentdeckt blieb.

Wer etwa "vergasen" eingibt, landet bei Postings wie "Macht die KZ wieder auf, damit wir Europas Politiker vergasen können". Bevorzugt werden allerdings einige Beiträge ausgespielt, bei denen es um die amerikanische Stadt Vergas in Minnesota geht. Auf Wunsch lassen sich die Ergebnisse nach dem Datum sortieren oder auf Beiträge von Personen beschränken, die man kennt. Neben öffentlichen Timelime-Beiträgen durchsucht Search FYI auch Postings aus öffentlichen Gruppen.

Per Suche nach "vergasen" gefunden: Ein Posting, in dem jemand einen Medienbericht teilt, mit den Worten "Vergasen ist zu teuer und funktioniert auch nicht. Wenn dann erschießen."

Per Suche nach "vergasen" gefunden: Ein Posting, in dem jemand einen Medienbericht teilt, mit den Worten "Vergasen ist zu teuer und funktioniert auch nicht. Wenn dann erschießen."

Individuelle Ergebnisse für jeden Nutzer

Nach welchen Kriterien Facebook die Suchergebnisse sortiert, erklärt das Netzwerk grundsätzlich, aber nicht im Detail. Bei unseren Testsuchen tauchten oft Artikel von englischsprachigen Nachrichtenseiten ganz oben auf, mitunter aber auch deutsche Seiten. Je weiter man scrollte, desto eher traf man auf Beiträge gewöhnlicher Nutzer - tendenziell tauchten dabei die eigenen Freunde bevorzugt auf, zumindest, wenn ihre Postings halbwegs aktuell sind.

Das Tech-Magazin "The Verge" zitiert Tom Stocky aus Facebooks Search-Team: "Wir müssen zwei Dinge abwägen: Wie relevant sind die Autoren für dich und wie sehr ist das, was sie posten, relevant für deine Sucheingabe." Besonders an der Facebook-Suche sei, dass die Ergebnisse auf den individuellen Nutzer zugeschnitten würden. Jeder Klick im Netzwerk, jede virtuelle Freundschaft, jede gelikte Seite beeinflusse, wie die Suchergebnisse ausfallen.

In der Praxis gibt es neben jedem Ergebnis noch die Frage "War dieses Suchergebnis für dich hilfreich?", die man per Klick mit ja oder nein beantworten kann. Auf diesem Weg will Facebook seine Ergebnisse wohl weiter optimieren und besser auf den Nutzer zuschneiden.

So können Sie die Suche testen

Freigeschaltet wird die neue Suche im Laufe der nächsten Tage, sowohl für Desktop-Computer als auch für die Android- und iOS-Apps. Zunächst ist die Funktion allerdings US-Nutzern vorbehalten.

Es gibt jedoch einen Trick: Wer Facebooks Desktop-Version auf Deutsch nutzt und trotzdem etwas Konkretes suchen will, braucht im Zweifel nur kurz die Sprache in "Englisch (US)" zu ändern (im Hauptmenü, unter "Einstellungen" -> "Sprache"). Nach der Suche kann man die Sprache einfach wieder auf Deutsch zurückschalten. In den Apps aus den deutschen App-Stores hatte ein Sprachwechsel bei unseren Tests keine Auswirkungen.


Zusammengefasst: Facebook führt unter dem Stichwort "Search FYI" eine neue Echtzeit-Suchfunktion ein, zunächst für US-Nutzer. Durchsucht werden alle öffentlichen Postings. Im Zweifel lohnt es sich gerade also, seine Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen.

Wer die Funktion testen will, kann in der Desktop-Version auf die Sprache "Englisch (US)" umstellen. Ist die Suche trotz des Sprachwechsels nicht verfügbar, sollte sie binnen der nächsten Tage automatisch freigeschaltet werden. In den Apps bringt der Sprachwechsel nichts.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
olsdl 23.10.2015
1.
wunderbar! jetzt nur noch schnell alle treffer dieser such-funktion der aktion der zdk "hass hilft" melden. damit haben die "nazis" wieder ein paar euros gespendet
exbb 23.10.2015
2. Facebook hatte Mängel
Unglaublich, dass in der heiligen Welt etwas nicht ging. Ich zähle zu denen deren Erde Dasein jämmerlich ohne Fotos vom Essen und die zum Evangelium aufgeblasenen Belanglosigkeiten dahingeht. Klar, dadurch ist man ein wertloserer Mensch. Kommunikationsmuffel, ein Sich-Beim-Essen-Unterhalter. Daher geht mir die Suchfunktion hinten vorbei. Es mag daran liegen, dass ich in FB noch nie was vermisst habe. Aber ich fühle mich gut dabei. Es ist schon bemerkenswert, dass das einen Artikel wert ist. Man sucht auch immer sofort nach vergasen. Da ist FB natürlich DIE Anlaufstelle. Der Rest des Artikel sagt was: Es sucht, keiner weiß wie, es geht für die Amis ... Ein echter Milestone. Dabei ist es nur ein guter Index für die NSA. Glaubt weiter an eine Suche. Der Zuckerberg liegt auf dem Rücken vor lachen, wenn die User die Teach-In Funktion benutzen. Noch besser kann man an subjektive Daten nicht kommen. Suchet so werdet ihr gefunden.
Daniel_B. 24.10.2015
3. An die Besserwisser
In der englischen Originalquelle ist von "2 trillion posts" die Rede. Die Übersetzung ist also korrekt.
pepe-b 24.10.2015
4. @ #2+3
Besserwisserei kann auch mal nach hinten losgehen. Es war nicht die Rede von 2 Billionen Nutzern, sondern von 2 Billionen öffentlicher Posts. Allein ich als Einzelperson habe über die Jahre mit Sicherheit schon mehr als 200 Posts und Kommentare abgegeben.
do_lange87 24.10.2015
5.
In der im Text verlinkten Quelle http://newsroom.fb.com/news/2015/10/search-fyi-find-what-the-world-is-saying-with-facebook-search/ heißt es: "over 2 trillion posts in our index". Ich erkenne keinen Fehler in der deutschen Übersetzung zu zwei Billionen Posts... Lieber einmal selbst kurz recherchiert, bevor in einem üblen Ton die Ausbildung der Journalisten hier hergezogen wird.
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