Hacker-Aktion "The Snappening" Hunderttausende Snapchat-Fotos ins Netz gestellt

Nach den Nacktfotos zahlreicher Prominenter sind nun Hunderttausende Snapchat-Fotos im Internet veröffentlicht worden - darunter auch intime Fotos Minderjähriger. Snapchat beteuert, die eigenen Server seien sicher.

Snapchat-Logo auf einem iPhone: Drittanbieter-Apps als Schwachstelle
DPA

Snapchat-Logo auf einem iPhone: Drittanbieter-Apps als Schwachstelle


Der Fotodienst Snapchat sieht sich mit einer riesigen Cyberattacke konfrontiert. Online wird sie seit Donnerstagabend unter dem Stichwort "The Snappening" diskutiert. Hunderttausende Snapchat-Bilder sollen von Unbekannten über Jahre hinweg gesammelt und nun ins Netz gestellt worden sein. Berichten von Internetnutzern zufolge befinden sich im Online-Archiv auch zahlreiche Nacktaufnahmen Minderjähriger, die unter den Straftatbestand der Kinderpornografie fallen.

Snapchat räumte am Freitag gegenüber dem Magazin "Business Insider" ein Bilder-Leak ein. Die Firma erklärte aber, die Bilder seien nicht von den eigenen Servern entwendet worden. Medienberichten zufolge sind insgesamt 13 Gigabyte an Foto- und Videomaterial ins Internet gestellt worden.

Die Website, auf der die Aufnahmen zunächst veröffentlicht wurden, ist mittlerweile offline, 4chan-Nutzer behaupten allerdings, die Daten gesichert zu haben. Angeblich erstellen sie derzeit eine Datenbank, in der sich nach konkreten Snapchat-Nutzernamen suchen lässt.

4chan, ein anarchisches Webforum, war jüngst bereits Hauptschauplatz eines Hacking-Skandals um geleakte Promi-Fotos gewesen, die aus Apples iCloud gestohlen worden waren. Die Aktion machte unter dem ähnlichen Stichwort "The Fappening" weltweit Schlagzeilen. Von "The Fappening" betroffen waren zum Beispiel die Schauspielerin Jennifer Lawrence und das Model Kate Upton.

Drittanbieter-Apps als Sicherheitsproblem

Die Messenger-App Snapchat, die gerade bei jungen Nutzern beliebt ist, zeichnet sich eigentlich dadurch aus, dass Bilder nach dem Ansehen rasch wieder verschwinden und gelöscht werden sollen. Praktisch lassen sich Bilder aber zum Beispiel durch Screenshots auch dauerhaft speichern.

In einer auf Twitter veröffentlichten Stellungnahme von Snapchat heißt es, die Nutzer seien Opfer der Attacke, weil sie Drittanbieter-Apps genutzt haben. Snapchat selbst untersagt Nutzern in seinen AGB, Drittanbieter-Apps zu verwenden.

Im Verdacht, mit der Bilder-Veröffentlichung zu tun zu haben, stehen unter anderem die Betreiber des mittlerweile verschwundenen Dienstes SnapSaved. Der Web-Client für Snapchat wurde damit beworben, dass sich mit der Anwendung per Snapchat verschickte Bilder speichern lassen.

Bei Snapchat selbst hatte es im Januar ein ernsthaftes Sicherheitsproblem gegeben: Hacker verschafften sich damals Zugang zu den Datenbanken des Messenger-Dienstes und veröffentlichten die Daten von 4,6 Millionen Nutzern. Die Datensätze enthielten auch die Telefonnummern der Anwender, die allerdings jeweils um die zwei letzten Ziffern gekürzt wurden.

mbö/dpa



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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 11.10.2014
1.
Und es wird wieder das Übliche hier kommen, Leute werden einerseits sagen wie dumm sie das finden und dass die Mädchen alle selber Schuld sind und wie schlimm sie das finden wenn Leute Nacktbilder von sich machen, und gleichzeitig suchen sie nebenher nach den Bildern. Es wird dringend Zeit, dass Nacktheit nicht mehr als Tabu gilt und solche Hacks keine Leben mehr zerstören. Wenn tatsächlich nach manchen Mädchen per Snapchat Acc gesucht werden kann, dann wird das Mobbing an der Schule erst richtig losgehen. Das ist das wirklich schlimme an der Geschichte.
emailaccount 11.10.2014
2. Tja nun...
Selbst schuld sind die Nutzer des Dienstes und ggf. der Dritt-Anbieter-Apps nicht, aber wer etwas tut muss sich im klaren über die Folgen seines Handels sein. Gerade weil es sich um sehr intime Aufnahmen handelt... Ist das gleiche mit der Cloud. Wenn man gehakt wird ist man Opfer, aber wer Daten von sich aus der Hand gibt muss wissen, ob er damit umgehen kann, wenn sie in falsche Hände geraten.
a.meyer79 11.10.2014
3. Doch
sie sind selber daran Schuld wenn sie die Fotos selber online speichern. Kein Onlinedienst der Welt garantiert Sicherheit. Von daher weiß man, worauf man sich einlässt.
Blue0711. 11.10.2014
4. lesen hilft
Zitat von Phil2302Und es wird wieder das Übliche hier kommen, Leute werden einerseits sagen wie dumm sie das finden und dass die Mädchen alle selber Schuld sind und wie schlimm sie das finden wenn Leute Nacktbilder von sich machen, und gleichzeitig suchen sie nebenher nach den Bildern. Es wird dringend Zeit, dass Nacktheit nicht mehr als Tabu gilt und solche Hacks keine Leben mehr zerstören. Wenn tatsächlich nach manchen Mädchen per Snapchat Acc gesucht werden kann, dann wird das Mobbing an der Schule erst richtig losgehen. Das ist das wirklich schlimme an der Geschichte.
Der Angriff war nur über Drittanbieter-Apps möglich. Also wussten die Anwender oder mussten wissen, welchem Risiko sie sich aussetzten. Oder meinen sie, bei kino.to waren die Nutzer auch völlig arme Unschuldige? SnapChat ist erstmal eine gute Sache, da Bilder nicht bestehen bleiben, sondern eben nur ein Snap bleiben. Wenn man willentlich die Sicherheitsvorkehrungen umgeht, dann ist man sehr wohl selbst schuld, wenn man dadurch anderen den Zugang erleichtert. Offenbar MUSS sowas passieren, bis die Allgemeinheit endlich begreift, das digitale Sicherheit eine relative Angelegenheit ist. Peinlich daran, dass das auch Jugendliche trifft, ist höchstens die seit Jahren bestehende Ignoranz bzgl. der absoluten Notwendigkeit von Vermittlung von Medienkompetenz seitens Eltern und Schule. Noch heute schreit einem da bodenlose Gleichgültigkeit entgegen. Wer sich digital selbst darstellt, muss halt genau wissen, was er tut. Aus Fehlern lernt man dort uU. sehr schmerzhaft.
schweinehaxxxen 11.10.2014
5. .
Deswegen brauchen wir eine ordentliche Aufklärungsarbeit. Medienkompetenz ist heute offensichtlich bereits für die kleinsten notwendig. Die Eltern sind in der Pflicht, zudem muss auch an Schulen mehr aufgeklärt werden.
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