Schnüffel-Anwendungen US-Verbraucherschützer fordern Packungsbeilage für Apps

Transparenz-Offensive der App-Entwickler: In den USA sollen die Verbraucher künftig auf einen Blick erkennen, welche persönlichen Daten eine Smartphone-App ausliest - und selbst entscheiden, ob sie zu viel schnüffelt.

Vorschlag für Privacy-App: Wissen, welche Daten übertragen werden
Future of Privacy Forum

Vorschlag für Privacy-App: Wissen, welche Daten übertragen werden


Viele Apps bedienen sich ausführlich an den persönlichen Daten der Smartphone-Besitzer: sie lesen Fotos, Kontakte und Ortsdaten aus. Das Problem: meist merkt der Nutzer davon nichts. App-Entwickler und Datenschützer in den USA wollen das ändern. Laut einem Bericht der "New York Times" wollen sie eine Art Packungsbeilage für Apps einführen, die den Nutzer darauf hinweist, welche Daten er bei Nutzung der App frei gibt.

Am Donnerstag haben die Mitglieder dem Bericht zufolge zugestimmt, einen freiwilligen Verhaltenskodex für Apps zu testen. Damit erklären sich die Programmierer bereit, die Nutzer knapp und übersichtlich darüber zu informieren, welche Daten eine App auf Smartphones und Tablets ausliest. Und vor allem: welche Informationen schließlich an Werbekonzerne übermittelt werden.

Die Aktion soll es Verbrauchern ermöglichen, auf einen Blick zu erkennen, auf welche Informationen die App zugreift. Auf einer Liste wird angezeigt, wenn beispielsweise ein Spiel auf die privaten Bilder zugreift oder eine Kamera-Anwendung das Adressbuch durchstöbert. Die Verbraucher sollen mit diesen Angaben selbst entscheiden, ob sie die Anwendung auf ihren mobilen Geräten behalten oder doch lieber löschen.

Gegenüber der "New York Times" sagte Tim Sparapani, Vizepräsident der Application Developers Alliance: "Das ist ein Sieg des gesunden Menschenverstandes." Der Verband vertritt mehr als 20.000 selbstständige Entwickler und mehr als 100 Unternehmen, darunter Intel, Samsung und Blackberry. Auch Google ist Mitglied in dem Verband. Allerdings hat sich der Suchmaschinenkonzern laut dem Bericht noch nicht dazu geäußert, ob seine Android-Apps künftig dem Verhaltenskodex entsprechen werden. Auch Apple hat bei den Verhandlungen noch nicht erkennen lassen, ob man sich an der Transparenz-Offensive der Verbraucherschützer beteiligen will.

In den vergangenen Jahren hatten Datenschützer immer wieder Schnüffel-Apps kritisiert, die unbemerkt Informationen von iPhones und Android-Geräten an die Entwickler übertragen. Das Online-Netzwerk Path hatte heimlich die Adressbücher von iPhones angezapft, das Geodaten-Netzwerk Foursquare sowie die offizielle Twitter-App haben Kontakte ausgelesen - ohne das Wissen der Nutzer. Apple besserte nach. Seither müssen Anwender bestätigen, dass iOS-Apps auf bestimmte Daten zugreifen dürfen.

jbr



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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Last Ninja 26.07.2013
1. System
Viel besser wäre es, wenn man im System einfach festlegen könnte, welche App überhaupt was tun darf. Dann kann ne Kamera-App nämlich nicht aufs Adressbuch zugreifen, wenn ich das vorher unterbinde. Aber z.b. bei Android gibts ja leider nur friss oder stirb.
master-of-davinci 26.07.2013
2. Vertrauen
Zitat von Last NinjaViel besser wäre es, wenn man im System einfach festlegen könnte, welche App überhaupt was tun darf. Dann kann ne Kamera-App nämlich nicht aufs Adressbuch zugreifen, wenn ich das vorher unterbinde. Aber z.b. bei Android gibts ja leider nur friss oder stirb.
Aber auch dann müssen sie darauf "vertrauen", dass nur weil ich einen grafischen Schieber auf dem Bildschirm bewege, damit auch das ausgelöst -oder hier unterbunden- wird, was mir die Anzeige vorgaukelt. Schön den Nutzer in vermeindlicher Sicherheit wägen und doch die Daten abgreifen....
Georg_Alexander 26.07.2013
3. Naja
Zitat von Last NinjaViel besser wäre es, wenn man im System einfach festlegen könnte, welche App überhaupt was tun darf. Dann kann ne Kamera-App nämlich nicht aufs Adressbuch zugreifen, wenn ich das vorher unterbinde. Aber z.b. bei Android gibts ja leider nur friss oder stirb.
Zumindest für nachträglich installierte Apps gibt es ja den AppGuard. Der scheint inzwischen sogar die Updates der Apps mitzuüberwachen. Man ist also nicht mehr wie früher von Aktualisierungen der Apps abgeschnitten.
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