Microsoft-Vorschauversion: So läuft Windows 8 im Alltag

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Ein Betriebssystem, das auf Tablets und Rechnern laufen soll - kann das gutgehen? Die Vorabversion von Windows 8 gibt es nun kostenlos für jedermann im Netz. Wir haben Microsofts neues Betriebssystem ausprobiert. Der erste Erfahrungsbericht zeigt Highlights und ärgerliche Macken.

Windows 8: Weder Fisch noch Fleisch Fotos

Mehr als 100.000 Änderungen sind seit Veröffentlichung der Developer Preview Ende 2011 in die jetzt kostenlos verfügbare Windows-8-Vorschauversion eingeflossen. Das sagte jedenfalls Microsofts Windows-Entwicklungschef Steven Sinofsky, als er die sogenannte Consumer-Preview-Version der Software am Mittwoch in Barcelona vorstellte. Zu sehen ist davon bei der Vorabversion (hier gibt es den Gratis-Download) auf den ersten Blick kaum etwas. Auf den zweiten stellt man fest, dass es einige Umbaumaßnahmen gegeben hat. So ist beispielsweise das anachronistische Startmenü ersatzlos verschwunden.

Das neue Betriebssystem läuft laut Microsoft auf allen Rechnern, auf denen auch Windows 7 installiert werden kann. Die beste Möglichkeit, sich ohne große Umstände ein Bild von Windows 8 zu machen wäre es, die Software in einer virtuellen Maschine zu installieren. Unser Versuch einer Windows-8-Installation auf einem virtuellen Rechner der kostenlosen Software Virtual Box scheiterte allerdings. Der Windows-8-Installer störte sich an einer chinesisch betitelten Datei, die er als inkompatibel befand. Finden konnten wir besagte Datei mit der Suchfunktion von Windows auf dem Testrechner allerdings nicht. Also installierten wir Windows 8 komplett neu auf einem Asus Zenbook.

Das funktionierte vollkommen problemlos und bescherte uns am Ende ein buntes und durch und durch amerikanisches Windows 8. Tastaturlayout, Datumsangaben und ähnliches ließen sich später auf Deutsch umstellen. Die Benutzeroberfläche blieb aber bei der englische Sprache, ein Deutsch-Sprachpaket zur Lokalisierung war nicht verfügbar. Beim obligatorischen Neustart nach Übernahme der Landeseinstellungen kam es auch zum ersten und einzigen ernsthaften Problem während dieses Kurztests: Der Rechner hängte sich auf, dreht die Lüfter voll auf und war nur durch Ausschalten und erneutes Einschalten wiederzubeleben.

Metro-Design für Tablets

Danach funktionierte alles - fast - so wie versprochen. Denn wie bei der Developer Preview hinterlässt die Consumer-Preview-Version von Windows 8 zwiespältige Eindrücke. Zum einen gefällt das neue Metro-Interface. Wer schon mit Windows Phone 7 auf Smartphones Erfahrungen gesammelt hat, fühlt sich hier sofort wohl - wenn er ein Tablet benutzt.

Denn die Metro-Oberfläche ist einfach zum Wischen, Tippen und Greifen gemacht. Auf Tablets, das war etwa auf dem Mobile World Congress in Barcelona an Ausstellungsgeräten gut auszuprobieren, macht das richtig Spaß. Die Kacheln, mit denen Microsoft auf dem Bildschirm Apps und Programme symbolisiert, sind schön groß, so dass man sie gut trifft. Dasselbe gilt für viele neue Funktionen von Windows 8, wenn man sich etwa per Fingerwisch sekundenschnell einen Überblick über alle im Metro-Interface installierten Apps verschaffen kann.

Wechselt man dann aber auf einem Tablet zum herkömmlichen Windows-Desktop, ist es schnell vorbei mit der Begeisterung. Hier kämpft man mit denselben Problemen, die Windows-7-basierte Flachrechner plagen: Symbole sind zu klein, um per Finger sinnvoll bedient zu werden, die Bildschirmtastatur des Systems ist schlecht zur Eingabe längerer Texte geeignet, die Arbeit mit Office-Programmen ist fast unmöglich.

Umgekehrt verhält es sich bei unserem Test am Zenbook. Windows 8 unterstützt offensichtlich nicht alle Funktionen dieses Ultrabooks. Besonders lästig: In dem in die Breite gezogenen Metro-Interface kann man nicht einfach per Fingerwisch auf dem Touchpad nach senk- oder waagerecht navigieren. Stattdessen muss man mit dem Maus-Cursor die Navigationsleisten - die sich bei Nichtbenutzung wie in Apples OS X 10.7 unsichtbar machen - anvisieren und bewegen. Auf dem hochauflösenden Bildschirm des Asus-Notebooks (1600 x 1200 Pixel) ist das oft eine frickelige Angelegenheit.

Der sehr an das Vorgängersystem erinnernde Desktop von Windows 8 lässt sich am Zenbook komfortabel bedienen. Zwar funktionieren auch hier die Scroll-Leisten nicht per Gestensteuerung am Touchpad, dafür passen hier die Eingabemedien Maus und Tastatur besser zur optischen Darstellung des Systems. Tablets hin oder er: Ohne Touchscreen hat die Desktop-Metapher einfach immer noch eine Daseinsberechtigung.

Zurück an die Werkbank

Windows 8 in seiner aktuellen Darreichungsform macht leider nicht zwangsläufig Spaß und man sollte genau überlegen, ob man die Software wie wir als alleiniges System auf einem PC installieren will. Lohnenswert ist es für PC-User allemal, die Vorschauversion zu installieren. Es gibt viel Neues darin zu entdecken (die wichtigsten Neuerungen haben wir in unserer Fotostrecke zusammengefasst).

Nach den ersten Tagen mit der Windows 8 Consumer Preview fällt es uns nicht leicht, ein klares Urteil über Microsofts neues Betriebssystem abzugeben. Da gibt es zu viele Funktionen, die auf unserem Testsystem nerven und andere, die großartig sind. Zum Beispiel die systemweite Suche, die nicht nur nach Dateien, Ordnern und Programmen sucht, sondern auch die Fähigkeiten von Programmen einschließt. Eine Suche nach "Facebook" etwa spuckt auch sämtliche Apps und Programme aus, die sich auf irgendeine Weise mit dem sozialen Netzwerk verbinden.

Richtig begeistern kann Windows 8 bisher aber noch nicht. Dazu fühlt es sich noch zu roh an. Aber das kann man Microsoft kaum zum Vorwurf machen. Die Software befindet sich noch in der Entwicklung, wird kaum vor Ende des Sommers fertiggestellt. Bis dahin hat der Windows-Konzern noch viel Zeit, Kanten und Ecken abzuschleifen.

Und bis dahin gibt es hoffentlich auch neue Rechner, beispielsweise Touchscreen-Notebooks, bei denen der Mix aus Metro-Design und Desktop-Metapher sinnvoller zu nutzen ist.

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insgesamt 82 Beiträge
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1. Oh mein Gott....
ginfizz53 02.03.2012
Zitat von sysop.... scheiterte allerdings. Der Windows-8-Installer störte sich an einer chinesisch betitelten Datei, die er als inkompatibel befand. Finden konnten wir besagte Datei mit der Suchfunktion von Windows auf dem Testrechner allerdings nicht..... Microsoft-Vorschauversion: So läuft Windows 8 im Alltag - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/0,1518,818854,00.html)
.... auf die Idee, dass das ein Virus sein kann, kam wohl keiner ....
2.
maleficium 02.03.2012
Im Ueberblick wirkt die Desktop-Oberflaeche ein bisschen wie eine Mischung aus W7 und Gnome 3(Linux). Ich weiß ja nicht. Ich kann mit Windows alleine schon lange nicht mehr leben. Alles viel zu umstaendlich, man kann es nie wirklich durchdringen und schnell ist es auch nicht. Das App-Teil finde ich im Uebrigen schwachsinnig. Das einzige was mich interessiert, dass man vielleicht die Moeglichkeit bekommt ein paar Xbox Titel zu zocken. Das finde ich nicht schlecht. Dafuer habe ich Windows im Moment auch nur.
3.
Nik 02.03.2012
Falls es sich bei dem Versuch mit der VirtualBox um die 64bit Version von Windows 8 gehandelt hat, wäre in jedem Fall geklärt wieso das nicht funktioniert hat. VirtualBox unterstützt nur 32bit Gastsysteme. Eine Installation im VMware Player funktioniert in jedem Fall tadellos und ermöglicht so nen Stressfreien Blick auf Windows 8. Hier ist nur zu beachten das der Windows Key nicht in VMware sondern direkt bei der Installation eingegeben wird, da der VMware Player mit der Windows 8 Installation offenbar nicht klar kommt.
4. Xp
felix_bach 02.03.2012
Zitat von sysopEin Betriebssystem, das auf Tablets und Rechnern laufen soll - kann das gut gehen? Die Vorabversion von Windows 8 gibt es nun kostenlos für jedermann im Netz. Wir haben Microsofts neues Betriebssystem ausprobiert. Der erste Erfahrungsbericht zeigt Highlights und ärgerliche Macken. Microsoft-Vorschauversion: So läuft Windows 8 im Alltag - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/0,1518,818854,00.html)
da ich Software benutzen moechte und nicht Windows bleibe ich solange wie moeglich bei Windows XP. Alle Macken wurden behoben und Hacker interesieren sihc uach nicht mehr so sehr fuer diese Version.
5. Tastaturlayout
derknecht 02.03.2012
Wenn man während der Installation auf "Custom" Benutzerdefiniert geht, komm auf jeden Fall die Auswahl der Sprache/Tastaturlayout. Ich muss sagen für einen EndUser welcher keine Einstellungen an seinem Rechner vornimmt bzw. nur seine Standardprogramme nutzen will, mag die neue Oberfläche ja akzeptabel sein. Von administrativer Seite her, kann ich dem nichts abgewinnen. Besonders das Startmenü fehlt hauptsächlich.
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