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Fotofilter-App "Prisma" Schnappschüsse als abstrakte Kunst

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Schon wieder eine Foto-App, die per Kunstfilter aus Handybildern Hingucker zaubern soll: Die Idee hinter "Prisma" ist nicht neu. Aber in unserem Test zeigt sich, dass die App einen Blick wert ist.

Gefühlt wirbt ja jede zweite der gefühlt 2000 Fotofilter-, Bildbearbeitungs- oder Kamera-Apps damit, schnell und einfach aus Handyfotos echte Kunstwerke zu machen. Meistens zeigt sich aber: Die App ist entweder nicht schnell, nicht einfach oder die Ergebnisse sind ziemlich langweilig.

Jetzt ist wieder eine App erschienen, die solche Versprechen abgibt: "Prisma - art filters and photo effects". Auf den ersten Blick ist die App somit völlig unnötig. Wir haben dennoch einen Blick riskiert und die App getestet - mit überraschendem Ergebnis: "Prisma" kommt relativ zügig und einfach zu Ergebnissen, die wirklich gut aussehen.

Dabei bedient sich die App eines Tricks, den in der Kunstgeschichte fast alle wenig oder mittelmäßig begabten Künstler kannten: Abkupfern bei etablierten Größen. Die App hat Stilfilter bekannter Künstler im Angebot. Dann wird aus dem Handy-Schnappschuss ein Gemälde mit der Pinselführung Van Goghs, dem Farbenspiel von Munch oder ein Werk im Stile eines Kandinsky.

Hinzu kommen Filter, die auf weniger bekannte Vorlagen basieren: Auf Ornamenten, Comic-Stilrichtungen oder bestimmten Designs. So kann man sein Selfie auch als Manga-Optik darstellen lassen oder die eigene Stadt im "Urban"-Design festhalten (die Ergebnisse unseres Tests sehen Sie in dieser Fotostrecke).

Das Bearbeiten dauert ein paar Sekunden und die App braucht eine Internetverbindung, da die Bearbeitung der Bilder online erfolgt. Das wiederum spart Speicherplatz, die App braucht keine neun Megabyte auf dem Smartphone. Ein Nachteil ist die Online-Bearbeitung aber für das Datenvolumen: Ein Foto benötigte im Test pro Filter circa 170 Kilobyte. Wer also alle 21 Filter durchprobiert, hat um die 3,5 Megabyte Datenvolumen verbraucht - für nur ein Bild.

Kostenlos und nahezu werbefrei

Dass man die Ergebnisse auch in einem sozialen Netzwerk wie zum Beispiel Instagram postet, ist darin noch gar nicht eingerechnet. Es wird aber von "Prisma" forciert: Ist der Filter angewendet, bietet einem das englischsprachige Menü nur die Möglichkeiten "Share" also "Teilen" und einen Direktlink zu Instagram an, wo man das Foto dann posten soll.

Alternativ kann man nur einen neuen Style oder ein neues Foto auswählen. Wer das Ergebnis einfach nur für sich lokal speichern will, sollte sich aber von diesem Menü nicht abschrecken lassen: Klickt man auf "Share", erscheint unter der App-Auswahl auch die Option: "Save Image". So kann man das bearbeitete Foto auch behalten, ohne es zu teilen.

Diese umständliche Handhabung ist verschmerzbar, denn "Prisma" ist kostenlos und relativ werbefrei. Bisher werden nur einzelne Filter als Werbe-Elemente genutzt. Dann ist zum Beispiel das Logo einer Sportschuh-Marke zu sehen, jedoch nur im Symbolbild auf der Übersichtsseite für die Filter. Im fertigen Kunstwerk fehlt die Werbung. Das ist angenehm zurückhaltend und ermöglicht eine nutzerfreundliche Bedienung ohne Werbevideos oder In-App-Käufe.

Es macht gerade am Anfang Spaß, die Filter auszuprobieren und die Ergebnisse miteinander zu vergleichen. Ähnlich wie die animierten Masken von "Snapchat" und "MSQRD" sind die Kunstfilter von "Prisma" aber wohl nur so lange gut, wie sie neu sind. Der Effekt dürfte sich schnell abnutzen. Dann wird es von der Kreativität der Entwickler und den neuen künftigen Filtern abhängen, ob sich die App lange halten kann.



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14 Leserkommentare
bluemetal 29.06.2016
globalundnichtanders 29.06.2016
Jack_North 29.06.2016
paul.dirks 29.06.2016
medienhoppel 29.06.2016
twistie-at 29.06.2016
naundob 29.06.2016
Lisa_can_do 29.06.2016
managerbraut 29.06.2016
globalundnichtanders 30.06.2016
CTR453 30.06.2016
Aurifex 30.06.2016
MikeMan123 29.07.2016
MikeMan123 29.07.2016

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