Start-up-Übernahme: "Facebook soll Instagram in Ruhe lassen"

André Krüger ist ein "Instagrammer" der ersten Stunde, benutzt die App seit dem Start vor zwei Jahren. Mehr als 30.000 Follower wollen sehen, was er fotografiert. Im Interview beschreibt er den Reiz des Bildernetzwerks - und warnt Facebook vor radikalen Änderungen nach der Übernahme.

André Krüger: Fotos vom Instagrammer Fotos
André Krüger

SPIEGEL ONLINE: Was ist so toll an Instagram?

André Krüger: Damit lassen sich schöne quadratische Fotos machen - und sofort herumzeigen. Instagram ist wie Twitter, nur mit Bildern. Außerdem kann man die Bilder in anderen Netzwerken wie Facebook veröffentlichen.

SPIEGEL ONLINE: Machen die Instagram-Filter Handyfotos nicht künstlich schlechter?

Krüger: Erst mal stimmt das nicht, wer fotografieren kann, der kann auch mit Instagram gute Fotos machen. Natürlich ist es für viele zunächst reizvoll, Fotos etwas schöner und interessanter aussehen zu lassen, als sie eigentlich sind. Aber ich habe beobachtet, dass viele der Leute, denen ich auf Instagram folge, mittlerweile auf Filter verzichten.

SPIEGEL ONLINE: Die Effektfilter sind gar nicht so wichtig?

Krüger: Die Filter sorgen dafür, dass die Aufnahmen alt aussehen, so wie vor 20, 30 Jahren eben alle Bilder ausgesehen haben. Das kann Erinnerungen wecken. Irgendwann habe ich mich daran satt gesehen, für mich spielen sie keine so große Rolle mehr.

SPIEGEL ONLINE: Der Reiz ist das Bildernetzwerk?

Krüger: Genau, und das funktioniert anders als bei Twitter unabhängig von Sprachbarrieren. Ich sehe mir die Bilder von japanischen Fotografen oder brasilianischen Architekten an und lerne etwas darüber, wie sie Dinge sehen. Mit vielen könnte ich mich über die Sprache nicht verständigen. Mit Bildern funktioniert es.

SPIEGEL ONLINE: Ist das ein Stück weit Voyeurismus, das Leben anderer Leute zu beobachten?

Krüger: Ach nein, natürlich ist viel Inszenierung dabei, man entscheidet ja sehr bewusst, was man anderen zeigt. Ich folge meinen Freunden, und von ihnen sehe ich mir auch Fotos von Mahlzeiten oder Haustieren an. Mir persönlich unbekannten Fotografen folge ich vor allem, weil sie gute und interessante Fotos teilen.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie von der Übernahme durch Facebook erfahren?

Krüger: Am Montag wurden auf Instagram massenhaft komplett schwarze Fotos gepostet, dazu das Hashtag #blackstagram. Viele Nutzer sind der Plattform emotional verbunden, dazu gehöre ich auch. Da ist jetzt erst mal Unsicherheit da. Aber ich kann Facebook auch verstehen, da ist ein Dienst sehr schnell sehr erfolgreich geworden, bevor den jemand anderes kauft, greift man eben zu.

SPIEGEL ONLINE: Was sollte Facebook mit Instagram machen?

Krüger: Facebook soll Instagram in Ruhe lassen. Als Yahoo damals den Fotodienst Flickr gekauft hat, wurde die Seite nicht mehr besonders gut gepflegt, es gab weniger Neuerungen. Wenn ich mir etwas wünschen würde, dann das: Die kuschelige Instagram-Gemeinschaft soll weiter unabhängig bleiben und weiter entwickelt werden.

Fotostrecke

10  Bilder
Fotoplattform: So sehen Instagram-Aufnahmen aus

Das Interview führte Ole Reißmann

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Instagrammer sollen das Internte in Ruhe lassen
chinataxi 10.04.2012
Zitat von sysopAndré Krüger ist ein "Instagrammer" der ersten Stunde, benutzt die App seit dem Start der App vor zwei Jahren. Mehr als 30.000 Follower wollen sehen, was er mit Instagram fotografiert. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE beschreibt er den Reiz des Bildernetzwerks. Start-up-Übernahme: "Facebook soll Instagram in Ruhe lassen" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/0,1518,826566,00.html)
Diesen totgefilterten Pixelmüll will doch keiner sehen. Je weniger Talent desto mehr Filter, oder wie? 99% produzieren damit nur das Internet zumüllende Bilder. 1% _kann_ vielleicht Fotografieren.
2.
gibbonnobbig 10.04.2012
Zitat von sysopAndré Krüger ist ein "Instagrammer" der ersten Stunde, benutzt die App seit dem Start der App vor zwei Jahren. Mehr als 30.000 Follower wollen sehen, was er mit Instagram fotografiert. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE beschreibt er den Reiz des Bildernetzwerks. Start-up-Übernahme: "Facebook soll Instagram in Ruhe lassen" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/0,1518,826566,00.html)
Er hat Instagramm also schon genutzt bevor es cool war. Das ist völlig überraschend ;)
3. erledigt
fk85 10.04.2012
Zitat von sysopAndré Krüger ist ein "Instagrammer" der ersten Stunde, benutzt die App seit dem Start der App vor zwei Jahren. Mehr als 30.000 Follower wollen sehen, was er mit Instagram fotografiert. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE beschreibt er den Reiz des Bildernetzwerks. Start-up-Übernahme: "Facebook soll Instagram in Ruhe lassen" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/0,1518,826566,00.html)
Instagram hat sich für mich und meine Freunde erledigt. Wir haben die App von unserem IPad/Phone geschmissen. Facebook ist wie Maschmeier, damit will man nichts zu tun haben. In den Fotoforen aus den USA liest man ebenfalls jede Menge über User, die Instagram seit gestern aus Protest massenweise löschen. Es gibt drei weitere sehr gute Photo-Apps, die die Funktionen und Qualität von Instagram weit übertreffen. Andere Auswahl gibts genügend. Also wech damit!
4.
bosch 10.04.2012
Zitat von chinataxiDiesen totgefilterten Pixelmüll will doch keiner sehen. Je weniger Talent desto mehr Filter, oder wie? 99% produzieren damit nur das Internet zumüllende Bilder. 1% _kann_ vielleicht Fotografieren.
Ja, so sagt es "Sturgeon's Law": 99% von allem ist immer Mist. Was für Tweets, Kinofilme oder Bücher gilt, gilt natürlich auch für Fotos. Wo ist das Problem?
5. das problem
chinataxi 10.04.2012
Zitat von boschJa, so sagt es "Sturgeon's Law": 99% von allem ist immer Mist. Was für Tweets, Kinofilme oder Bücher gilt, gilt natürlich auch für Fotos. Wo ist das Problem?
das problem ist der teufelskreis > mehr müll im upload > langsamere verbindung > längeres suchen nach schönen bildern. früher haben sich halt nur profis die mühe gemacht bilder zu scannen und sich eine homepage programmieren zu lassen. heute reicht ein klick und fertig ist der datensalat. die wertschätzung lässt einfach nach. früher hat man sich auch sehr genau überlegt welche bidler man printet. heute herrscht eine fire & forget mentalität.
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Zur Person
  • André Krüger lebt in Hamburg und Berlin. Er ist Berater für digitale Kommunikation und leidenschaftlicher Fotograf. Seit 2006 schreibt er auf boschblog.de über Alltagskultur und Unzulänglichkeiten menschlichen Daseins. Seine Instagram-Bilder sind hier gesammelt.

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