Musikerkennung EU-Kommission prüft Apples Shazam-Übernahme

Ende 2017 hat Apple den Musikerkennungsdienst Shazam übernommen. Jetzt meldet die EU-Kommission Bedenken an dem Deal an. Der Konzern könnte eine marktbeherrschende Position bekommen.

Shazam-App auf einem iPhone
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Shazam-App auf einem iPhone


Die EU-Wettbewerbshüter wollen wegen erheblicher Bedenken die Übernahme der Musikerkennungs-App Shazam durch den US-Konzern Apple unter die Lupe nehmen. Vorbehaltlich des Ergebnisses einer umfassenden Prüfung sei sie der Auffassung, dass die Fusion erhebliche negative Auswirkungen auf den Wettbewerb in Europa haben könne, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Apple müsse die Übernahme nun zur Genehmigung anmelden.

Shazam kann Millionen Musiktitel erkennen, indem es Musik, die gerade in der Umgebung gespielt wird, über die Mikrofone eines Smartphones mithört, einige Sekunden aufzeichnet und diese an die Server des Unternehmens sendet. Dort wird die Aufnahme mit einer Musikdatenbank abgeglichen und dem Anwender der Songtitel als Ergebnis gesendet. Bei vielen Titeln zeigt Shazam außerdem einen Link zum Kauf des erkannten Songs im iTunes Store an.

Der iPhone-Hersteller Apple hatte Ende des vergangenen Jahres die Übernahme bestätigt, ohne einen Preis zu nennen. Medienberichten zufolge lag er bei 400 Millionen US-Dollar.

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Nach Angaben der EU-Kommission lag die Übernahme unter den nach EU-Recht geltenden Umsatzschwellenwerten. Die EU-Wettbewerbshüter sind bei Firmenzusammenschlüssen unter anderem zuständig, wenn der weltweite Umsatz aller Beteiligten zusammen mindestens fünf Milliarden Euro beträgt und zumindest zwei der beteiligten Firmen in der EU einen Umsatz von jeweils 250 Millionen Euro aufweisen.

Dass die Kommission sich nun dennoch mit dem Fall beschäftigt, liegt am EU-Mitglied Österreich. Dort gilt für derartige Übernahmen ein eigener, nationaler Schwellenwert. Den überschritt der Apple-Zukauf, der Konzern musste deshalb seine Pläne in Österreich zur Genehmigung anmelden. Das Land verwies den Fall daraufhin an Brüssel. Eine ganze Reihe von Ländern, darunter Frankreich und Schweden, schlossen sich dem Antrag an.

Shazam wurde 1999 gegründet. Die Betreiber der App nahmen unter anderem durch Werbung, die in der App angezeigt wird, Geld ein. Nach einer Finanzierungsrunde im Jahr 2015 soll der Dienst noch mit bis zu einer Milliarde Dollar bewertet worden sein. Auch die Betreiber der Fotoplattform Snapchat sollen zeitweise an Shazam interessiert gewesen sein.

Bei Apple greift die Sprachassistenzfunktion Siri bereits seit Längerem im Hintergrund auf den Dienst von Shazam zurück, wenn man sie nach einem gerade laufenden Lied fragt. Google verwendet eine ähnliche Funktion auf Basis eigener Technologie in seinen neuen Pixel-2-Smartphones.

mak/dpa



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mahrud 07.02.2018
1. Überraschung?
Soso, Apple´s Zukauf "könnte" sich also negativ auf den Wettbewerb innerhalb der EU auswirken, weshalb die Wettbewerbshüter das "unter die Lupe" nehmen wollen. Komisch. Könnte man nicht sowieso längst zu dem Schluss kommen, dass im Bereich der digitalen Mobilität Alphabet und Apple ein bereits fast perfektes Duopol bilden, indem sie sich bereits seit Langem über Zukäufe systematisch jegliche (potenzielle) Konkurrenz einfach einverleiben und dies auch weiterhin tun, solange man sie lässt? Gibt es nicht eine zunehmende Anzahl ernst zu nehmender Firmennchefs, die immer unverhohlener die Vorteile von Monopolen anpreisen und sich diesbezüglich für eine "marktkonforme " Gesetzgebung einsetzen? Warum kommen nicht mal Wirtschaftswissenschaftler zu Wort, die eine Zerschlagung dieser Konzerne fordern oder sich zumindest für ein Verbot weiterer Zukäufe oder die Zwangsfreigabe von Patenten aussprechen, damit hier tatsächlicher Wettbewerb endlich wieder stattfinden kann? Man hätte mehr aus dem Thema machen können, als im Focus-Stil eher unhinterfragt und unkritisch darüber zu berichten. Andrerseits kann ich mich sowieso an keinen Artikel im SPIEGEL erinnern, der sich kritisch mit dem Apple-Konzern auseinandergesetzt hätte. Lasst mich raten: Die Betriebssoftware ist IOS-basiert? Tja Pech, unsere leider auch... Leider, wegen des aggressiven Vorgehens von Apple, sich mittels einer permanenten Shopping-Tour unter Anbietern von Technologie oder Software Zukunft zu kaufen und für seine Nutzer unentbehrlich zu machen. Das an sich wäre nicht so problematisch, wenn die eigene Finanzkraft dabei noch ein natürlicher, limitierender Faktor wäre. Ist er aber nicht. Apple und Alphabet sind als Quasi-Duopol-Konzerne mittlerweile so breit aufgestellt, daß sie in Gänze zu groß zum Scheitern geworden sind und jeglicher potenzieller Konkurrenz jedes unwiderstehliche Angebot machen können. Dazu kommen die unfassbaren Forschungs-Etats, die diese Firmen mobilisieren, um auch zukünftig einen State-of-the-Art-Entwicklungsstand weit vor jeder Konkurrenz zu garantieren. Und alles Andere wird wie gesagt aus der Porto-Kasse gekauft. Ist das gut? Nein, ohne Zukauf-Verbote und Verkaufs-Sperren von Patenten an diese Konzerne verkaufen und verlieren wir die digitale Zukunft an diese US-dominierten Oligopol-Gesellschaften, Microsoft eingeschlossen.
ElkeOspert 07.02.2018
2.
Mich wundert das Apple 400 Millionen USD für eine Technik ausgibt die man mit vergleichsweise wenig Aufwand selbst entwickeln könnte. Songs zu erkennen ist verglichen mit Spracherkennung geradezu trivial - und einmal den Apple-eigenen Musikbestand durchzuscannen um für jeden Song entsprechende Signaturen zu generieren ist auch kein Hexenwerk. Und zumindest auf Apple-Geräten wäre es auch kein Problem die eigene Software gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Andererseits - was sind schon 400 Millionen USD für Apple....
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