Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Angetippt

App von Massive Attack Remix im Takt des Herzschlags

Screenshot von Fantom: mit Sensordaten Musik machen Zur Großansicht
Fantom and Sons Limited

Screenshot von Fantom: mit Sensordaten Musik machen

 |

Aus Umgebungsdaten des Benutzers wird Musik: Das ist die Idee hinter der neuen Remix-App Fantom. Sie kommt von Massive Attack und enthält die seit Jahren ersten neuen Songs der britischen Trip-Hop-Band.

Zuerst blubbert die Musik nur aus den Kopfhörern, dann, mit dem Schwenk des Smartphones, schwillt eine Synthie-Einstreuung an und geht nahtlos in einen schnellen elektronischen Beat über. So in etwa hört es sich an, wenn man die neue Fantom-App von Massive Attack ausprobiert.

Die App ist seit Langem das erste Lebenszeichen der Band. Die Grundlage der von den Sensoren des Smartphones gesteuerten Software bilden vier neue Massive-Attack-Songs, die als Rohmaterial dienen. Statt Plattenspielern oder anderer DJ-Ausrüstung nutzt die App biometrische und Bewegungsdaten des Anwenders, um die Musik zu remixen.

Fotostrecke

5  Bilder
Fotostrecke: Musik mixen mit Massive Attack
Fantom wertet Bilddaten der Kamera aus und moduliert den Sound je nachdem, welche Farbe man vor der Linse hat, wie hell oder dunkel es ist. Außerdem wird die Tageszeit registriert und Fantom nimmt Bewegungen des Handys wahr. Wer rennt oder sein Smartphone schwenkt, hört andere Musik als jemand, der sitzt. Mitteilungen von Twitter beeinflussen den Mix ebenfalls. Wer eine Apple Watch hat, kann sogar deren Pulsmessungen in seinen Remix einfließen lassen.

Vier unveröffentlichte Songs

"Warum sollten wir ein fertig gemischtes Album rausbringen, wenn es Algorithmen gibt, die es für dich abmischen", sagte Robert Del Naja von Massive Attack der US-Seite "Motherboard". Seiner Band gelingt es, mit Fantom an fantasievolle Musiker-Apps wie Björks Biophilia und Brian Enos "Bloom" anzuknüpfen.

Die kostenlose App ist bisher nur fürs iPhone erhältlich und ist mit Apple-Handys ab dem Modell 5s kompatibel. Eine Apple Watch ist optional und nicht Voraussetzung dafür, Fantom benutzen zu können.

Die vier Songs, die man mit der App Remixen kann - "Dead Editors", "Ritual Spirit", "Voodoo In My Blood" und "Take It There" - sollen später im Jahr auf einem neuen Massive-Attack-Album erscheinen. Mit der in der App enthaltenen Musik werden diese dann aber nicht identisch sein, in Fantom, eingespeist sind vielmehr Soundschnipsel aus den Songs.

Beachtlich ist es trotzdem, dass Künstler sich dafür entscheiden, einen ersten Vorgeschmack auf ihre neue Platte zu geben, indem sie bestimmte Passagen für Remixe per App freigeben.

Benutzeroberfläche ganz in Schwarz-Weiß

Beachtlich ist auch: Die Software fügt die Teile zu gut hörbaren Gesamttiteln zusammen. Gerade deshalb macht es Spaß, mit der App zu spielen: Egal, wie wild man seinen Arm schwenkt oder wie schnell man das Gerät um seine eigene Achse zu drehen versucht, immer entsteht ein Massive-Attack-Remix, den man sich tatsächlich anhören möchte.

Die App ist in einem schicken Schwarz-Weiß-Design gehalten und legt animierte Filter über Videobilder der Kamera. Mal pulsieren geometrische Muster darüber, mal schimmert die Aufnahme eines menschlichen Skeletts in Röntgen-Optik durch.

Die von der App verwendeten Daten werden nicht gespeichert, versprechen die Künstler: "Wir werden deine Daten nur dazu benutzen, zu modulieren, was du hörst und siehst", heißt es beim Start von Fantom.

Im Test lief die App zuverlässig, machte einen einfach und klar aufgebauten Eindruck. Einzig das Posten auf Twitter hat bei uns nicht funktioniert. Wer seinen persönlichen Remix teilen will und auf share klickt, bekommt zwar eine neue Benutzeroberfläche angezeigt, auf der sich neben dem Fantom-Video ein Tweet verfassen lässt. Der Versuch, einen solchen Tweet zu versenden, produziert aber nur eine Fehlermeldung. Wer seine musikalischen Werke unbedingt veröffentlichen will, kann sie aber auf dem Handy speichern und dann teilen, ohne Fantom.

15 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
Jott 22.01.2016
FerrisBueller 22.01.2016
xcountzerox 22.01.2016
ty coon 22.01.2016
Peer Pfeffer 22.01.2016
mesmo 22.01.2016
m.u. 22.01.2016
alexanderschulze 22.01.2016
marc0ss 23.01.2016
weblurch 23.01.2016
Sterbenswörtchen 23.01.2016
heinz.murken 23.01.2016
yuckfou 23.01.2016
tubolix 23.01.2016
neuronensalat 02.03.2016

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • AP/dpa
    Wir haben sie ständig bei uns, lassen uns von ihnen regelmäßig ablenken und nehmen sie sogar mit ins Bett: Apps, die kleinen Programme fürs Smartphone. Auf unserem Blog Angetippt stellen wir ihnen praktische und lustige Apps vor. Wenn Sie einen Tipp für uns haben, schreiben Sie uns gerne.

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: