Lang erwartetes Update für "Pokémon Go" Aus Freunden werden Gegner

Zweieinhalb Jahre nach Erscheinen bekommt "Pokémon Go" endlich Trainer-Kämpfe. Hier erfahren Sie, was es damit auf sich hat - und ob die Funktion es wert ist, die Spiele-App mal wieder anzuwerfen.

Niantic

Update, 13. Dezember: Die in diesem Artikel erwähnten Trainer-Kämpfe sind jetzt freigeschaltet, für alle Trainer der Stufe 10 und höher.

Erinnern Sie sich noch an die Wochen, in denen sich Massen von Smartphone-Nutzern urplötzlich an scheinbar zufälligen Orten versammelten? Nach dem gewaltigen Hype im Sommer 2016 hat sich Aufregung um "Pokémon Go" längst gelegt.

Doch obwohl das Spiel, das für die Jagd auf die Taschenmonster die Standortdaten des Smartphones nutzt, weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist, vertreiben sich nach wie vor Millionen Menschen täglich die Zeit damit.

In den vergangenen Monaten stiegen die Nutzerzahlen sogar wieder kontinuierlich. Den App-Analysten von Sensor Tower zufolge erzielte das Spiel im September mit 85 Millionen Dollar Umsatz sein bestes Ergebnis seit November 2017, die Zahl der Neuinstallationen verdoppelte sich mit knapp neun Millionen Downloads gegenüber dem Vorjahresmonat.

Insgesamt wurde "Pokémon Go" seit seinem Start über eine halbe Milliarde Mal aus den App-Stores geladen und hat über zwei Milliarden Dollar umgesetzt.

Erst Kooperation, dann Konkurrenz

Das Entwicklerteam von Niantic, das aktuell auch an einem mobilen "Harry Potter"-Spiel ähnlicher Ausrichtung arbeitet, versorgt "Pokémon Go" bis heute nicht nur mit frischen Monstern. Es bringt auch regelmäßig neue Ideen zur Beschäftigung der Spieler in die App. Dieses Jahr wurden beispielsweise Forschungsaufgaben eingeführt, rollenspielartige Sammel-Quests, bei denen seltene Pokémon als Belohnung winken. Und seit Sommer lassen sich in der App Freundschaften schließen, virtuelle Geschenke versenden und Monster tauschen.

Aus den Kameraden könnten in Kürze jedoch Konkurrenten werden, denn "Pokémon Go" bekommt jetzt endlich das von der Community am vehementesten nachgefragte Feature: die Trainer-Kämpfe.

Das Kräftemessen zwischen den Monsterjägern gehört zu den Höhepunkten der klassischen "Pokémon"-Titel. Und das rasche Anhäufen von Kreaturen verschiedenster Eigenschaften und Attacken in der Smartphone-Variante bietet beste Voraussetzungen für vielfältige, taktische Auseinandersetzungen. Eigentlich.

Schnell und simpel

"Wir haben das Kampfsystem von Grund auf neu gestaltet, um es schnell, spaßig und sozial zu machen", begründet Niantic-Entwickler Matt Slemon das, was "Pokémon Go"-Spieler mit einem der nächsten Updates erleben dürfen.

Eine wichtige Design-Entscheidung wurde angeblich erst nach ausgiebigen internen Tests getroffen: Pro Trainer werden im Mobil-Spiel nur drei Monster in einen Kampf geschickt. Von der traditionellen Sechser-Gruppe sei man schnell abgekommen, sagt Niantic-Programmierer Rob Giusti, denn "die Spieler wechselten ständig die Pokémon, um den Gegner zu kontern, das zog sich furchtbar hin."

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Mobilspiel: Der neue Kampfmodus von "Pokémon Go"

In "Pokémon Go" dauern Trainer-Kämpfe nun keine drei Minuten: Stetes Tippen auf den Bildschirm lässt ein Monster unablässig attackieren und füllt gleichzeitig die Energieleiste einer besonders starken Attacke (beziehungsweise eigentlich zweier Angriffe, denn für jedes seiner Pokémon darf der Trainer nun eine weitere Spezialattacke freischalten). Welche Attacke im Eifer des Gefechts ausgelöst wird, ist von der Situation und dem Gegner abhängig - es ist ein Hauch von Taktik, der dezent durch ein Energieschild verstärkt wird, das sich wenige Male individuell auslösen lässt (siehe Fotostrecke).

Bloß niemanden nerven

Neben Rasanz haben sich die Entwickler Frustfreiheit auf die Fahnen geschrieben. So werden beide Spieler für ihre Teilnahme mit Ressourcen und Spezialobjekten belohnt. Zudem lässt sich in drei verschiedenen Ligen kämpfen. Bei der niedrigsten werden nur Pokémon mit einer Kraft von maximal 1500 Wettkampfpunkten ins Gefecht geschickt, wodurch auch Gelegenheitsspieler eine Siegchance haben. Die Profis lassen ihre hochgezüchteten Kreaturen in einer Meisterliga ohne Beschränkungen antreten.

Weil sie spielerisch eher anspruchslos und frei von Finessen sind, werden die Trainer-Kämpfe ihren Reiz aus den sozialen Interaktionen zwischen Spielern beziehen müssen. So überrascht es auch nicht, dass Niantic versucht, die Gamer für die Kämpfe wirklich zusammenzuführen.

Um einen Kampf zu starten, muss ein QR-Code zwischen nahestehenden Spielern ausgetauscht werden. Nur wer bereits eifrig Freunde gesammelt und Geschenke verschickt hat, darf auch aus der Entfernung gegen seine Kontakte auf den beiden höchsten Freundschaftsstufen antreten.

"Pokémon Go" bleibt sich so also auch bei der vermutlich letzten großen Neuerung des Jahres treu: Die Entwickler erhöhen mit dem neuen Modus zwar die spielerische Vielfalt. Das Ganze ist aber so wenig komplex, dass es wohl die größtmögliche Zielgruppe ansprechen soll. Das, was sich passioniertesten Fans erhofft haben, sind die Trainer-Kämpfe so wohl eher nicht.



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dr_ix 04.12.2018
1. Es bleibt also weiterhin ein langweiliges Sammelspiel
ohne jeden strategischen Anspruch und Spielspaß. Übertragen auf einen 100m Lauf ist das Prinzip in Pokemon so: nicht der schnellste und beste Läufer gewinnt, sondern die ersten 6, die sich am Startpunkt versammeln. Äußerst langweilig.
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