Instagram-App Hyperlapse Zeitraffermagie für Smartphone-Regisseure

Von


Ein Entwicklerteam des Fotodienstes Instagram hat erneut einen Beleg dafür vorgelegt, dass Smartphones noch lange nicht ausgereizt sind. Die Video-App Hyperlapse erlaubt es, mit extrem geringem Aufwand Zeitraffervideos herstellen.

Oder in einem Stück gedrehte Kamerafahrten à la Michael Ballhaus.

Hyperlapse ist sehr einfach zu bedienen: Es gibt nur einen Aufnahme-Button und anschließend einen Slider, mit dem man die Geschwindigkeit auswählt, in der das Video abgespielt werden soll. Das so erstellte Video kann man im Fotospeicher seines Handys ablegen oder aber direkt auf Instagram oder Facebook posten. Einen Account bei einem dieser Dienste braucht man nicht, um die App zu benutzen - aber ein iPhone. Bislang gibt es Hyperlapse nur für iOS, eine Android-Version ist zwar geplant, wann sie aber kommt, ist unklar.

Was an der App eigentlich verblüfft, ist nicht die Zeitrafferfunktion. Hyperlapse löst ein Problem, das jeder kennt, der schon einmal aus der Hand mit seinem Telefon gefilmt hat - es ist sehr schwer, dabei nicht total verwackelte Aufnahmen zu produzierten. Die App ist mit einer Bildstabilisierungsfunktion ausgestattet, deren Leistungsfähigkeit selbst erfahrenen TV-Profis in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE spontane Ausrufe der Verblüffung entlockte. Das untenstehende Video vom Deichtorplatz in Hamburg ist aus der Hand gedreht, das Original ist eine Minute lang.

Weil die Videos, die wir hier beispielhaft zeigen, fürs Internet stark komprimiert wurden, hat deren Qualität etwas gelitten. Die Originale auf dem Handy sehen deutlich besser aus.

Dreht man etwa einen kurzen Film, indem man das Handy einen Gang entlangträgt, und regelt die Abspielgeschwindigkeit im Anschluss auf 1x herunter, bekommt man einen Clip, der an Steadycam-Aufnahmen erinnert: Die Kamera scheint schwebend und ohne Ruckeln vorwärts zu gleiten. Das funktioniert nicht immer gleich gut - schlechte Beleuchtung und schnelle Lichtwechsel etwa verträgt Hyperlapse nicht gut, was man auch an unserem zweiten Beispiel-Clip von einer Fahrstuhlfahrt erkennen kann. Kamera-, beziehungsweise Smartphone-Fahrten an Orten mit starken Helligkeitsunterschieden produzieren zudem Bildruckler und periodische Unschärfen.

Der Steadycam-Effekt ist dennoch beeindruckend. Videos von Hochzeiten, Partys und Kindergeburtstagen werden künftig wohl oft weniger wacklig aussehen. Dass das funktioniert, liegt an einer Eigenschaft, die Smartphones von normalen Kameras unterscheidet: Sie sind bereits mit Gyroskopen ausgestattet, also Sensoren, die Lage und Bewegung des Geräts erfassen. Das Team um Thomas Dimson, das die App für Instagram entwickelte, machte sich diese Sensoren zunutze. Bei "Wired" ist im Detail nachzulesen, wie die Entwickler dabei vorgingen. Die App verrechnet die gyroskopisch gemessenen Bewegungen des Telefons mit denen des Kamerabildes und erzeugt so ein ruhiges, gleichmäßiges Bild. Selbst dann, wenn das Handy beim Filmen absichtlich bewegt wird, man beispielsweise damit herumläuft.

Gut möglich, dass sich die so simple wie eindrucksvolle Trick bald in den Produkten von Kameraherstellern niederschlägt: Eine ordentliche Spiegelreflexkamera mit entsprechenden Lagesensoren könnte zweifellos noch weit eindrucksvollere Filme liefern - ohne, dass der Kameramann ein mächtiges Steadycam-Gerüst mit sich herumschleppen muss.

Mehr zum Thema


Diskutieren Sie mit!
7 Leserkommentare
TICKundTOOF 27.08.2014
DrStrang3love 27.08.2014
philipkdi 27.08.2014
cola79 27.08.2014
rotella 27.08.2014
dat_fretchen 28.08.2014
lightstorm66 28.08.2014

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.