Von Lutz Labs und Christian Wölbert
Laut einer Statistik des Forsa-Instituts haben sieben Millionen Deutsche schon einmal ihr Handy verloren, vier Millionen Besitzern ist es bereits einmal gestohlen worden. Kein Wunder, dass Sicherheitsfirmen und Smartphone-Hersteller inzwischen Dutzende Apps mit "Anti-Diebstahl"-Funktionen anbieten. Der Name verspricht streng genommen zu viel: Einen Diebstahl verhindern können die Apps nicht. Aber sie helfen mit etwas Glück, das Telefon nach dem Verlust wiederzufinden. Im Idealfall verhindern sie auch, dass der Dieb persönliche Daten durchstöbert.
Die meisten Anwendungen bieten drei Anti-Gauner-Maßnahmen: Man kann das Smartphone aus der Ferne orten, sperren und löschen. Diese Befehle übermittelt man entweder per SMS oder über ein Web-Portal an das vermisste Android-Gerät. Aus diesem Prinzip ergeben sich Einschränkungen. Die wichtigste: Eine Bildschirmsperre ersetzen die Apps nicht.
Unbedingt die Bildschirmsperre aktivieren
Ist die unter Android im Menü "Standort & Sicherheit" einstellbare Sperre nicht gesetzt, liest der Dieb vielleicht schon vertrauliche Mails, bevor man den Verlust bemerkt. Außerdem schalten Profi-Gauner die Mobilfunk- und W-Lan-Verbindung ab, sodass man das Handy weder per SMS noch über das Internet erreichen kann - jeder aus der Ferne abgesetzte Sperrbefehl läuft ins Leere. Wer ein Entsperrmuster statt einer PIN nutzt, sollte übrigens regelmäßig das Display putzen. Die Fingerspuren könnten sonst das Muster verraten.
Auf verriegelten Smartphones kann der Finder oder Dieb Notrufnummern wählen, aber keine Apps nutzen und keine Daten sehen. Sicherheitshalber sollte man das Handy auch bei aktivierter Android-Bildschirmsperre zusätzlich aus der Ferne sperren. Die von uns getesteten Apps führten die Sperrbefehle binnen weniger Minuten aus. An die Daten, die auf einer herausnehmbaren SD-Karte liegen, kommt der Dieb natürlich trotzdem heran.
Schnell Löschbefehl senden
Für fähige Gauner sind die Sperren überwindbar: Daten aus dem internen Speicher können sie in den meisten Fällen über USB auslesen, die Hardware nach dem Flashen der Firmware wieder uneingeschränkt nutzen.
Ehrliche Finder haben bei aktiver Tastensperre kaum eine Möglichkeit, den Eigentümer zu ermitteln. Bei einigen Android-Telefonen kann man unter "Standort & Sicherheit" eine Meldung für den Lockscreen eingeben, zum Beispiel eine Telefonnummer oder eine E-Mail-Adresse. Auch einige der Apps im Testfeld zeigen auf Wunsch auf ihrem Sperrbildschirm eine persönliche Nachricht an.
Für die Ortung GPS aktiviert lassen
Ist das Telefon gesperrt, bietet sich im nächsten Schritt die Ortung an. Die Apps, die per SMS fernbedient werden, beantworten die Anfrage meist binnen Minuten per E-Mail oder per SMS mit einem Google-Maps-Link. Die Apps mit Webportal zeigen den ermittelten Standort noch etwas schneller auf einer Karte.
Da die Geräte nur über W-Lan und GPS präzise geortet werden können, sollte man zumindest GPS stets aktiv lassen (ebenfalls unter "Standort & Sicherheit"). GPS verbraucht nach unseren Messungen im Standby nur 0,4 Milliwatt (beim Motorola Milestone). Das wirkt sich auf die Akkulaufzeit kaum aus. W-Lan zehrt stärker an den Energiereserven, sodass man zwischen Sicherheit und Laufzeit abwägen muss.
Mit Glück liegt das vermisste Telefon unter freiem Himmel und der GPS-Empfänger verrät eine Position, die nur wenige Meter vom realen Standort abweicht. Diese sollte man an die Polizei weitergeben. Sie hilft in der Regel bei der Wiederbeschaffung, falls man Anzeige wegen Diebstahl erstattet hat.
So hilfreich die Ortungsfunktion im Notfall ist, so gefährlich ist sie, wenn sie missbraucht wird. Richtet man sie heimlich auf dem Smartphone eines unbedarften Nutzers ein, wird dieser das kaum bemerken. Das Überwachen ist in diesem Fall strafbar - im Gegensatz zum Orten eines Diebs.
Daten aus der Ferne löschen
Die dritte Maßnahme bei Handyverlust ist das Löschen. Hier gibt es Unterschiede: Die Dienste von Motorola und Samsung sowie die App von F-Secure bieten ausschließlich die Möglichkeit, das Smartphone mit der Android-Funktion "Werkseinstellungen" in den Auslieferungszustand zurückzuversetzen. Das ist eine endgültige Trennung vom Gerät - man kann es anschließend nicht mehr orten oder mit dem Finder Kontakt aufnehmen. Einzig die Inhalte auf der SD-Karte verbleiben bei manchen Lösungen.
Die Apps von AVG, Kaspersky und McAfee tilgen nur ausgewählte Daten, bleiben also auch nach dem Löschbefehl aktiv und fernbedienbar. Bei der App von Avast kann man vor dem Verlust des Gerätes einstellen, ob nur die SD-Karte gelöscht oder das Gerät zusätzlich auch auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt werden soll. Die meisten Apps löschen die Daten, ohne sie zu überschreiben. Mit einem Tool wie Pareto-Logic lassen sich dann zum Beispiel Fotos von SD-Karten wiederherstellen. Neugierige Diebe erledigen das in wenigen Minuten. Eine Ausnahme ist die Avast-App, die optional die SD-Karte überschreibt, was länger dauert als das Löschen. Im Test konnten wir mit unserem Recovery-Tool keine Daten wiederherstellen.
SIM-Sperre
Nutzt man einen Herstellerdienst oder eine der Apps mit Webportal, sollte man die SIM-Karte vom Mobilfunk-Provider sperren lassen. Dazu ist meist die Angabe der eigenen Telefonnummer notwendig sowie das Kundenkennwort und teilweise die Kartennummer. Diese Angaben sollte man in der Brieftasche oder an passwortgeschützter Stelle im Web aufbewahren. Bei den Apps mit SMS-Steuerung sollte man die SIM-Karte erst sperren, wenn man das Telefon per SMS-Befehl gesperrt, geortet und wichtige Daten gelöscht hat oder die Hoffnung aufgeben musste.
| Rufnummern und Kosten für Kartensperrungen | ||||
| Netzbetreiber | Telekom | Vodafone | E-Plus | O2 |
| Rufnummer | 01803/3 30 22 02 | 0800/1 72 12 12 | 0177/10 00 | 01805/62 43 57 |
| Kurzwahl | 2202 | 1212 | 10 00 | 5 52 22 |
| Koste für Sperre | 8,80 Euro | kostenlos | kostenlos | 10 Euro |
| Kosten für Ersatzkarte | 20,50 Euro | 20,50 Euro | 15 Euro | 15 Euro |
| Für Prepaid-Kunden gelten teilweise andere Rufnummern und Preise | ||||
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