Die amerikanische Waffenlobby NRA (National Rifle Association) hat eine App veröffentlicht, mit der man mit dem iPhone und iPad ein bisschen das virtuelle Schießen üben kann. Ausgerechnet jetzt.
Nach dem Amoklauf von Newtown vor gerade einmal einem Monat sind die mächtigen Waffenliebhaber wieder einmal international in die Kritik gekommen - und mit ihnen die Waffengesetze des Landes. Die will Präsident Barack Obama jetzt angeblich verschärfen, was die Waffenfreunde sogar dazu verleitet, sich aus Furcht vor einer strengeren Regulierung noch schnell mit Pistolen und Gewehren einzudecken. Und die Waffenlobby hat inzwischen Präsident Obama den Kampf angesagt.
Die NRA hatte sich selbst nach dem Amoklauf zu Wort gemeldet. In einer Stellungnahme (PDF) hatte NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre das typische Argument der Lobby vorgebracht: Gerade Waffen seien ein nötiges Mittel, um sich selbst und die Kinder zu schützen. "Das Einzige, was einen Bösen mit einer Pistole stoppen kann, ist ein Guter mit einer Pistole", heißt es da zum Beispiel. Außerdem sprach er über das Verhältnis zur Gewalt, das Kinder und Jugendliche heute angeblich hätten: Gerade in Musikvideos und Computerspielen werde das Leben als ein Spiel dargestellt, so die Behauptung.
Jetzt kommen die Waffenfreunde also mit einem neuen eigenen Spiel um die Ecke, mit dem Nutzer auf einem virtuellen Schießstand zielen üben und sich bei der Gelegenheit auch über die NRA informieren können. Die App mit dem Namen "NRA: Practice Range" ist - wenig verwunderlich - kostenlos erhältlich und gilt als geeignet für Nutzer ab vier Jahren. Es ist nicht das erste Schießspiel, mit dem die NRA um Nachwuchsschützen wirbt.
Waffen kosten 99 Cent, die Werbung gibt es umsonst dazu
Durch In-App-Käufe kann man zusätzliche Pistolen und Gewehre erstehen, in der Regel für 99 Cent pro Waffe. Kostenlos gibt es allerdings NRA-Werbung, mehr oder weniger Wissenswertes zum Waffengesetz und "Tipps" im Umgang mit Waffen - in wenigen und sehr einfachen Worten ausgedrückt. "Konsumiere niemals Alkohol oder Drogen, bevor oder während du schießt." So was eben.
Doch nicht genug, dass es eine fragwürdige Idee und ein ziemlich ungünstiger Zeitpunkt ist, diese App in Umlauf zu bringen: Sie ist auch noch denkbar schlecht. Alles, was der Nutzer tun kann, ist schießen: drinnen, draußen, auf hässliche Objekte, die plötzlich verschwinden, wenn man sie nicht trifft. Nicht besonders kreativ - und grafisch unterirdisch (siehe Fotostrecke).
Ein Test zeigte zum Beispiel, dass auch nichts passiert, wenn man statt auf die Wurfschreiben im Freien einfach auf die Bäume oder ins Gras ballert, abgesehen vielleicht vom Auftauchen einer halbherzig gemachten Staubwolke. Als ähnlich mies galt bereits das Computerspiel "NRA Gun Club", mit dem die Waffenlobby bereits 2006 die Lust am Ballern wecken wollte. Das war ebenso ideenlos und langweilig: Weder gab es darin eine Handlung noch eine schicke Grafik. Es ging auch hier allein ums Schießen - in seiner reinsten Form. In etwa, wie man das seit "Summer Games" für den C64 vom Computer-Tontaubenschießen kennt.
Man mag sich lieber nicht vorstellen, welche Menschen überhaupt Spaß an so einer stumpfen App haben könnten. Konsequent immerhin: Man macht sich beim Spielen auch für die Zuschauer lächerlich, weil man Smartphone oder iPad hochhalten und hin- und herdrehen muss, um zu zielen. Das sieht ziemlich doof aus.
juh
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