Kontroll-App für Eltern "Hey Google, sperre Theos Gerät"

Per App können Mütter und Väter jetzt die Smartphone-Nutzung nicht nur von Grundschülern überwachen, sondern auch von Teenagern. Dabei haben die Jugendlichen aber ein Wörtchen mitzureden.

Google Family Link
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Seit etwas mehr als einem Jahr bietet Google Eltern auch in Deutschland die Möglichkeit, ihre Kinder sozusagen betreut an die Nutzung von Smartphones heranzuführen. Mithilfe der Google-App Family Link können sie für Kinder unter 13 Jahren einen Google-Account sowie ein Smartphone einrichten - wenn auf dem Gerät mindestens Android 5.1 läuft.

Über die App können die Eltern beispielsweise Nutzungszeiten für das Handy festlegen und nachschauen, was ihre Kinder mit dem Gerät machen. Google nennt das "Aktivitäten der Kinder beobachten". Letztlich wird dabei angezeigt, mit welcher App das Kind wie viel Zeit verbracht hat.

Darüber hinaus kann man bestimmen, welche Apps das Kind benutzen oder herunterladen darf und welche nicht. Und schließlich - hier droht Unruhe im Familiengefüge -, kann man die Nutzung des Handys einschränken, wenn das gewollt oder nötig sein sollte. Viele dieser Funktionen werden Eltern bejubeln.

Jetzt hat der Internetkonzern die App um eine Fähigkeit erweitert, die sich, so schreibt es Google-Manager Paulo Golgher im Unternehmensblog, viele Eltern gewünscht haben: Anders als bisher kann man via Family Link nun auch Kinder kontrollieren, die älter als 13 Jahre sind. Auch dann, wenn diese schon einen Google-Account haben. Pubertierenden 17 Jahre alten Teenagern dürfte das nicht notwendigerweise gefallen.

Der Austritt hat Folgen

Muss es aber auch nicht. Denn, so viel Mitbestimmung gesteht Google auch Teenies zu: Die Jugendlichen können die elterliche Kontrolle auch ablehnen. Letztlich sei es dann für jede Familie an der Zeit, über das Thema zu diskutieren und ihre eigene Lösung zu finden, sagt Google.

Auch wenn ein Teenager seine Entscheidung, den Eltern einen Freibrief zu geben, später bereut, kann er die Erlaubnis widerrufen. Laut "The Verge" bleibt ein solcher Austritt aus dem Familienüberwachungsverbund aber nicht ohne Konsequenzen, sondern hat zur Folge, dass das fragliche Smartphone für 24 Stunden gesperrt wird.

Das könnte mancher Teenager aber durchaus in Kauf nehmen, denn die Möglichkeiten der App reichen bis dahin, die Nutzung des Handys zu bestimmten Tageszeiten einzuschränken oder nachzuschauen, wo die Kinder sich gerade herumtreiben. So lässt sich schnell die Frage klären, ob beispielsweise Theo schon auf dem Rückweg vom Fußballtraining ist. Zugleich könnte man die Funktion bei Verlust oder Diebstahl des Handys aber auch nutzen, um das Gerät zu orten.

Sperre per Sprachbefehl

Eine Vielzahl dieser Funktionen lässt sich per Family Link auch auf Chromebooks, meist günstigen Laptops mit Googles Betriebssystem Chrome OS, verwenden.

Für die Jugendlichen kann es in Zukunft aber vor allem dann richtig ungemütlich werden, wenn ihre Eltern den sprachgesteuerten Google Assistant nutzen. Dann nämlich wird es reichen, dem digitalen Assistenten zu befehlen: "Hey Google, sperre Theos Gerät". Dem armen Theo blieben dann noch fünf Minuten, um sich aus allen aktiven Chatgruppen zu verabschieden und einen letzten Blick auf Instagram und Snapchat zu werfen, bevor fürs Erste Schluss wäre.

Googles Family-Link-App lässt sich hier kostenlos herunterladen.

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
aliof 20.09.2018
1. ggoogle MACHTs
.. jetzt, was die Eltern sagen .. und die Prösslinge zustimmen .. .. gestern einfach mal Systemeinstellungen auf beliebigen Smartphones verändern .. .. morgen in China jegliche Suchanfrage mit ID (Telefonnummer) des Anfragenden verknüpfen .. .. und übermorgen .. schlimmstenfalls im 3. Trump-Term .. ??? ..
peer.seus 20.09.2018
2. Souverän ist, wer im Ausnahmezustand Macht hat ..
(ggf. Doppelposting, sorry) Wenn man das hier liest, dann fragt man sich, wer in dieser Konstallation letztendliche Macht besitzt .. >>> Auch wenn ein Teenager seine Entscheidung, den Eltern einen Freibrief zu geben, später bereut, kann er die Erlaubnis widerrufen. Laut "The Verge" bleibt ein solcher Austritt aus dem Familienüberwachungsverbund aber nicht ohne Konsequenzen, sondern hat zur Folge, dass das fragliche Smartphone für 24 Stunden gesperrt wird. .. und das sind weder die Kinder, noch die Eltern - es ist qua Mitbesitz an allen Geräten Google: Google macht also Gesetze - wer hat die nochmal gewählt? Oder - mit Blick auf zensierte Frauenbrüste: Wer hat Apple gewählt? .. und nochmal auf eine andere Ebene gehoben: Wenn sich die US-Administration dann bei Google - per FISA - einklinken: Wer hat dann die Macht? Bzw. wer hat die Macht, wenn es "um die Wurst geht?" Denn so lange die Erdenbevölkerung brav das machen, was der US-Administration gefällt gibt es keinen Handlungsbedarf. Aber wenn sie einseitig einen Ausnahmezustand für ein kleines aber wichtiges Thema erklärt, dann ist ein Suveränitätsversprechen jeder anderen Regierung keinen Pfifferling wert. Aber weder der Deutsche, Franzose oder Russe hat die US-Administration legitimiert? Man kann natürlich auch naiv behaupten. Fakt ist aber, dass das nicht beweisbar ist und dass die Verlockung der totalen Kontrolle viel zu groß ist, um die Welt in naiver Passivität durch eine rosa-rote Brille zu betrachten: Es geht auf der immer um Macht und Geld, immer! Und wenn da jetzt irgend welcher Familien-Klimbim inszeniert wird, dann ist das vielleicht der Test-Case, um die Konfigurationen zur zukünftigen Regulierung der globalen Souveränität der Bürger durch das globale Wirtschafts-Duopol und politische Monopol zu testen. Was ist da los - warum schweigen die Lämmer?
Jan Henkel Name geändert 20.09.2018
3. Erziehung durch Firmen
Wer als Eltern so etwas nötig hat, hat Kinder nicht verdient. Wenn die Autorität fehlt seinem Kind zu sagen, was erlaubt ist und was nicht, dann sollte man besser keine Kinder haben.
bigjim68 21.09.2018
4. Kinder nutzen Handy zum Pornos schauen?
Ich fände es gut, wenn Jugendliche unter 16 gar kein Handy bekommen. Vor ein paar Wochen erzählte mir mein Neffe bei einem Gespräch über Internetsicherheit (14 Jahre, auf einer Waldorfschule) das der einzige Grund warum Jungs ein Handy haben wollen, das schauen von Pornos ist. Ich war ein wenig schockiert und wusste nicht so richtig was ich sagen sollte. Er meine nur "Die zeigen sich gegenseitig das krasseste was es im Netz gibt. Das machen alle. " Jeder Erwachsene sollte mal Seiten wie Youporn, Pornhub.....etc besuchen. Da gibt es nicht einmal einen Altersabfrage oder einen Hinweis, auf das was einem da erwartet.Dieses Problem wird in der Öffentlichkeit eigentlich kaum besprochen.
timo0105 21.09.2018
5. Ja nee, ist klar
Zitat von Jan Henkel Name geändertWer als Eltern so etwas nötig hat, hat Kinder nicht verdient. Wenn die Autorität fehlt seinem Kind zu sagen, was erlaubt ist und was nicht, dann sollte man besser keine Kinder haben.
Und Ihre Kinder tun immer nur genau das, was Sie wollen und erlauben? Wie weltfremd ist das denn? Sie sollten sich mal darüber klar werden, welche Faszination so ein Smartphone auf Kinder und Jugendliche ausübt. Natürlich wird eine Sperrsoftware nicht die Erziehung ersetzen. Eine der größten Herausforderungen ist es, den Kindern den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien beizubringen. Leider scheitern ja oft schon die Eltern an diesen Themen.
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