Neue iPhone-Funktion: Ihr Telefon weiß, wo Sie letzte Nacht waren
Smartphones sammeln Ortsdaten, um uns vor Stau und Unwetter zu warnen oder Restaurants in der Umgebung zu empfehlen. Dabei erstellen sie ganz nebenbei Bewegungsprofile. Eine neue iPhone-Funktion zeigt häufig besuchte Orte auf Karten an.
"Häufige Orte" heißt eine neue Funktion, die Apple offenbar für die nächste Version seines mobilen Betriebssystems plant. Zumindest in der aktuellen Betaversion von iOS 7 können sich Nutzer anzeigen lassen, was für Ortsdaten ihr Telefon sammelt. Aufgelistet werden Datum und Uhrzeiten, der ermittelte Ort ist auf einer Karte zu sehen. Das Thema tauchte zunächst in Tech-Foren auf, nun berichten mehrere US-Techblogs und Internetpublikationen wie "BuzzFeed" über die Funktion. "Eine drastische Erinnerung, dass der kleine GPS-Chip im eigenen iPhone jede Bewegung verfolgt, die man macht", heißt es etwa bei "Gizmodo".
Wer die Ortungsfunktion seines iPhones oder seines Android-Telefons aktiviert, lässt sein Telefon diese Daten automatisch sammeln. Apple und Google nutzen diese Daten, um zum Beispiel einen genauen Wetterbericht anzuzeigen oder Hinweise auf Verkehrsstaus zu geben. Ebenso können die Telefone Restaurants oder Geschäfte in der Nähe empfehlen.
Leicht können die Telefone erkennen, wo ihre Nutzer zu Hause sind: Wer regelmäßig acht Stunden über Nacht an einem Ort verbringt, muss Google und Apple seine Adresse gar nicht mehr extra angeben. Google benennt entsprechend errechnete Orte ganz automatisch als "Arbeit" und "zu Hause".
Der Nutzer kann so maßgeschneiderte Angebote bekommen, die sich prinzipiell auch vermarkten lassen. Längst haben die großen Tech-Firmen das Mantra der Immobilienbranche verinnerlicht: Lage, Lage, Lage.
Google und Apple zeigen Ortsdaten
Nebeneffekt der praktischen Lebenshilfe ist ein genaues Bewegungsprofil. Gerät das Telefon in die falschen Hände, lässt sich so viel über das Privatleben des Eigentümers herausfinden. Für Kriminelle wie für Ermittler sind die Ortsdaten eine wahre Fundgrube, die das Leben ihrer Nutzer offenlegen. Mit der Funktion "Häufige Orte" lässt Apple seine Nutzer nun in den eigenen Ortsdaten stöbern. Bei Google heißt eine solche Übersicht, die sich über die Website aufrufen lässt, "Standortverlauf".
Google erlaubt seinen Nutzern, die Standortdaten eines Tages per Klick aus dem digitalen Gedächtnis zu entfernen. Ebenso lässt sich der gesamte Ortsspeicher löschen. Bei Apple gibt es bisher nur die Möglichkeit, den gesamten Verlauf zu löschen - aber bis die Software im Herbst erscheint, kann sich das noch ändern.
Schon mit einer früheren iOS-Version ließen sich detaillierte Bewegungsprofile erstellen - wenn auch von Apple nicht beabsichtigt. Das im Juni 2010 eingeführte iOS 4 verbesserte anhand von W-Lan-Netzen in der Nähe die Positionsbestimmung. Selbst mit abgeschalteter Ortungsfunktion wurden diese Daten längere Zeit gespeichert. Zwei Software-Entwickler stellten ein Programm zur Verfügung, das die Daten aus einem Backup des Telefons auslesen und auf einer Karte darstellen konnte.
Handys werden Ortungswanzen
Damals führte die verborgene Tracking-Funktion zu einiger Empörung. Künftig könnte die Datensammlung auch bei Apple transparenter ablaufen. Mit den Karten bekommen Android- und iPhone-Nutzer außerdem eine Vorstellung davon, was Metadaten über sie verraten. Bei Google liegen die Ortsdaten auf den Google-Servern, auch bei Apple könnte das der Fall sein. Wem das nicht gefällt, der kann das Tracking deaktivieren. Zumindest auf dem eigenen Smartphone.
Denn nicht nur das Telefon kann Ortsdaten sammeln - auch Mobilfunkprovider können sich merken, welches Gerät sich wann wo aufgehalten hat. Zwischenzeitlich wurden diese Daten in Deutschland sechs Monate lang gespeichert, damit die Polizei nachträglich Handynutzer ausforschen konnte. Eine EU-Richtlinie sieht seit 2006 die Speicherung von Verbindungsdaten vor, bis zu zwei Jahre müssen die Daten aufbewahrt werden. Das Bundesverfassungsgericht kippte das deutsche Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung allerdings 2010. Eine Neuauflage scheitert seitdem am Widerstand der FDP.
Mit der "Häufige Orte"-Funktion eines iPhones oder dem "Standortverlauf" bei Google lässt sich jedenfalls gut nachvollziehen, wie gläsern uns das Speichern von Ortsdaten macht. Selbst Profis können solche von Providern gespeicherten Metadaten zum Verhängnis werden: Eine geheime CIA-Operation flog auf, weil die Agenten sorglos mit ihren Telefonen umgingen.
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