Nach EU-Rekordbußgeld Google ändert Android-Lizenzmodell

Hersteller von Android-Geräten müssen nicht mehr alle wichtigen Google-Apps vorinstallieren, um Googles Betriebssystem verwenden zu dürfen. Mit dieser Maßnahme reagiert der Konzern auf Forderungen der EU-Kommission.

Android-Maskottchen
REUTERS

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Im Juli belegte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager Google mit einer Rekordstrafe. 4,34 Milliarden Euro Strafe soll US-Konzern der EU wegen unfairen Wettbewerbsverhaltens zahlen. Außerdem muss das Unternehmen sein Android-Geschäftsmodell in Europa ändern. Letzteres sollte umgehend geschehen, weshalb Google am Dienstag eine Reihe entsprechender Maßnahmen vorstellte, die ab dem 29. Oktober gelten.

Unter anderem werden Smartphone- und Tablet-Hersteller künftig Google-Dienste wie Maps auch ohne die Google-Suche oder den Webbrowser Chrome auf ihren Geräten vorinstallieren können. Das war eine zentrale Forderung der EU-Wettbewerbshüter.

Sie sahen in der bisher von Google vorgeschriebenen Zwangsbündelung aller Google-Anwendungen mit dem Android-Betriebssystem einen Versuch, Googles Dominanz bei der Internetsuche auf dem PC auch auf Smartphones zu übertragen. Hardware-Hersteller werden nun separate Lizenzen für Chrome und die Google-Suche kaufen können.

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Google-Betriebssystem: Das ist Android 9 Pie

Außerdem werden Hardware-Hersteller künftig neben reinen Android-Geräten auch Geräte mit abgewandelten Android-Versionen (sogenannten Forks) auf den europäischen Markt bringen können. Bisher hatte Google seinen Partnern solche Angebote nicht erlaubt.

Im Juli hatte Vestager Amazons Fire OS als Beispiel für diese Praxis genannt: Amazon habe sein abgewandeltes Android-System auch anderen Herstellern anbieten wollen. Die seien auch interessiert gewesen, hätten die Software aber nicht nutzen können, weil sie danach keine Geräte mit Google-Diensten mehr hätten anbieten dürfen. Die Kommission sah darin unfairen Wettbewerb.

Android-Chef Hiroshi Lockheimer betonte in einem Blogeintrag, dass Google nach wie vor anderer Meinung sei als die EU-Kommission und die Strafmaßnahmen deswegen anfechte. Der in der vergangenen Woche eingelegte Widerspruch kann jahrelang durch die Gerichtsinstanzen gehen.

pbe/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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Ein_denkender_Querulant 17.10.2018
1. Danke
Eine starke EU hat massive Vorteile für uns. Sollten kleine Läder versuchen, diese Art Vorgaben umzusetzen, würden große Konzerne einzig ihre Marktmacht ausspielen. Und wenn die EU jetzt noch auf den Hardwarezug aufspringen würden und wir die Entwicklung und Fertigung eigener Chips forcieren würden, wäre viel geholfen.
ruediger 17.10.2018
2.
In dem Artikel fehlt aber der entscheidende Hinweis, dass das Unbundling die Hersteller natürlich Geld kostet: Maps und AppStore müssen von den Hersteller zukünftig bezhalt werden während es für die Google Suche sicher etwas gibt. Also aus Google Sicht ein Nullsummenspiel und aus Verbrauchersicht im besten Fall nichts neues (oder im schlechteren Fall neben dem ohnenhin schon bestehenden Versionswirrwarr der Androidversionen eine weitere Aufsplitterung des Marktes (weitere AppStores erhöhen nur die Preise und veringern die Sicherheit).
felisconcolor 17.10.2018
3. na ja
das Verfahren kann man jetzt so oder so sehen. Android war schon immer offener für andere Apps auch aus anderen Stores. Konnte man einfach hinzuinstallieren. Man war ja nicht gezwungen nur die Google Programme zu nutzen. Was ich befürchte, das es nun noch schwieriger sein wird von den ganzen unterschiedlichen Handyherstellern aktuelle Android Updates zu bekommen. Ja ja ich weiss es gibts Forks bla bla bla die ein normaler User aber sicher nicht auf sein Handy ziehen wird weil ihm dafür die nötige Ahnung fehlt oder er einfach nur ein Telefon haben will das er einschaltet und es tut was es soll ohne daran rumzubasteln. Allein schon wegen eventueller Garantieansprüche und der Ablehnung der jeweiligen helpdesks hierfür auch noch Support zu machen.
sikasuu 17.10.2018
4. Für ein Smartphone-OS die Souverenität aufgeben ? :-)
Zitat von Ein_denkender_QuerulantEine starke EU hat massive Vorteile für uns. Sollten kleine Läder versuchen, diese Art Vorgaben umzusetzen, würden große Konzerne einzig ihre Marktmacht ausspielen. Und wenn die EU jetzt noch auf den Hardwarezug aufspringen würden und wir die Entwicklung und Fertigung eigener Chips forcieren würden, wäre viel geholfen.
Ja, das ist es auch mMn wert, wenn man die ganzen anderen "Goodies" die die EU uns bringt mit einbezieht. . Aber ich wollte die EU ging noch einen Schritt weiter. Förderung von Entwicklung von freien OSsem für diesen Bereich, aka Ubuntu usw. & in deisem Zug auch einen Freie App-Borse mit Apps die keine oder nur die nötigen Daten haben wollen. . Das ganz mit einer Gesetzgebung die die freie Wahl des OS uaf jeer Hardware vorschreibt hätte was!
permissiveactionlink 17.10.2018
5. Wenn ich mir die Liste
aller auf meinen Endgeräten installierten Google-Anwendungen ansehe, dann wird mir klar, warum mein Speicherbereich immer so schnell abgefüllt ist. Zwar kann man mit Android ab Version 6 einen externen Speicher einer SD-Karte zur Funktion als interner Speicher konfigurieren, aber die vorinstallierten Google-Apps lassen sich nicht löschen, auch nicht teilweise, sondern nur deaktivieren. Bis Android-Version 5 ließen sich diese Apps vor der Deaktivierung auch noch deaktualisieren, sprich bis auf einen ursprünglichen Programmkern löschen. Dafür bestand aber nicht die Möglichkeit, die SD-Karte als internen Speicher zu nutzen. Das Problem mit dem Zukauf von Google-Apps besteht für die Hersteller eigentlich nicht, denn wenn der Playstore nicht ab Werk geladen ist, sollten die Nutzer andere Möglichkeiten bekommen, diese App sicher zu laden, immerhin will Google am Appverkauf verdienen. Prinzipiell sollte jeder Nutzer selbst entscheiden dürfen, welches Betriebssystem auf seinem Endgerät läuft und welche Apps installiert sind. Vorinstallierte Apps sollten problemlos löschbar sein. Dass Google auf Geräten eigener Fertigung Betriebssysteme und Apps vorinstalliert ist in Ordnung, andere Hersteller sollten aber nicht dazu genötigt werden. Insofern ist das Urteil der EU gegen Google angemessen.
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