Milliarden-Deal Chinesische Firma kauft Musical.ly

Die vor allem bei Jugendlichen beliebte App Musical.ly ist Berichten zufolge für einen Betrag von bis zu einer Milliarde Dollar verkauft worden. Über den Dienst können Nutzer Playback-Videos zu bekannten Liedern aufnehmen.


Auf Musical.ly erreichen junge Menschen mit Playback-Clips ein Millionenpublikum. Nun wurde die vor drei Jahren gestartete App von einer chinesischen Firma gekauft. Musical.ly eilt der Ruf voraus, eine noch jüngere Zielgruppe als die Messaging-App Snapchat anzusprechen.

Die Nachrichtenagentur "Bloomberg" nennt einen Kaufpreis von 800 Millionen Dollar, das "Wall Street Journal" spricht von bis zu einer Milliarde Dollar. Käufer der App ist die chinesische Medienfirma Beijing Bytedance Technology. Sie betreibt unter anderem die Nachrichten-Plattform "Jinri Toutiao", übersetzt "Heutige Schlagzeilen", auf der News aus verschiedenen Quellen gebündelt werden.

Im firmeneigenen Blog spricht Musical.ly von einer "Verschmelzung" mit Bytedance. Musical.ly bleibe als Plattform erhalten, auch die Mitarbeiter würden das Team nicht verlassen. Musical.ly verspreche sich künftig mehr Nutzer in China und anderen asiatischen Ländern, heißt es weiter.

60 Millionen Leute verwenden die App im Monat

Bei Musical.ly erstellen Nutzer bis zu 15 Sekunden lange Clips, in denen sie die Lippen synchron zu Liedern bewegen und effektvolle Tanzmoves hinlegen. Auch bekannte Filmzitate dienen als Vorlage für Aufnahmen. Zu den populärsten "Musern", also Musical.ly-Stars weltweit gehören die schwäbischen Zwillinge Lisa und Lena. Sie haben dem Dienst zufolge derzeit 24,5 Millionen Fans.

Mit diesen Zahlen gehört Musical.ly zumindest für die junge Zielgruppe in die Liga der großen Social-Media-Apps, neben YouTube, Instagram und Snapchat. Nach jüngsten Angaben kommt Musical.ly auf 60 Millionen mindestens einmal im Monat aktive Nutzer.

Die Plattform bringt nicht nur neue Internet-Stars hervor. Auch Idole, die auf anderen Plattformen bereits aktiv sind, bauen sich dort eine eigene Fan-Gemeinschaft auf. Der 18-jährige deutsche Musiker Lukas Rieger zum Beispiel, der eigentlich auch selbst singen kann, verzeichnet auf der Playback-App drei Millionen Fans.

"Muser" leben sich kreativ aus

Längst nutzen die sogenannten "Muser" die App nicht nur für Playback-Videos. Einige reizen die begrenzten Möglichkeiten der integrierten Videobearbeitung aus, um kunstvolle Clips zu erstellen, die teilweise an den mittlerweile eingestellten Dienst Vine erinnern.

Musical.ly hat vor rund drei Jahren in Shanghai als Start-up begonnen. Zum Vergleich: Als Snapchat zwei Jahre auf dem Markt war, wollte der Facebook-Konzern sie für drei Milliarden Dollar kaufen, das sind zwei Milliarden Dollar mehr als der Musical.ly-Preis. Snapchat hatte das Angebot im Jahr 2013 aber ausgeschlagen.

dpa/mei



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