App "Hillary 2016" ausprobiert Und welchen Unsinn hat Trump noch mal verzapft?

Hillary Clinton hat jetzt eine neue App, die Unterstützer ihres Wahlkampfs Tag für Tag bei Laune halten soll. Im virtuellen Büro darf man erst einmal Pflanzen gießen - dann gehts ans Eingemachte.

Michael Gessat

Genug davon, daheim auf dem Sofa "The West Wing" oder "House of Cards" zu schauen? Mit einer neuen App soll man viel aktiver am US-Wahlkampf teilnehmen können: als Wahlkampfmanager für Hillary Clinton, wenn sie in den nächsten Monaten um den Einzug ins Weiße Haus kämpft.

Erhältlich ist die App namens "Hillary 2016" momentan nur für iOS und aktuell auch nur im amerikanischen App-Store. Ein entsprechender Zweit-Account lässt sich aber leicht einrichten; auch wenn man damit streng genommen gegen Apples Nutzungsbedingungen verstößt.

Einsatz ist aber nicht nur fürs Installieren der App gefragt. Schon beim Start verlangt "Hillary 2016" vom Nutzer "Commitment" - die App möchte nämlich entweder den Facebook-Account oder eine E-Mail-Adresse wissen. Diese Nachfrage lässt sich aber, ebenso wie die Eingabe einer Telefonnummer einen Bildschirm weiter, per "Skip" überspringen.

Ab ins "Home Office"

Dann ist man auch schon mitten drin in seinem "Home Office"-Unterstützerbüro für die Clinton-Wahlkampagne. Das sieht anfangs nicht besonders anheimelnd aus: kahle Wände, ungemütliche Stühle, leere Schreibtische. Hier also soll ich jetzt arbeiten?

Zum Glück zeigt mir die App nun die "Herausforderungen des Tages" an, und wenn ich die Liste abarbeite, kann ich offenbar Belohnungspunkte sammeln. Also frisch ans Werk, Aufgabe eins: Hillary meine Stimme versprechen. Da habe ich kein Problem mit, ich kann ja sowieso nicht mitwählen und kenne zudem die Alternative.

Nach dem erfolgreich abgelegten Glaubensbekenntnis ("I'm with her!") lässt mich die App zurück ins Büro, eine Pflanze will gewässert werden. Das geht per Fingertipp - gleichzeitig halst mir das aber wohl auch die furchtbare Verantwortung auf, morgen und alle Tage bis zum Wahltag wieder zu kommen. (Mehr Eindrücke der App bietet unsere Fotostrecke)

Was hat Trump gesagt?

Egal, auf zu Herausforderung zwei: ein Trump-Quiz. Welche Aussagen sind von ihm, welche nicht? Schwierig, weil ich ihm ja alle nur denkbaren Sätze zutrauen würde. "Frauen muss man wie ein Stück Scheiße behandeln." Ja, ist von ihm. "Besser einen Tag als Löwe leben als hundert Jahre als Schaf"? Falsch, Mussolini. Aber immerhin von Trump retweetet. Na also.

Ich habe nur sechzig Prozent richtig, bekomme aber wieder Punkte, die mein Interesse hochhalten sollen. Mit den Punkten kaufe ich mir erst mal was im App-eigenen Store, ein hübsches LGBT-Poster zum Beispiel. Und tatsächlich: Jetzt sieht mein Büro schon ganz anders aus. Flaggen, Sticker und To-Do-Listen an den Wänden, das geht in die richtige Richtung.

Die nächste Herausforderung: Statements von Hillary abrufen - eine leichte Aufgabe, für die es wieder Punkte gibt. Und dann soll ich noch der App Zugriff auf meinen Kalender geben - damit alle Events der Wahlkampagne automatisch eingetragen werden können.

Für heute ist alles getan

Ich zaudere, aber da ist die App hartnäckig: Ohne Freigabe keine hundertprozentige Challenge-Erfüllung für heute. Also gut. Als kleine Rache spare ich die erhaltenen Punkte nicht auf ein Original-Hillary-Autogramm an, sondern verballere sie im Shop.

Dort fällt mir eine Ziegelwand auf, aber da müsste ich erst morgen wieder neue Aufgaben erfüllen - für heute ist alles getan. Bleiben erst einmal nur Funktionen im Stile derer, die schon 2012 in die App von Barack Obama eingebaut waren: Man kann direkt auf aktuelle Nachrichten rund um den Wahlkampf zugreifen, kann Freunde über Mail und Social Media ansprechen - und man per Knopfdruck spenden, von drei Dollar an aufwärts.

"Hillary 2016" interessiert sich also nicht nur für meine Aufmerksamkeit, meine Daten und meine Stimme, sondern auch für mein Geld. Aber hey, immerhin steht mittlerweile ein Kühlschrank im Retro-Look in meinem virtuellen Büro.



insgesamt 4 Beiträge
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Topper Harley 25.07.2016
1. Frauen muss man wie scheisse behandeln?
Diese viel zitierte Aussage lässt sich (leider) nicht eindeutig belegen. Allenfalls Internet Glamour Magazine findet man im Netz zuhauf ohne Angaben von Quellen. Es ist eine Aussage aus dem Jahr 1992 zugingen im newyork Magazin. Auf S 41 findet man das Zitat ohne eine Kennzeichnung, dass Trump dies tatsächlich auch gesagt habe. Auf S 43 dann als Zitat gekennzeichnet aber ohne jeglichen Kontext.
thomas haupenthal 26.07.2016
2. Wenn...
...Hillary gewinnt, dann nicht wegen ihr, sondern wegen Trump. Und mehr als einen"Term"wird sie nicht absolvieren, wenn die Republikaner die Partei zusammen halten und 2020 wieder einen halbwegs waehlbaren Kandidaten anbieten koennen. Vielleicht wieder einen Bush?
unimog_andi 26.07.2016
3. Vorerst nur für iOS?
Zeigt deutlich die Zielgruppe Hillarys :-)
holgerpache77 26.07.2016
4. ...
Beinhalted das Spiel auch einen virtuellen email server und ein tutorial woran ich vertrauliche Dienst-emails von privaten unterscheide? Da H.C anscheinend weniger Kompetenzen als eine Aushilfssekreteuse besitzt wäre es wichtig wenigstens ihren Anhängern die basics zu erklären.
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