Grindr Dating-App bringt Schwule in Gefahr

Grindr ist eine Dating-App für homo- und bisexuelle Männer - und kann für ebendiese zum Problem werden. Dass angezeigt wird, wo sich die einzelnen Nutzer gerade aufhalten, könnte die Mitglieder in manchen Ländern das Leben kosten.

Screenshot der Grindr-Website: Die App wirbt mit Schnelligkeit und Effizienz

Screenshot der Grindr-Website: Die App wirbt mit Schnelligkeit und Effizienz


Grindr ist die beliebteste und am weitesten verbreitete Dating-App für homo- und bisexuelle Männer. Seit 2009 vermittelt die App Millionen Smartphone-Nutzern Kontakte zu Mitgliedern, die sie beispielsweise anchatten und im Anschluss vielleicht persönlich kennenlernen können. Damit das noch leichter geht, können die Nutzer innerhalb der App gleich anzeigen lassen, wo sie sich gerade aufhalten - sodass zum Beispiel spontan ein Date in der Nähe vereinbart werden kann.

Was in einer westlichen Metropole als praktisches Feature gelten mag, kann in anderen Teilen der Welt zum Problem werden. Grindr gibt es in 192 Ländern, und in einigen davon werden Homosexuelle verfolgt, bedroht, bestraft und womöglich gar getötet.

Die Standortanzeige kann also zur Bedrohung werden - erst recht, seit im August eine Sicherheitslücke bekannt wurde: Demnach können auch Nichtmitglieder auf bestimmten Wegen an die Standortdaten kommen, und zwar ohne sich selbst einzuloggen. Ein Unbekannter hatte Tausenden Nutzern in bestimmten Regionen Warnnachrichten geschickt und sie darüber informiert, dass ihr Standort mit nur wenig Aufwand auszumachen ist.

In einigen Ländern wird die Funktion jetzt automatisch deaktiviert

Für diese Lücke hagelte es Kritik an Grindr, etwa bei der "Washington Post", die dem Dienst vorwarf, zu wenig Einfühlungsvermögen und Respekt gegenüber seinen Nutzern an den Tag zu legen. Das Online-Magazin "Cairo Scene" behauptet sogar, ägyptische Geheimdienste nutzten die App bereits, um Jagd auf Homosexuelle zu machen. Es seien schon mehrere Menschen im Zusammenhang mit der App verhaftet worden.

Grindr hat jetzt auf die Vorwürfe reagiert. In einem Blog-Eintrag der Firma heißt es, wegen der jüngsten Anschuldigungen ergreife die Firma "proaktive Maßnahmen", um Nutzer in schwulenfeindlichen Gebieten zu schützen. "Bei jedem Nutzer, der sich in diesen Ländern mit Grindr verbindet, wird die Entfernung automatisch versteckt", heißt es in der Veröffentlichung. Zu den entsprechenden Ländern gehörten bisher unter anderem Russland, Ägypten, Saudi-Arabien, Nigeria, Liberia, Sudan und Simbabwe, die Liste werde noch erweitert.

In den genannten Ländern werde den Nutzern nicht mehr angezeigt, dass sich der potenzielle Dating-Partner beispielsweise rund 500 Meter entfernt aufhält. Die anderen Funktionen bleiben laut der Erklärung aber gleich. Das heißt: Die Profile würden nach wie vor in der "richtigen Reihenfolge" angezeigt, also mit demjenigen zuerst, der sich gerade am nächsten aufhält.

Wer sich nicht in den entsprechenden Ländern aufhält und trotzdem seinen Standort gern verbergen will, könne die entsprechende Funktion immer noch händisch deaktivieren.

juh



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