Bluetooth in iOS 11 Bei Apple bedeutet aus nicht unbedingt aus

Seit Dienstag können Apple-Kunden das neue iOS 11 auf ihre iPhones und iPads laden. Jetzt wundern sich manche über eine Eigenart der Software: Nicht immer wenn man Bluetooth ausknipst, wird es wirklich abgeschaltet.

iOS11-Kontrollfeld mit vermeintlich abgeschaltetem Bluetooth

iOS11-Kontrollfeld mit vermeintlich abgeschaltetem Bluetooth


Ein schneller Tipp mit dem Finger und Bluetooth ist deaktiviert: Der häufig eingesetzte Funkstandard lässt sich bei vielen Smartphones schnell und bequem ein- und ausschalten. Meistens klappt das über ein prominent platziertes Icon, per Abkürzung also, die das Navigieren durchs Einstellungen-Menü erspart. So war es bisher auch auf Apple-Geräten, wo es für schnelle Wege das sogenannte Kontrollzentrum gibt, das per Wisch von unten auf dem Bildschirm erscheint.

Beim neuen Betriebssystem iOS 11, das Besitzer vieler Apple-Geräte seit Dienstagabend herunterladen können, hat das Kontrollzentrum nun an Macht über die Bluetooth-Verbindung verloren. Das entsprechende Icon gibt es zwar noch immer, seine Funktion ist aber anders als in den vorherigen iOS-Versionen.

Wie das Tech-Magazin "Motherboard" berichtet - und auch wir ausprobiert haben -, führt das Ausschalten von Bluetooth über das Kontrollzentrum nun nämlich nicht mehr dazu, dass das Bluetooth-Modul wirklich ausgeschaltet wird. Es können sich zwar keine neuen Geräte, Dienste oder Zubehörteile mehr mit dem iPhone oder iPad verbinden, eine Apple Watch beispielsweise bleibt aber gekoppelt. Ähnliches soll für weitere Apple-Dienste wie AirDrop oder AirPlay gelten.

Nur in den Einstellungen von iOS11 lässt sich Bluetooth komplett abschalten

Nur in den Einstellungen von iOS11 lässt sich Bluetooth komplett abschalten

Wer Bluetooth komplett und für alle Apple-Dienste ausschalten will, muss in iOS 11 nun das Einstellungen-Menü aufrufen und Bluetooth dort deaktivieren. "Das ist dämlich", zitiert "Motherboard" den Sicherheitsforscher Collin Mulliner. "Dem Nutzer ist das nicht klar."

Eine bewusste Entscheidung

Dass das Ganze kein Fehler, sondern eine bewusste Entscheidung Apples ist, belegt eine Onlineanleitung des Konzerns. Wenn das Bluetooth-Symbol im Kontrollzentrum ausgeblendet werde, trenne das Gerät die Verbindungen mit jeglichem Zubehör, heißt es dort, "mit Ausnahme der Apple Watch, des Instant Hotspots, Apple Pencils und Integrationsfunktionen wie 'Handoff'."

Am Ende von Apples Anleitung, in der es übrigens auch heißt, dass sich Bluetooth ab 5 Uhr Ortszeit morgens wieder aktiviert, wenn es nur per Kontrollzentrum deaktiviert wurde, rät das Unternehmen dann noch: "Für eine optimale Nutzung Ihres iOS-Geräts versuchen Sie, WLAN und Bluetooth stets aktiviert zu lassen".

Diesen Ratschlag sollte man kritisch sehen. So kann ein Deaktivieren von Bluetooth, wenn man es gerade nicht braucht, zum Beispiel helfen, Strom zu sparen und sich nicht unnötigen Angriffen auszusetzen. Erst vergangene Woche hatten Sicherheitsforscher vor Hackerangriffen gewarnt, bei denen Bluetooth-Schwachstellen ausgenutzt werden.

Während die Attacken zuletzt am ehesten noch für Android-Nutzer eine Bedrohung darstellten, waren prinzipiell auch iOS-Nutzer ein Ziel: iPhones und iPads mit iOS 9.3.5 oder späteren Versionen sind allerdings gegen die Angriffe geschützt.

Highlights von iOS 11
Facebook und Twitter
In der Betaversion von iOS 11 fehlen in den Einstellungen die Einträge für Facebook und Twitter. Über die Tragweite dieser Änderung gibt es noch keine offiziellen Angaben. Man kann aber davon ausgehen, dass es für Apps von Drittanbietern damit schwieriger wird, die Daten der sozialen Netzwerke zum Login in ihren Apps zu nutzen. Allerdings hat Apple ein neues Passwort-Management für iOS 11 angekündigt. Das könnte die Funktion als Login-Sammelstelle übernehmen - wenn die Entwickler ihre Apps daran anpassen.
Kamera als Scanner
Auf iPads kann man in der Notizen-App von iOS 11 Dokumente mit der Kamera einscannen, bearbeiten und vor allem handschriftlich unterschreiben, entweder mit dem Apple Pencil oder mit dem Finger.
Doppelt belegte Tasten
Um auf dem iPad doppelt belegte Tasten einzutippen, also etwa Zahlen und Sonderzeichen, muss man die Tastatur nicht mehr umschalten. Stattdessen erscheint die zweite Belegung der Tastatur grau auf den Tasten. Um die Sonderzeichen zu tippen, wischt man von der entsprechenden Taste aus nach unten.
Nachrichten-App
In der Nachrichten-App von iOS 11 ist der Bereich, über den man Apps innerhalb der Chat-App benutzen kann, leichter erreichbar. Viele Nutzer werden ihn wohl erst dadurch entdecken.
AirPlay 2
Mit AirPlay 2 wird Apples Technologie zum drahtlosen Übertragen von Musik an Stereoanlagen und Aktivlautsprecher zum Multiroom-System. Ähnlich wie man es etwa von Sonos-Lautsprechern kennt, soll man seine Musik damit künftig auf mehreren Lautsprechern gleichzeitig synchron abspielen und dabei die Lautstärke in verschiedenen Räumen unterschiedlich einstellen können.
Speicher für die Familie
Wer zusätzlichen Speicherplatz in der iCloud gemietet hat, kann diesen jetzt mit der Familie teilen.
Mehr Speicher in iCloud
Wer viel Platz in iCloud braucht, bekommt mit iOS 11 doppelt so viel wie bisher. Für zehn Euro monatlich gibt es statt einem Terabyte nun zwei Terabyte Online-Speicherkapazität.
An Siri schreiben
Mit Siri kann man künftig nicht mehr nur sprechen, man kann ihr auch schreiben. Vor allem aber kann man Siri per Tastatur korrigieren, wenn sie etwas falsch verstanden hat.
QR-Codes scannen
In Android gibt es das schon lange, doch nun kann man auch mit der Kamera von iPhone und iPad QR-Codes scannen, ohne dafür extra eine App installieren zu müssen.
Einrichten eines neuen iOS-Gerätes
Das Einrichten eines neuen iOS-Gerätes wird künftig einfacher. Um die Daten der Apple ID und die WLAN-Einstellungen von einem alten auf ein neues Gerät zu übertragen, soll es mit iOS 11 ausreichen, beide Geräte nah aneinanderzuhalten. Mit Android-Smartphones funktioniert diese Technik schon lange prima.
WLAN-Zugang mit Freunden teilen
Auf ähnliche Weise soll man auch einen WLAN-Zugang mit Freunden teilen können, ohne dabei sein Passwort verraten zu müssen. Wer versucht, sich mit einem neuen Netzwerk zu verbinden, hält dabei sein iPhone in die Nähe eines bereits mit diesem Netz verbundenen iOS-Geräts oder Mac-Computers. Dessen Nutzer bekommt dann einen entsprechenden Hinweis und kann die notwendigen Daten per Fingertipp oder Mausklick weitergeben, ohne ein Passwort nennen zu müssen.
Einhandtastatur
Da viele Menschen auf ihrem Smartphone nur mit einer Hand tippen, führt Apple mit iOS 11 eine Einhandtastatur ein. Um sie zu aktivieren, muss man etwas länger auf das Emoji-Symbol der Tastatur drücken. Die ganze Tastatur verschiebt sich dann ein wenig in Richtung des Daumens.
Bildschirmvideos
Statt nur Screenshots kann man künftig auch mit Bildschirmvideos dokumentieren, was sich auf dem Bildschirm tut.
Kontrollzentrum
Das Kontrollzentrum sieht jetzt nicht nur anders aus als in iOS 10. Es bietet auch die Option, dass man selbst festlegen kann, welche Einstellungen man dort in welcher Reihenfolge sehen möchte.
Passwörter
In den Voreinstellungen von iOS 11 kann man sich anzeigen lassen, welche Passwörter im System für Apps, Websites und E-Mail-Accounts gespeichert sind. Angezeigt werden die freilich nur, wenn man sich zuvor identifiziert hat.
AirPods
Im Bluetooth-Menü kann man festlegen, wie Apples AirPods-Kopfhörer auf verschiedene Tippgesten reagieren sollen.

mbö



insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
schw8nzhund 21.09.2017
1. Macht doch Sinn...
Ich wundere mich, inwiefern diese Funktion bemängelt wird. Mit einem Klick ist Sicherheit gewährleistet, das Device ist nicht mehr "von außen" zu erkennen. Gleichzeitig bleibt die Funktion zu bereits gekoppelten Geräten (beispielsweise AirPods) bestehen. Ist doch so sehr praktisch... .... und soviel Saft zieht Bluetooth nun auch wieder nicht, als dass ein IPhone ohne eine wesentlich längere Akkulaufzeit an den Tag legen würde.
ralkon 21.09.2017
2.
Das gilt auch für Wlan. Völlig sinnlos.Surfe ich mit LTE, werde ich ständig durchdie Anzeige von Wlan Netzen unterbrochen. Seit längerem nervt mich dieFunktionalität von ios. Man wird automatisch in dercloud angemeldet, ob man will oder nicht. Die Kontakte werden dort hochgeladen. Alles ohne Einverständnis. Apple möchte, dassman stets mit dem Server verbunden ist. Meldet man sich ab, wird alles verkompliziert. Ich glaube, man sollte aufpasse, seine Kunden nicht zu vergraulen. Die Konkurrenz schläft nich.
tommuc1978 21.09.2017
3. Ist doch gut!
Eine tolle Idee! Sicherheit und Komfort endlich verbunden. In zwei Jahren haben das dann alle anderen Smartphone Anbieter ohnehin kopiert und es ist mal wieder völlig normal. Es sind diese kleinen Ideen, die Apple besonders machen.
Echt jetzt 21.09.2017
4. Jämmerlich
Ein Gerät zum Premiumpreis sollte grundlegende Funktionen wie das Ein- und Ausschalten schon beherrschen. Die Funktionalität, die Verbindung zur Apple-Watch zu halten ist für die Besitzer einer solchen sicher praktisch, hilft aber den restlichen 99% der Nutzer nicht beim Stromsparen. Dafür kann man dann gerne einen eigenen Knopf einführen oder den bestehenden zu einem Schieberegler mit drei Einstellungen umgestalten.
chewie1337 21.09.2017
5. Hier sprechen wieder die "Experten" ...
"Device ist nicht mehr "von außen" zu erkennen. Gleichzeitig bleibt die Funktion zu bereits gekoppelten Geräten (beispielsweise AirPods) bestehen. " Falsch - Ist das Wlan-Interface aktiviert sendet es munter weiter Probe-Requests aus (siehe: http://www.elektronik-kompendium.de/sites/net/2010231.htm ) Außerdem baut Apple auf Kosten IHRER Akku-Leistung weiter seine Datenbank mit Wlan-APs aus. Ihr WLAN im tollen Iphone wird also als Standort-Tracker benutzt, selbst wenn sie es "ausschalten" wollten. Gleiches gilt bei übrigens auch bei Bluethooth . Die BT-beacons in diversen Geschäften in USA und hier freuen sich sehr darüber, dass sie Bluetooth nicht mehr abschalten --> damit lassen sich einzelne Geräte im Laden viel besser tracken. " In zwei Jahren haben das dann alle anderen Smartphone Anbieter ohnehin kopiert und es ist mal wieder völlig normal" bei Android ist es seit Version 1.0 völlig üblich Bluetooth und WLAN wirklich KOMPLETT zu deaktivieren. Sogar per Widget auf dem Homescreen...
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