Stadtplanung Wie Fitness-Apps Radwege besser machen sollen

Wo baut man den besten Fahrradweg in der Stadt? Die Antwort geben Forschern zufolge Daten von Fitness-Apps. In den USA nutzen Stadtplaner die Information bereits, Deutschland zögert.

Radfahrer in Mülheim an der Ruhr
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Radfahrer in Mülheim an der Ruhr

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Die Schickhardtstraße in Stuttgart ist eine beliebte Strecke bei Autofahrern. Es ist eine der wenigen Routen, die den Süden der Stadt mit dem Westen verbinden. Daher ist meist viel Verkehr, zu Stoßzeiten gibt es lange Staus.

Dabei ist die Straße eigentlich als offizielle Fahrradroute gekennzeichnet und gilt als Radweg für Schüler der Schickhardt-Realschule. Doch einen Fahrradweg gibt es nicht. Wer nicht die Fahrt auf der Straße riskieren will, dem bleibt nichts anderes übrig, als den Gehweg zu benutzen.

Dabei würde ein Blick auf die Karte einer Fitness-App genügen, um solche Problemrouten zu erkennen. Das zumindest empfehlen Forscher aus den USA. Wissenschaftler des US-Gesundheitsministeriums fordern Städte dazu auf, sich bei der Planung auf Daten von GPS-Apps zu verlassen anstatt auf Bürgerbefragungen und Verkehrszählungen. In einer Untersuchung haben sie festgestellt, dass die aufgezeichneten Routen genauso aussagekräftig seien wie Umfragen zu Arbeitswegen.

Bei GPS-Daten kann man nicht schummeln

Laut den Wissenschaftlern haben GPS-Nutzerdaten mehrere Vorteile: Die Nutzer können nicht schummeln wie bei den Umfragen, die Daten sind aktuell und können auf bestimmte Ortsteile angepasst werden.

Um Radwege zu planen, müssten Städte auf detaillierte Informationen zurückgreifen, um zu erfahren, welche Routen häufig genutzt werden, heißt es in dem Bericht. Sie würden von "orts- und zeitbezogenen Daten profitieren". Fitness-Apps wie Strava, Runtastic und MapMyRide liefern diese Daten, da Sportler und Pendler die genaue Route, die Startzeit und die Geschwindigkeit aufzeichnen.

Die Heatmap zeigt die beliebtesten Radwege der Strava-Nutzer, Stadtplaner können die Karte kostenlos verwenden.
Strava

Die Heatmap zeigt die beliebtesten Radwege der Strava-Nutzer, Stadtplaner können die Karte kostenlos verwenden.

"Es klingt durchaus interessant für uns, Radwege mit GPS-Daten zu planen", sagt Sven Matis, Pressesprecher der Stadt Stuttgart. Allerdings sei das noch Zukunftsmusik. Zudem müsse man eben auch Bürger berücksichtigen, die keine Routen mit dem Smartphone aufzeichnen. Die Radwege würden schließlich auch für Kinder geplant, die zur Schule fahren, und ältere Menschen, die zum Markt radeln.

Heatmaps bieten eine begehrte Datenbasis für Städte

Dabei sind die sogenannten Heatmaps eine durchaus interessante Quelle für Stadtplaner und vor allem kostenlos. Auf diesen Strava-Karten sind die Lieblingsrouten der Radler farblich hervorgehoben. Wer zusätzlich die Echtzeitdaten für ein Jahr auswerten will, der zahlt 70 Cent pro Athlet an das Unternehmen. Mehr als weltweit 70 Städte wie Seattle, Glasgow, Stockholm und Brisbane greifen bereits auf die Daten zurück, um den Bedarf an Fahrradwegen zu ermitteln.

Je höher die Bevölkerungsdichte in einer Stadt ist, desto genauer klappt die Auswertung. In stark besiedelten Stadtteilen ist die Chance auch höher, dass die Bürger mit Fitness-Apps ihre Wege aufzeichnen. Vor allem in Europa und den USA zeichnen Radler ihre Routen bei Strava auf und vergleichen Geschwindigkeit, gefahrene Kilometer und Höhenmeter. Laut "Guardian" melden sich auf der Plattform alle zwei Monate eine Million neue Nutzer an, mehr als sechs Millionen Radrouten laden die Mitglieder jede Woche hoch.

In Deutschland ist es bisher jedoch eher unüblich, auf GPS-Daten zurückzugreifen - obwohl große Städte wie Berlin, Hamburg und Stuttgart bei Umfragen zur Fahrradfreundlichkeit immer wieder unterdurchschnittlich abschneiden. Auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE teilt das Bundesverkehrsministerium mit, dass Radwege bisher nicht anhand von GPS-Daten geplant werden. Es werden allerdings Projekte gefördert, die künftig das Verhalten von Radfahrern für die Planung auswerten sollen.

Die Großstädte selbst ermitteln den Bedarf an Fahrradwegen meist noch anhand klassischer Methoden, in Gesprächen mit Verkehrsexperten, mit Umfragen und Verkehrszählungen. Das Problem: Diese Auswertungen dauern meist Monate und Verkehrszählungen beschränken sich auf Stichproben, die nur für bestimmte Wochentage gelten und höchstens punktuelle Ergebnisse liefern.

Strava sammelt Radfahrten auf der ganzen Welt. Vor allem in Europa und den USA kommen dabei viele Daten zusammen.
Strava

Strava sammelt Radfahrten auf der ganzen Welt. Vor allem in Europa und den USA kommen dabei viele Daten zusammen.

Daher empfehlen die Forscher, auf GPS-Daten umzusteigen, und haben dafür in vier US-amerikanischen Städten die Strava-Daten mit Umfragen der Volkszählungsbehörde United States Census Bureau verglichen, die als Grundlage für die Radwegeplanung genommen wird. Diese Bürgerbefragung wird jeden Monat an etwa 250.000 zufällig ausgewählte Haushalte verschickt, die Ergebnisse werden jährlich veröffentlicht. Darin werden die Bürger unter anderem nach ihrem Weg zur Arbeit befragt.

Die Untersuchungen zeigen, dass die befragten Bürger die gleichen Wege mit dem Fahrrad nehmen wie die Athleten bei Strava. In Großstädten ist das nachvollziehbar, denn egal ob Sportler oder Pendler: Radler wählen den schnellsten und sichersten Weg, um heil durch die Stadt zu kommen.

Die Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass die Daten vor allem von technikbegeisterten Nutzern stammen. "Wie stark die Ergebnisse dadurch verzerrt werden, ist noch nicht erforscht", heißt es in dem Bericht.

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Apps für Radfahrer: Sechs Anwendungen für unterwegs
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  • Jörg Breithut sucht von Stuttgart aus nach Themen im Internet. Und schreibt sie dort auch wieder rein.

  • Blog von Jörg Breithut
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Seite 1
7eggert 01.10.2016
1.
Das allererste, was man beim Verbessern von Radwegen machen könnte, wäre, sich beim Planen an die entsprechenden Verordnungen zu halten. Laternenpfähle mitten drauf, scharfkantige Pfosten direkt daneben, Linienführungen, wo Jeder, der nicht den Gehweg großzügig mitbenutzt, den Physiknobelpreis bekommt, künstliche Sichthindernisse in Kurven, an Kreuzungen und bei Ausfahrten tut genausowenig Not, wie ein bremsendes, rüttelndes Kleinpflaster. Auch wenn die Breite im Verlauf kleiner wird, als Schulterbreite 70 cm + Bewegungsraum + Sicherheitsraum, wenn die Behörden rotzfrech dem Radfahrer _anweisen_, Fußgänger effektiv auf eigenes Risiko zu gefährden oder "illegal" auf der Fahrbahn zu fahren (wo Omi sich nicht mehr hintraut), ist das nicht gottgegeben. Aber mit Radfahrern kann man's ja machen, das ist ja kein Verkehr!!!!!°
marthaimschnee 01.10.2016
2. Toll
Feststellen, wo Radwege nötig sind, könnte man auch, indem man einfach mal rausgeht und beobachtet, was sich da so tut. Da würde man auch direkt sehen, welch katastrophale Auswirkungen es hat, wenn auf einer Straße und gleichzeitig allen Alternativstrecken kopf- und planlos Baustellen aufgerissen werden, nur weil gerade Fördergelder verbrannt werden müssen. Elfenbeinturmhocker ohne Ende!
auweia 01.10.2016
3. Radfahrer sind kein Verkehr
...oder sollten es zumindest nicht sein. Es gibt eine "natürliche" Rangordnung und die Radfahrer gehören einfach nicht ans Ende der "Nahrungskette". Ich finde die Idee der Gleichwertigkeit von Fahrrädern mit dem motorisierten Verkehr hypertroph und anmassend. So, und jetzt zurücklehnen & Popcorn her...;-)
poco4 01.10.2016
4. der letzte Absatz
ist der entscheidende. Technikbegeisterung an und für sich mag ja nett sein, wie weit es relevant ist, scheint mir aber fraglich. In den USA mag das passen, aber da ist Radfahren auch eine Mode für bärtige Hippster, die am Smartphone ihre Strecke zum nächsten Starbucks planen. Da stimmen dann App-Auswertung und tatsächliche Fahrten mehr oder weniger überein. Hier in Europa gibt es aber auch das Schulkind und die Oma auf dem Rad, die ganz ohne Tracking auskommen. Wo die langfahren, ist ja nicht unwichtig. Stadtplaner sollten bei einer Planung sich außerdem nicht vom "virtuellen" Wissen dazu verleiten lassen, das reale zu übersehen. Wer nicht mitbekommt, dass seine Schickhardtstraße (oder wie immer sie vor Ort heißt) ungeeignet ist, der sollte sich vielleicht nochmal überlegen, wie er seinen Beruf angeht. Bauliche und planerische Schwächen sind für viele Praktiker des Radfahrens ohne Mühe erkennbar. Sinnvoll ist auch eine Bürgerbeteiligung über Stadtteilarbeit oder den ADFC, auch dort steckt viel Wissen.
reisenderdenker 01.10.2016
5. Wenn es kein Radweg gibt, kann man das auch mit GPS aufzeichnen.
Die GPS Daten sind erst mal privat und zeigen auch nur der jetzige beste Weg, aber vielleicht ist ein bis jetzt für Radfahrer unzugänglicher Weg besser als bis jetzt genutzt wird. Auch stimme ich den ersten Bericht zu.
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