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Meerkat versus Periscope: Das können die neuen Livestreaming-Apps

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Junge Frau mit Handy: Livestreaming-Apps erobern den Smartphone-Markt Zur Großansicht
Corbis

Junge Frau mit Handy: Livestreaming-Apps erobern den Smartphone-Markt

Die spannendsten Momente direkt ins Netz übertragen: Neue Apps machen Livestreams per Smartphone einfacher denn je. Wir haben zwei Programme getestet - das populäre Meerkat und die gerade erschienene Konkurrenz Periscope.

Beim Fallschirmsprung, beim Konzert oder bei der Pressekonferenz: Dank Streaming-Apps kann jeder Smartphone-Nutzer zum Livereporter werden. Ein Fingertipp genügt, dann startet die Aufnahme und wird in Echtzeit in alle Welt übertragen.

Vor allem ein Programm namens Meerkat erlebte in den letzten Wochen einen Hype, bei Twitter finden sich gerade rund um die Uhr Streams aus allerlei Ländern. Ihren Erfolg hat die App nicht zuletzt den Besuchern der Digitalmesse South by Southwest zu verdanken, die Meerkat mit unzähligen Livestreams aus Texas populär gemacht haben.

Meerkats rasanter Aufstieg könnte nun aber massiv erschwert werden, da Twitter selbst ins Livestreaming-Geschäft einsteigt. Mit Periscope hat das Unternehmen eine eigene Livestreaming-App für iOS-Geräte veröffentlicht, eine Android-Version soll bald folgen.

Viel simpler geht's nicht

Periscope funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie Meerkat: Man gibt einen kurzen Erklärungstext ein, drückt den Startknopf, und schon überträgt das Smartphone das Kamerabild und den Umgebungston an alle, die zuschauen wollen. Etwa hundert Millionen Dollar hat Twitter für Periscope bezahlt - und ist jetzt natürlich stark interessiert daran, mit der Software Konkurrenzprodukte auszustechen.

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Meerkat und Periscope: Mit diesen Apps können Sie live streamen
Das haben die Meerkat-Bertreiber bereits zu spüren bekommen. Vor zwei Wochen kappte Twitter die Meerkat-Schnittstelle zu wichtigen Nutzerdaten. Seither hat die App keinen Zugriff mehr auf die Follower der Nutzer. Bei der Anmeldung lassen sich also nicht mehr bequem die Twitter-Bekanntschaften übernehmen.

Mit dieser Entscheidung legt Twitter Meerkat zumindest ein paar Steine in den Weg. Doch Meerkat ist nicht so leicht zu stoppen. Noch profitiert die App vom Frühstarterbonus. 200.000 Nutzer sind bereits angemeldet, darunter Fernsehstars wie der US-Talker Jimmy Fallon und der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann. Auch Investoren glauben weiter an einen Erfolg und haben gerade weitere zwölf Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt, wie das Portal "TechCrunch" berichtet.

Ein Showdown lässt sich kaum vermeiden

Von den Möglichkeiten her ähneln sich Meerkat und Periscope stark, bei beiden Apps können Zuschauer den Stream kommentieren. Die Nachrichten leuchten links unten am Bildschirmrand auf. Die Nutzer können den Kameramann so zum Beispiel bitten, das Smartphone zu schwenken und einen anderen Bildausschnitt zu zeigen. Bei Meerkat kann der Kameramann nicht nur ins Mikrofon sprechen, sondern auch per Chat antworten. Das klappt bei Periscope nicht.

Dafür sieht die App besser aus. Während Meerkat auf einen schlichten Stil mit wenigen Funktionen setzt, wirkt Periscope schick. Außerdem bietet die neuere Software mehr Funktionen: Neben den Zuschauerzahlen zeigt Periscope auch an, ob den Nutzern das Video gefällt. Sobald ein Zuschauer auf das Livebild tippt, sprudeln Herzen aus der unteren Bildschirmecke des Kameramanns.

Periscope bietet auch mehr Auswahlmöglichkeiten: Während die Zuschauer bei Meerkat nur über Twitter-Links zu den Livestreams gelangen, zeigt Periscope direkt in der App die aktuellen Livevideos an. Die Streams bleiben dort auch noch 24 Stunden nach der Übertragung abrufbar, da die Videos für diese Zeit auf den Periscope-Servern gespeichert werden. Bei Meerkat wird die Aufnahme nicht gesichert. Beide Anwendungen bieten an, selbst aufgenommene Videos auch auf dem eigenen Telefon zu speichern.

Ein datenintensives Vergnügen

In unserem Test mit einem iPhone 5 nimmt die Kamera bei Periscope mit einer Auflösung von 640 mal 360 Pixeln auf. Bei Meerkat beträgt die Auflösung 568 mal 320 Pixel. Auch die Datenrate ist bei Meerkat etwas geringer: Die Videos werden mit etwas mehr als 400 Kbit pro Sekunde aufgezeichnet, Periscope überträgt Clips mit rund 500 Kbit pro Sekunde. Bei der Übertragung sind jedoch kaum Qualitätsunterschiede zu sehen, auf Smartphone-Displays sehen Videos beider Apps akzeptabel aus.

Wer kein großes Datenvolumen oder keine WLAN-Verbindung hat, sollte beim Livestreamen vorsichtig sein. Wir haben testweise mit beiden Anwendungen etwa eine Minute lang die Fahrt in einem Aufzug gefilmt. Beide Anwendungen schickten in dieser Zeit etwa vier Megabyte mobile Daten ins Netz. Wer längere Streams aufnimmt, kann also schnell an die Grenze seines Datenvolumens kommen.

Neben dem hohen Datenbedarf gibt es noch einen weiteren Haken bei beiden Apps: Meerkat und Periscope zwingen die Nutzer dazu, den Livestream im Hochformat zu filmen. Das ist zwar einerseits sinnvoll, weil auch die Zuschauer ihr Handy hochkant halten können.

Doch es ist ein herber Rückschlag für alle Video-Aktivisten, die seit Jahren dafür kämpfen, dass Smartphone-Nutzer ihre Videos im Querformat filmen - also in dem Format, für das auch Kinoleinwände, TV-Geräte und Computerbildschirme ausgelegt sind.

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1.
oliiiiwero 26.03.2015
erst video bei twitter, jetzt auch streaming. die adult content user freuen sich schon. es fehlt noch die bezahlschranke, damit da auch ordendlich geld verdient wird ...
2.
themistokles 26.03.2015
"Etwa hundert Millionen Dollar hat Twitter für Periscope bezahlt" Absolut affig. 100 Millionen Dollar für eine App, die die Video- Funktion des Smartphones aktiviert??? So etwas selbst zu programmieren hat Twitter nicht hinbekommen???
3.
eherkritisch 26.03.2015
Was diese Programme besonders gut können: Den Datenschutz und die Privatsphäre von anderen, die nicht gefilmt werden wollen, verletzen. Hoffentlich gibt es eine Flut an Klagen, U.S-Mentalität darf in Europa keine Chance haben.
4.
harry_buttle 26.03.2015
Zitat von eherkritischWas diese Programme besonders gut können: Den Datenschutz und die Privatsphäre von anderen, die nicht gefilmt werden wollen, verletzen. Hoffentlich gibt es eine Flut an Klagen, U.S-Mentalität darf in Europa keine Chance haben.
Das ging mir auch sofort durch den Kopf. Und in Verbindung mit einer Datenbrille oder einer Minikamera die ans Smartfone angedockt wird ... Ich glaube, ich gehe schon mal schwarzen Sprühlack kaufen ...
5. Alternative Bambuser
Off the records 27.03.2015
Bambuser streamt schon seit ein paar Jahren und das nicht nur von iPhone sondern auch vom Notebook und von Androiden. Man wird dort auch nicht zum etwas idiotischen Hochformat gezwungen. Alle Videos werden Live übertragen und werden auf den Servern von Bambuser abgelegt, man kann auch private Streams starten.
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