Geschäfte machen mit "Pokémon Go" Hurra, wir sind ein Poké-Stop

An "Pokémon Go" verdienen nicht nur die Hersteller des Spiels, sondern auch Discounter, Tankstellen und Pizzerien. Vor allem McDonald's buhlt um die Fans - und macht einen Deal mit den Entwicklern.

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Der Pokémon-Hype ist auch in der Heimat angekommen: Am Freitag hat das Entwicklerstudio Niantic das beliebte Smartphone-Spiel in Japan freigegeben. Der Start im Ursprungsland der Taschenmonster hatte sich verzögert, nachdem die Server aufgrund des enormen Ansturms in anderen Ländern immer wieder ausgefallen waren.

In Japan wollten die Entwickler sicher gehen, dass von Beginn an alles klappt. Vor allem aber sollte offenbar ein Werbepartner nicht enttäuscht werden, mit dem Niantic und über die Pokémon Company auch Nintendo nun noch mehr Geld verdienen will. Auch wenn die App laut Nintendo-Mitteilung die Gewinnprognose der Firma nicht positiv beeinflusse - woraufhin die Aktie am Montag wieder absackte -, macht "Pokémon Go" dennoch beachtliche Umsätze. Neben den Herstellern verdienen vor allem auch Apple und Google an den In-App-Käufen mit.

Jetzt hat sich Berichten zufolge McDonald's einen prominenten Auftritt im Spiel gesichert. Nach Angaben des Onlinemagazins "Nikkei Asian Review" hat die Burgerkette mit den "Pokémon Go"-Entwicklern abgemacht, jedes der knapp 3000 Restaurants in Japan fest in das Spiel einzubinden. Demnach sollen 2500 Filialen als Poké-Stop angezeigt werden. 400 Restaurants verwandeln sich in der App in eine Arena.

Wie viel McDonald's für den Deal bezahlt, ist nicht bekannt. Doch von der Partnerschaft dürfte nicht nur Nintendo profitieren. Auch McDonald's dürfte sich über mehr Gäste freuen, das zeigt der Trend in anderen Ländern.

Denn die Spieler tummeln sich vor allem an Plätzen, die auf der Pokémon-Karte als Arena oder Poké-Stop markiert sind. Wer als Einzelhändler oder Gastronom den Vorteil hat, sich mit seinem Geschäft in der Nähe eines solchen Sammelpunkts zu befinden, profitiert vom großen Hype.

Eine Pizzeria in New York etwa hat nach Angaben der "New York Post" ihren Umsatz um 75 Prozent gesteigert, indem der Restaurantchef mit Lockmodulen die virtuellen Monster geködert hat - und damit auch die Spieler. "Es kommen Menschen zu uns, die sich hinsetzen, ein paar Bier trinken und Pokémon spielen", sagt der Besitzer.

Andere Restaurants streichen auf ihren Werbeschildern einfach das Menü des Tages und preisen stattdessen die besondere Lage auf der Pokémon-Karte: "Nur so nebenbei: Ihr könnt zwei Poké-Stops von unserem Speisesaal aus erreichen", heißt es auf der Hinweistafel einer Pizzeria aus Lancaster im US-Bundesstaat New York.

Für Amazon hingegen bietet die Pokémon-Welle eine Chance, die alten Fanartikel wieder aus dem Lager zu kramen und anzupreisen. Das Onlinekaufhaus wirbt bei Facebook für Pikachu-Socken, die sich die Spieler auf ihrer Suche nach neuen Monstern anziehen sollen.

Cheat-Apps schwimmen auf der Erfolgswelle mit

Auch in Deutschland haben Unternehmen die Anziehungskraft der App erkannt (siehe Fotostrecke). Der Discounter Netto etwa wirbt bei Facebook mit Monstern aus dem Spiel und hat Lockmodule an Poké-Stops in Filialnähe geklemmt, die nicht nur Monster anziehen, sondern auch die Smartphone-Jäger.

Der Mineralölkonzern ExxonMobil postet bei Twitter immer wieder Fotos mit gefangenen Pokémons an Esso-Tankstellen. Dabei handelt es sich allerdings in der Regel um weit verbreitete Taschenmonster, die auch an anderen Orten leicht zu finden sind.

Und selbst Banken befeuern den Hype um das Spiel: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau rühmt sich bei Twitter damit, dass zwei Firmengebäude als Poké-Stops ausgewählt worden sind.

In Apples App Store sind es vor allem Ratgeber- und Cheat-Apps, die auf der Erfolgswelle mitschwimmen. Gleich drei Apps mit einem ähnlichen Namen wie das Niantic-Spiel haben es in die Top-100 der am häufigsten heruntergeladenen Anwendungen geschafft.

Neben Cheats und Tricks für erfolgreiche Kämpfe bieten die Entwickler beispielsweise Karten an, die die Aufenthaltsorte der Monster verraten. Auch Apps mit der Funktion, die GPS-Daten des Telefons zu manipulieren, werden populärer.

Doch dabei ist Vorsicht geboten: Niantic hat angekündigt, alle Spieler zu sperren, die sich mit gefälschten Ortsdaten einen Vorteil bei der Jagd nach Pokémon verschaffen.

insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
globalundnichtanders 25.07.2016
1. Pokémon Go
Gibt's den Quatsch immer noch?
besserwisser80 25.07.2016
2. Nichts
anderes als eine weitere Form einer teilweise versteckten Geschäftemacherei in einer sehr gut als harmlos und niedlich getarnten Spiele APP. Wer's mag ;)
RealSim 25.07.2016
3. Keine Angst
Zitat von globalundnichtandersGibt's den Quatsch immer noch?
Jawohl. Also keine Sorge, es ist noch nicht zu spät damit anzufangen. Apps werden nämlich nicht aus dem App Store entfernt nur weil sie zu erfolgreich sind, falls sie dies befürchtet haben sollten :)
Horst Müller 25.07.2016
4.
Zitat von besserwisser80anderes als eine weitere Form einer teilweise versteckten Geschäftemacherei in einer sehr gut als harmlos und niedlich getarnten Spiele APP. Wer's mag ;)
Wo ist bei dieser App das Geschäftsmodell versteckt? Es gibt doch mittlerweile so lange Freemium Apps, dass jeder das Konzept verstanden haben sollte. Zudem sind die Nintendo Aktien bestimmt nicht gestiegen, weil die App kostenlos ist ;)
globalundnichtanders 25.07.2016
5.
Zitat von Horst MüllerWo ist bei dieser App das Geschäftsmodell versteckt? Es gibt doch mittlerweile so lange Freemium Apps, dass jeder das Konzept verstanden haben sollte. Zudem sind die Nintendo Aktien bestimmt nicht gestiegen, weil die App kostenlos ist ;)
Aber sie sind wieder gefallen, weil es halt doch nicht so dolle ist.
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