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Angetippt Diese Heuschnupfen-Apps sollen Allergikern helfen


Heuschnupfen und juckende Augen: Im Frühjahr und Sommer leiden Pollenallergiker besonders. Eine ganze Reihe von Apps können Betroffenen das Leben erleichtern.

In der warmen Jahreszeit kann man Pollen kaum entgehen, für Allergiker eine Qual. Ihr Immunsystem reagiert auf den harmlosen Blütenstaub mit tränenden Augen, die Nase läuft, der Hals ist gereizt.

Mittlerweile gibt es verschiedene Anwendungen fürs Smartphone, die sich an die Pollen-Allergiker richten. Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Trotz elektronischer Hilfsmittel müssen Betroffene sich nach wie vor mit der Krankheit arrangieren.

Seriöse Apps versprechen keine Wunder

In Googles Play-Store etwa finden sich zwar Apps, die versprechen, mittels Anleitung zur Selbsthypnose oder Akupressur Wunder zu bewirken, aber das ist esoterischer Humbug. Seriöse Programme erzeugen keine Hoffnungen auf Heilung, sondern bieten Hilfe für das Leben mit der Allergie an. Viele sind zudem kostenlos.

Die meisten Pollen-Apps bieten sehr ähnliche Funktionen: Zentral ist stets eine Vorhersage des Pollenflugs. Viele beziehen Informationen darüber vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Dieser misst zusammen mit der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst an 45 Orten in Deutschland die tägliche Konzentration des Blütenstaubs. Die Prognose des DWD gilt für den aktuellen und die zwei folgenden Tage.

Push-Nachrichten, die bei starkem Pollenflug warnen, sind ebenfalls Standard. Viele Apps liefern auch noch einen Selbsttest in Form eines Fragebogens mit. Der ist aber eher für Menschen gedacht, die mit einem Verdacht auf Heuschnupfen nicht gleich zum Arzt gehen wollen. Einen richtigen Allergietest ersetzen sie ausdrücklich nicht.

Nervige Werbung für Produkte der Hersteller

Wer sich direkt an die Datenquelle vieler Apps wendet, den Deutschen Wetterdienst, wird enttäuscht. Dessen eigene App (Android / iOS) hat zu wenige Funktionen. Man kann nicht einmal auswählen, auf welche Art von Pollen man allergisch reagiert. Wer nur auf Gräser allergisch ist, könnte Informationen über andere Pollen getrost ausblenden - mit der DWD-App geht das aber nicht.

Es gibt außerdem auch Apps mit einer Sieben-Tage-Vorschau, etwa von den Pharmaunternehmen Ratiopharm (Android / iOS), Hexal (Android / iOS) und Livocab (Android / iOS). Auf welchen Vorhersagedaten die Prognosen dieser Apps beruhen und wie exakt eine solche weitreichende Vorhersage überhaupt sein kann, bleibt offen. Für die Anbieter sind die Apps wohl in erster Linie Werbung für die eigene Produktpalette. Besonders aufdringlich ist dabei die Hexal-App, die dem Nutzer die hauseigenen Produkte nahelegt.

Per App Tagebuch übers Leiden führen

Hexals "Pollenflug-Vorhersage" und das "Pollen-Radar" von Ratiopharm enthalten zumindest einen Jahreskalender, der die typischen Monate für eine bestimmte Pollensorte anzeigt. Dafür fehlt ihnen eine Tagebuchfunktion. Eine solche besitzen die App "Husteblume" (Android / iOS) der Techniker Krankenkasse, die nicht nur Mitglieder nutzen können, und die App "Pollen" der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (Android / iOS / Windows Phone).

Beide Apps sind bis fast identisch, "Husteblume" wirkt aber optisch etwas moderner. Im Pollen-Tagebuch lässt sich antippen, wie man sich am aktuellen Tag fühlt, also ob etwa die Nase läuft oder die Augen tränen. Diese Daten kann man aus persönlichem Interesse sammeln oder sie beim nächsten Arzttermin vorzeigen.

Selbst wenn es sich um eine so weit verbreitete Krankheit wie Heuschnupfen handelt, ist die Frage nach dem Datenschutz wichtig. Alle Apps wollen wenigstens den Standort ihrer Nutzer wissen, um die passende Region für die Vorhersage zu finden.

Ein Blick auf die anderen Berechtigungen ist - wie bei allen anderen Apps auch - empfehlenswert. Die Nutzungsbedingungen der App des Deutschen Polleninformationsdiensts versprechen etwa sehr klar, "keinen Zugriff auf persönliche, anonymisierte oder sonstige Datensätze" zu erlauben.

Für Urlauber können viele Apps keine Daten liefern

Weil die Apps für Allergiker sich insgesamt sehr ähnlich sind und oft nur bei optischen Details unterscheiden, sind generelle Empfehlungen schwierig. Ein Manko bei vielen Apps: Daten zum Pollenflug gibt es häufig nur für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Wer weiter weg fährt, erhält also per App keine Informationen.

Die App des Polleninformationsdienstes machte im Test aber insgesamt den seriösesten Eindruck. Sie besitzt zwar nur die nötigsten Funktionen, dafür sitzt die Stiftung an der Quelle der Daten zum Pollenflug. Außerdem findet sich hier keine Produktwerbung und ist sie eine der wenigen, die auch Windows Phones per Webapp nutzen können. Das wichtigste Gadget für alle Pollenallergiker bleibt aber auch mit dieser App weiterhin das Taschentuch.

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7 Leserkommentare
beegee 03.06.2016
dergroßeradler 03.06.2016
shirker 03.06.2016
xineohp 03.06.2016
dirkuhle 03.06.2016
xineohp 05.06.2016
cyoulater 06.06.2016

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