SPIEGEL ONLINE: Was ist so toll an Instagram?
André Krüger: Damit lassen sich schöne quadratische Fotos machen - und sofort herumzeigen. Instagram ist wie Twitter, nur mit Bildern. Außerdem kann man die Bilder in anderen Netzwerken wie Facebook veröffentlichen.
SPIEGEL ONLINE: Machen die Instagram-Filter Handyfotos nicht künstlich schlechter?
Krüger: Erst mal stimmt das nicht, wer fotografieren kann, der kann auch mit Instagram gute Fotos machen. Natürlich ist es für viele zunächst reizvoll, Fotos etwas schöner und interessanter aussehen zu lassen, als sie eigentlich sind. Aber ich habe beobachtet, dass viele der Leute, denen ich auf Instagram folge, mittlerweile auf Filter verzichten.
SPIEGEL ONLINE: Die Effektfilter sind gar nicht so wichtig?
Krüger: Die Filter sorgen dafür, dass die Aufnahmen alt aussehen, so wie vor 20, 30 Jahren eben alle Bilder ausgesehen haben. Das kann Erinnerungen wecken. Irgendwann habe ich mich daran satt gesehen, für mich spielen sie keine so große Rolle mehr.
SPIEGEL ONLINE: Der Reiz ist das Bildernetzwerk?
Krüger: Genau, und das funktioniert anders als bei Twitter unabhängig von Sprachbarrieren. Ich sehe mir die Bilder von japanischen Fotografen oder brasilianischen Architekten an und lerne etwas darüber, wie sie Dinge sehen. Mit vielen könnte ich mich über die Sprache nicht verständigen. Mit Bildern funktioniert es.
SPIEGEL ONLINE: Ist das ein Stück weit Voyeurismus, das Leben anderer Leute zu beobachten?
Krüger: Ach nein, natürlich ist viel Inszenierung dabei, man entscheidet ja sehr bewusst, was man anderen zeigt. Ich folge meinen Freunden, und von ihnen sehe ich mir auch Fotos von Mahlzeiten oder Haustieren an. Mir persönlich unbekannten Fotografen folge ich vor allem, weil sie gute und interessante Fotos teilen.
SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie von der Übernahme durch Facebook erfahren?
Krüger: Am Montag wurden auf Instagram massenhaft komplett schwarze Fotos gepostet, dazu das Hashtag #blackstagram. Viele Nutzer sind der Plattform emotional verbunden, dazu gehöre ich auch. Da ist jetzt erst mal Unsicherheit da. Aber ich kann Facebook auch verstehen, da ist ein Dienst sehr schnell sehr erfolgreich geworden, bevor den jemand anderes kauft, greift man eben zu.
SPIEGEL ONLINE: Was sollte Facebook mit Instagram machen?
Krüger: Facebook soll Instagram in Ruhe lassen. Als Yahoo damals den Fotodienst Flickr gekauft hat, wurde die Seite nicht mehr besonders gut gepflegt, es gab weniger Neuerungen. Wenn ich mir etwas wünschen würde, dann das: Die kuschelige Instagram-Gemeinschaft soll weiter unabhängig bleiben und weiter entwickelt werden.
Das Interview führte Ole Reißmann
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