Windows-10-Start Lohnt sich der Umstieg?

Seit diesem Mittwoch können Nutzer von Windows 7 und 8.1 kostenlos auf Windows 10 umsteigen. Doch lohnt sich das? Der Überblick.

Windows 10: Windows 7 in hübscher
Microsoft

Windows 10: Windows 7 in hübscher


Ab diesem Mittwoch gibt es Windows 10, die womöglich "letzte Windows-Version" aus dem Hause Microsoft, die künftig immer weiter ausgebaut werden soll. Nummer 10 soll den Endpunkt einer für Microsoft ziemlich unrühmlichen Entwicklung markieren - die jüngeren Betriebssysteme des Konzerns waren bei Nutzern so unbeliebt, dass viele lieber bei der Vor- oder gar Vorvorgängergeneration blieben, statt sich die Umstellung anzutun. Das aber soll mit Windows 10 der Vergangenheit angehören.

Die wichtigsten neuen Funktionen, die Windows 10 mitbringt, sind hier nachzulesen. Außerdem erfahren Sie, wie Sie umsteigen können.

Für wen lohnt der Umstieg?

Wer derzeit Windows 8 oder 8.1 einsetzt und damit unzufrieden ist, für den ist die Sache einfach und relativ klar: Der Umstieg auf Windows 10 wird sich lohnen. Er kostet nichts, er schafft dem Nutzer zumindest am PC die ungeliebte Kacheloptik vom Bildschirm, altbekannte und liebgewonnene Funktionen wie ein klassisches Startmenü stehen wieder im Zentrum. Windows 10 ist ein bisschen wie Windows 7 in hübscher, moderner. Microsoft selbst formuliert das lustigerweise so: "Windows 10 wird Ihnen so vertraut vorkommen, dass Sie sich wie ein Experte fühlen."

Und: Das Update ist für Benutzer einer regulären Version 8 oder 8.1 kostenlos. Wer allerdings derzeit noch Windows 8 benutzt, muss zunächst auf 8.1 upgraden, und dann noch einmal auf Windows 10.

Für Nutzer, die schon Windows 8 ausgelassen haben und lieber bei Version 7 geblieben sind, ist die Antwort nicht ganz so einfach - aus dem gleichen Grund wie oben genannt: Windows 10 ist ein hübscheres Windows 7 mit einigen neuen Funktionen und einem deutlich besseren Browser. Wer umsteigen will, bekommt zwar etwas Neues umsonst, aber er geht auch gewisse Risiken ein.

Was muss man beim Umstieg beachten?

Sichergestellt sein muss natürlich, dass die eigene Hardware den Umstieg auch mitmacht: Prozessor schneller als ein Gigahertz, ein Gigabyte RAM für 32-Bit-Systeme oder zwei Gigabyte für 64-Bit-Systeme, 16 respektive 20 Gigabyte Festplattenspeicher, eine Grafikkarte, die mindestens DirectX 9 beherrscht und über einen sogenannten WDDM-1.0-Treiber verfügt, sowie einen Bildschirm mit einer Auflösung von mindestens 1024 mal 600 Bildpunkten. Mehr Details gibt es auf den Spezifikationen-Seiten von Microsoft.

Auch alte Peripheriegeräte wie Drucker oder Scanner können unter Umständen Schwierigkeiten machen, wenn die alten Treiber Probleme mit dem neuen Windows bekommen. Womöglich gilt das sogar für die eine oder andere interne Komponente, zumindest bei älteren Rechnern. Wer alte Hardware weiternutzen will, sollte sich also zunächst erkundigen, wie es mit der Kompatibilität aussieht, damit es keine bösen Überraschungen gibt. In ein paar Wochen sollten die gröbsten Probleme mit einem Blick in entsprechende Foren und auf Herstellerseiten leicht zu erkennen sein.

Vor allem aber sind Betriebssysteme, genau wie nahezu jegliche andere Art von Software, als Work in Progress zu betrachten. In den ersten Wochen nach dem offiziellen Release wird aller Wahrscheinlichkeit nach dann doch noch das eine oder andere Problem auftauchen, das Microsoft mit einem Patch beheben muss. Wer also noch ein bisschen wartet, spart sich womöglich Ärger mit Software-Macken und ständigen Updates.

Für alle, die bereits Windows 8.1 oder Windows 7 nutzen, gilt ohnehin: Das kostenlose Upgrade auf Windows 10 gibt es ab dem 29. Juli 2015 ein ganzes Jahr lang. Wer es also nicht allzu eilig hat mit dem Umstieg, der kann sich ruhig noch ein bisschen Zeit lassen.

Wer sich demnächst einen neuen PC kauft, der wird aller Wahrscheinlichkeit nach ohnehin Windows 10 serviert bekommen. Wer Windows 10 tatsächlich kaufen muss, für den wird es nicht ganz billig: Für die Home-Version für Privatanwender muss man 135 Euro ausgeben, Windows 10 Pro soll 279 Euro kosten. PC-Besitzer, die immer noch Windows Vista oder XP nutzen, werden sich den Umstieg also wohl zweimal überlegen. Gerade XP allerdings muss inzwischen wirklich als Sicherheitsrisiko gelten.

Zum Durchklicken: Sechs Pressemeinungen zu Windows 10
1. "Golem": Für Windows-7-Nutzer lohnt der Umstieg

Das Tech-Magazin "Golem" rät Nutzern von Windows 7 zum Upgrade, mit der eindeutigen Überschrift: "Der Umstieg von Windows 7 auf Windows 10 lohnt sich!" Tester Ingo Pakalski kommt zu dem Fazit, dass Microsoft mit der neuen Version sein Versprechen erfülle, "wieder stärker auf die Anforderungen von Büroarbeitern einzugehen": "Die wenigen Verschlechterungen und Unstimmigkeiten werden durch die vielen Verbesserungen mehr als aufgewogen." Kritisch merkt Pakalski an, dass der Nutzer mit Blick auf Updates viel Kontrolle aus der Hand geben müsse.

Den ganzen Golem-Artikel finden Sie hier.

2. "c't": Erst einmal in Ruhe abwarten

"Die Entscheidung für oder gegen Windows 10 ist schwerer als bei früheren Versionen", lautet das "Upgrade, ja oder nein?"-Fazit von Axel Vahldiek. "Denn Windows-7-Anwender müssen nicht nur bedenken, dass die neue Version viele spannende Neuerungen hat und dass manches fehlt, sondern dass es eben auch die Idee des 'Windows as a service' gibt." Nicht nur Windows 10 selbst sei unerprobt, sondern auch die Methode zum Ergänzen neuer Funktionen. Vahldiek schlussfolgert: "Wer irgendwo zwischen 'Ich will es sofort' und 'Ich will es gar nicht' steht, sollte erst mal in Ruhe einige Wochen oder Monate abwarten. Zeit genug ist ja."

Den ganzen "c't"-Artikel finden Sie hier (Text hinter Paywall).

3. "The Verge": Unklar, wie ausgereift Windows 10 ist

"Windows 10 scheint eine Kombination der besten Funktionen von Windows 7 und 8 zu sein", schreibt Russel Brandom in einem Vorabtext. Außerdem biete das System einige neue Features und Ideen. Die große Frage sei, wie ausgereift die Release-Version ist. "Nach Vista und Windows 8 ist der Druck groß, einen reibungslosen Start hinzulegen. Doch nach den in der Beta-Version aufgetretenen Fehlern ist das für die Microsoft-Entwickler ein harter Kampf". Brandom empfiehlt, vor der Installation von Windows 10 unbedingt eine vollständige Datensicherung durchzuführen.

Den ganzen englischsprachigen "The Verge"-Artikel finden Sie hier.

4. "Computerworld": Edge und Cortana überzeugen

Preston Gralla vom Magazin "Computerworld" schreibt, dass sich ein Upgrade für Nutzer von Windows 8.1 lohne, trotz mancher Fehler und Ärgernisse. Auch Windows-7-Nutzern legt er einen Wechsel nahe, etwa wegen des digitalen Assistenten Cortana ("eine lohnende Ergänzung") und des neuen Browsers Edge, den er für konkurrenzfähig mit Chrome hält. Gralla schreibt, Windows 10 wirke wieder wie ein einheitliches Betriebssystem, nicht wie ein laienhaft zusammengeschraubter Mix aus zwei verschiedenen Systemen. Am Ende seines Texts verweist auch Gralla darauf, dass man mit dem Upgrade ruhig noch ein wenig warten könne, man habe ja ein ganzes Jahr Zeit.

Den ganzen englischsprachigen "Computerworld"-Artikel finden Sie hier.

5. "Wired": Ein Upgrade lohnt sich

"Wenn Sie Windows 8, 7, XP, ME oder 3.1 benutzen, sollten Sie upgraden", schreibt David Pierce in seinem Test für das Magazin "Wired". Man könne vielleicht ein paar Wochen warten, bis die gröbsten Fehler beseitigt seien, aber spätestens dann lohne der Umstieg auf Windows 10. "Warum auch nicht? Es ist kostenlos, es ist einfach und es ist eine gewaltige Verbesserung – egal, welche Version Sie bisher verwenden." In Windows 10 gebe es deutlich weniger "Was bitte ist das und wie bin ich überhaupt hierhergekommen?"-Momente. Als grundlegende Neuheit sieht Piere die Assistentin Cortana, obwohl deren Spracherkennung offenbar noch nicht perfekt ist.

Den kompletten "Wired"-Test finden Sie hier.

6. "Ars Technica": Das bislang beste Windows

Einen ausführlichen Testbericht hat das Tech-Portal "Ars Technica" veröffentlicht. Am Ende kommt Autor Peter Bright zum Fazit, dass wohl jeder Wechsler von Windows 7 oder 8 bei einem besseren Betriebssystem ankommt, über das man sich weniger ärgert und das effizienter ist: "Windows 10 ist ohne Zweifel besser. Und mit jedem weiteren Monat wird es weiter in Führung gehen und noch besser werden." Er sieht nur wenige Gründe, die gegen einen Umstieg sprechen, etwa spezielle Kompatibilitätsprobleme. Angesichts einiger Bugs in der Release-Version rät Bright aber, mit dem Windows-10-Upgrade noch einige Wochen zu warten.

Den kompletten englischsprachigen "Ars Technica"-Artikel finden Sie hier.

Fotostrecke

34  Bilder
Windows - die Chronologie: Von Windows 1 bis Windows 10

cis/mbö/mos

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 319 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
marthaimschnee 29.07.2015
1.
Gerade für Windows 7 Nutzer ist fraglich, ob sich der Umstieg lohnt. Hübsch ist Ansichtssache und viele können mit dem minimalistischen Chrome-Look rein gar nichts anfangen. Ebenso sind für viele Cortana, Edge und Contiinuum eben kein Umstiegsgrund, weil sie den Kram einfach nicht brauchen. Dann reduziert sich Windows 10 allerdings auf ein leicht gepimptes Windows 8 und das neue Startmenü reißt das gewiss nicht raus.
gerd 29.07.2015
2. Welche Risiken?
Der Artikel wäre hilfreich, wenn der Autor die Risiken beschreiben würde, denen sich ein Windows 7 Nutzer beim Umstieg auf Windows 10 aussetzt. Ohne diese Information ist das nur Gegacker, ohne zu legen. Zu den Risiken gehört nicht nur die Kompatibilität der Hardware, sondern auch, ob man damit eine dauerhaft verwendbare Version erhält, auch für nachfolgende Rechner, oder ob man z.B. bei Wechsel der Systemplatine ein neues Windows 10 erwerben muss. Auch wäre interessant, ob man zukünftige Neuerungen/Erweiterungen kostenlos erhält, oder diese extra erwerben bzw. mieten muss. Da soll es offenbar eine Änderung in der Distributionsweise geben. Was ist an dem "Gerücht" dran?
KarstenHaase 29.07.2015
3. Kapitän
Och, ich empfehle allen ausdrücklich auf OS X El Capitan zu warten!
mimas101 29.07.2015
4. Hmm, tja
Was der Artikel nicht erwähnt: Wechselt man den PC aus oder erneuert Hardware ist die kostenlose win-Version perdu. Dann doch lieber gleich eine SB-Ausgabe von win10 kaufen falls sich das OS auch lohnen sollte. Ich selbst nutze sogar noch das sog. Sicherheitsrisiko winxp; win7-64bit im Triple-Boot-PC ist uninteressant zumal diverse Hardware-Hersteller keine Treiber mehr liefern wollen (hier ein älterer Scanner von Canon) und ich nicht einsehe voll funktonsfähiges Equipment gegen neues und gegen viel Geld auszutauschen. Für Internetrecherchen nutze ich dagegen Linux und komme damit immer besser zurecht zumal es hier auch passende Treiber out of the box für meine Hardware gibt. Also werde ich mir den Bauchladen namens win10 samt den Gummiband-Menüs (die auch keiner haben will außer MS) noch sehr lange nicht antun.
smartphone 29.07.2015
5. Altrechner wohl vergessen
Wie wir wissen tummeln sich knapp 30% der Windowsrechner mit XP System immer noch im prallen Leben . Ursache sind logischerweise viele oft nicht entbehrliche Altprogramme. Das heißtdie eigentliche Frage ist nicht, ob ein Win8 oder Win7 User umsteigen wird, sondern ob Microsoft mit WIN10 die problemlose Migration ermöglicht ,also alle (!) Treiber verfügbar sind... ( auch zB für Office2000...)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.