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App vom "Glücksrad"-Moderator Frederic, ist das dein Ernst?

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Wenn Promis Apps auf den Markt bringen, muss man das Schlimmste befürchten. Mit "Quizrad" vom ehemaligen "Glücksrad"-Moderator Frederic Meisner ist jedoch mal wieder ein Tiefpunkt erreicht.

Das Spielprinzip kennt man ja noch: Man hat beispielsweise die Kategorie "App-Bewertung". Ich tippe auf "T" wie Thomas und möchte dann lösen: SCHROTT-APP.

Selten habe ich ein so unspaßiges Spiel ausprobiert wie "Quizrad", eine primitive Adaption von "Glücksrad". Eine App für Android, die an die Neunzigerjahre-Show angelehnt ist und auch so aussieht, als käme sie direkt aus dieser Zeit.

Auf "Quizrad" aufmerksam gemacht haben mich Kollegen, die eine um 1.31 Uhr nachts verschickte Meldung einer Nachrichtenagentur entdeckt hatten. "Ex-'Glücksrad'-Moderator Meisner bringt App heraus" hatte die Nachrichtenagentur dpa gemeldet, ein Bekannter habe Meisner beim Entwickeln geholfen. Die Meldung klang, als würde nun endlich auch Frederic Meisner, heute 62, zu den Top-Stars mit eigener Software zählen - wie Donald Rumsfeld, Kim Kardashian oder Tom Hanks.

Einige Beispiele für Promis-Apps stellen wir hier vor:

Fotostrecke

9  Bilder
Hanks, Lagerfeld, Keys: Diese Stars habe ihre eigene App

Ohne Anmeldung geht nichts

"Quizrad", dessen neueste Version es schon seit dem 5. Januar gibt, gelingt es leider nicht ansatzweise, über den Glückrad-Bezug hinaus irgendwie unterhaltsam zu sein. Von einem Gruß von Moderator Meisner abgesehen, beginnt die App damit, dass man sich samt E-Mail-Adresse erst einmal registrieren muss: Am Mittwochmorgen waren sogar die simplen Nutzernamen "A" und "B" noch frei.

Danach sucht man sich über die App einen Freund oder einen Zufallsgegner als Kontrahenten. Abwechselnd darf an einem virtuellen Glücksrad gedreht werden. Dabei erwischen die Spieler jeweils ein bis acht Punkte, die sie gutgeschrieben bekommen, wenn sie auf einen Buchstaben tippen, der in Begriffen wie "Esstischtennis" und "Maurerkelle" vorkommt.

"Schade", sagt Frederic Meisners Stimme, wenn man danebenliegt. "Ich kaufe ein 'A'" oder Ähnliches darf man leider nicht in sein Smartphone-Mikro rufen. Für fünf Punkte kann man einen Vokal freikaufen.

"Glücksrad" in doof

So weit, so "Glücksrad". Doch wer die Originalregeln kennt, dürfte enttäuscht werden:

  • Man tritt stets nur gegen einen, nicht gegen zwei Gegner an.
  • Die Duelle dauern jeweils nur eine Runde.
  • Wer dreht, darf immer nur einmal drehen - egal, ob er richtig rät. Ein Taktieren wird so unmöglich.
  • Ereignisse wie "Bankrott" oder "Aussetzen" gibt es auf dem Rad nicht, man sammelt stets nur Punkte.

Am Ende besteht das Spielprinzip also darin, dass zwei Spieler im Wechsel einen Buchstaben-Tipp abgeben. Am Ende löst entweder jemand richtig oder jemand tippt eine falsche Auflösung. Viel simpler und langweiliger geht es nicht. Wenn Frederic Meisner auf seiner Homepage verspricht "Ich bringe euch das Kultspiel für Android als App aufs Smartphone" dann ist das nur die halbe Wahrheit - "Quizrad" ist nicht ansatzweise so spannend wie "Glücksrad".

In unserem Test zeigten sich auch technische Schwächen: Teilweise war minutenlang überhaupt kein Drehen mehr möglich: So schlecht funktionierte offenbar die Übertragung der Spielzüge vom einen aufs andere Smartphone, obwohl die Geräte direkt nebeneinander lagen.

Im Einstellungsmenü kann man unter anderem die Sprache einstellen - außer Deutsch lässt sich aber nichts anderes auswählen

Im Einstellungsmenü kann man unter anderem die Sprache einstellen - außer Deutsch lässt sich aber nichts anderes auswählen

Jeder ist ein Gewinner

Seltsam auch: Als ein Spieler falsch löste, wurde dem anderem angezeigt, der Gegner habe gerade richtig gelöst. Schauten sich beide Spieler nachher noch mal das Ergebnis der Partie an, stand bei beiden, dass sie gewonnen hätten. Das war nicht nur einmal so, sondern dauerhaft. Bei "Quizrad" kann man offenbar nicht einmal richtig verlieren.

Von der App gibt es eine kostenlose "Free"- und eine 1,89 Euro teure "Premium"-Version, wobei die Bezahlversion nur kleine Vorteile bietet, wie die Option, das Aussehen des eigenen Avatars anzupassen und bestimmte Statistiken abzurufen.

Avatare? Nur gegen Geld

Avatare? Nur gegen Geld

Der dpa hat Frederic Meisner übrigens gesagt, seine Entwicklung werde wohl vor allem 40- bis 50-Jährige ehemalige Zuschauer der TV-Show interessieren: "Die spielen ja auch auf dem Handy."

Das mit dem Handyspielen stimmt vermutlich, das mit dem Interesse hält sich noch in Grenzen. Laut Google Play Store ist die Bezahlversion der App bislang "10-50" Mal installiert worden, die Gratis-Version kommt auf "100-500" Installationen.

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8 Leserkommentare
ernstl1704 02.03.2016
mic123 02.03.2016
markus_boehm 02.03.2016
crux 02.03.2016
VoisinAerodyne 02.03.2016
SpitzensteuersatzZahler 02.03.2016
Bueckstueck 02.03.2016
Klugsaurier 02.03.2016

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