iPhone-Adressbuch: Apple gelobt Datenschutz-Verbesserung

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Nach heftiger Kritik an Apps, die private Adressbuchdaten von Benutzern abgreifen, handelt Apple endlich: Entwickler müssen künftig um Erlaubnis für den Zugriff bitten. Druck aus dem US-Kongress könnte bei der überfälligen Entscheidung geholfen haben.

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Apple-Chef Tim Cook (Archivfoto): Der Konzern will Nutzerdaten künftig besser schützen

Seit Jahren wird Apple für einen Datenschutz-Malus im iPhone-Betriebssystem kritisiert - jetzt erst reagiert das Unternehmen. Apps, die Zugriff auf das Adressbuch eines Anwenders haben wollen, werden sich dafür künftig die ausdrückliche Erlaubnis des Nutzers einholen müssen. Die bisherige Praxis einiger Apps, persönliche Kontaktdaten ohne Nachfrage zur Weiterverarbeitung auf die eigenen Server zu laden und dort womöglich jahrelang zu speichern, soll damit ein Ende haben.

In einer offiziellen Stellungnahme des Konzerns heißt es: "Apps, welche die Kontaktdaten eines Anwenders ohne dessen vorherige Zustimmung sammeln oder übertragen, verstoßen gegen unsere Richtlinien. Wir arbeiten daran, diese Situation für unsere Kunden zu verbessern, so wie wir es bei Positionsdaten getan haben. Eine zukünftige Software-Version wird dafür sorgen, dass jede App, die auf das Adressbuch zugreifen will, dafür die Genehmigung des Nutzers einholen muss."

Angefangen hatte die Aufregung um den Schutz persönlicher Daten auf iPhones, iPads und iPods, nachdem ein App-Entwickler Anfang Februar bemerkt hatte, dass die App des sozialen Netzwerks Path das Adressbuch seines iPhones ohne Nachfrage auf die Path-Server hochlud. Ein Blog-Eintrag über diese Erkenntnisse löste eine Welle der Empörung aus. Path entschuldigte sich umgehend und stellte ein Update bereit. Die Adressdaten werden jetzt immer noch übertragen, nur muss der Nutzer dafür seine Zustimmung geben.

Allerdings wurde schnell klar, dass Path kein Einzelfall ist. Bereits 2008 hatte Apple harsche Kritik einstecken müssen, als bekannt wurde, dass die Spiele-App "Aurora Feint" das iPhone-Adressbuch auf ihre Server übertrug. Etliche andere Apps verhielten sich nicht anders: "Foursquare", "Instagram", "Dragon Dictation" und viele andere nutzen die Adressdaten, um beispielsweise in sozialen Netzwerken nach Bekannten des Nutzers suchen zu können. Besonders dreist ist bislang noch der Kurznachrichtendienst Twitter, der eingestanden hat, die Adressdaten ganze 18 Monate auf seinen Servern zu belassen.

"Nur die Spitze des Eisbergs"

"Nach deutschem Datenschutzrecht sind solche Verfahren unzulässig", sagt Florian Glatzner, Referent für Netzpolitik beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) zu der fragwürdigen Praxis dieser Apps. Apple müsse das Problem schnellstens beheben und eine Regelung für alle Benutzerdaten einführen. Das sei wichtig, weil er befürchtet, dass die Adressbuchproblematik nur die Spitze des Eisbergs sei: "Auch Kalender, Notizen und andere persönliche Daten könnten abgegriffen werden", fürchtet er. Besonders problematisch sei, dass auch die Daten von unbeteiligten Dritten verwendet werden.

Mathew Newman, Sprecher der EU-Verbraucherschutzkommissarin Viviane Reding, weist darauf hin, "dass Firmen, die Anwenderdaten verarbeiten wollen, nach EU-Recht dafür zunächst die Einwilligung der Betroffenen einholen müssen". Diese Regelung erstrecke sich natürlich auch auf Smartphones. Der Datenzugriff sei außerdem nur für Dienste gestattet, die der Anwender ausdrücklich angefordert hat und die den Anwender ausführlich über die Art und den Grund der Datennutzung informiert haben.

Newman sagt außerdem, der Anwender müsse die Freiheit haben, entweder durch eine klare Aussage oder durch eine Handlung seine Zustimmung zu erklären. So soll sichergestellt werden, dass Anwender sich bewusst sind, was sie da abnicken. Ein einfacher Hinweis - "Wir greifen auf Dein Adressbuch zu" - dürfte diese Forderung kaum erfüllen. Auch VZBV-Sprecher Glatzner ruft App-Entwickler zu mehr Transparenz auf, will, das Apps nicht nur erklären auf welche Daten sie zugreifen, sondern auch, wozu sie diese Daten verwenden wollen.

Keine Pauschalgenehmigungen mehr

Glatzner: "Man müsste Apps einzelne Rechte zuweisen können." Als gutes Beispiel, wie so etwas umgesetzt werden kann, nennt er Apples Umgang mit Geokoordinaten. Am iPhone kann man sowohl generell als auch für jede App separat einstellen, ob man Zugang zu diesen Daten gewähren will. Wünschenswert wäre es, wenn Apple ein solches System künftig nicht nur für den Zugang zum Adressbuch, sondern für alle persönlichen Daten einführen würde.

Bleibt abzuwarten, ob und wie schnell der US-Konzern diese Forderungen umsetzen wird. Lange sollte sich das Unternehmen damit nicht Zeit lassen. Auch im eigenen Land steigt der Druck. Aufgeschreckt durch die öffentliche Diskussion haben sich zwei US-Kongressabgeordnete per Brief an Apple-Chef Tim Cook gewandt. Sie stellen die Frage in den Raum, "ob Apples iOS-Entwicklerrichtlinien und Apples Umgang mit Apps Lücken im Bezug auf den Schutz persönlicher von Daten des Anwenders und von dessen Kontakten aufweisen". Bis zum 29. Februar soll Apple detailliert Auskunft geben.

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