Motivation für Jungwähler Snapchat führt Filter zur Bundestagswahl ein

In der Foto-App Snapchat wirds politisch: Ab sofort können Nutzer mit einem speziellen Filter den Wahlkampf kommentieren. Dahinter steckt eine Aktion mit ehrgeizigem Ziel.


Welpenohren, Kulleraugen und Feenstaub: Normalerweise haben Snapchat-Filter hauptsächlich den Zweck, Selfies der App-Nutzer aufzupeppen, bevor man sie mit seinen Freunden teilt. Pünktlich zur Bundestagswahl können die Nutzer ihre Schnappschüsse aber auch mit einer politischen Botschaft verzieren. Ab heute gibt es einen Filter, der dazu aufruft, am 24. September wählen zu gehen.

Für die Aktion kooperiert das Herstellerunternehmen Snap mit der privaten Initiative "Mit mir 90 Prozent". Dahinter steckt eine Gruppierung aus Marketingexperten und Unternehmern aus Hamburg, die mit prominenter Unterstützung die Wählerschaft für die Bundestagswahl mobilisieren will.

Ihr Ziel ist es, mindestens 90 Prozent aller Stimmberechtigten dazu zu bewegen, am Wahlsonntag ihr Kreuz zu machen. Dabei setzen die Macher vor allem auf die Macht der sozialen Medien und holten sich neben Snapchat auch Facebook und Instagram ins Boot. Gemeinsam sollen die Netzwerke vor allem die junge Wählerschaft mobilisieren. Es ist ein ehrgeiziges Vorhaben: Eine Wahlbeteiligung von 90 Prozent gab es zuletzt in den Siebzigerjahren.

Fünf Millionen deutsche Nutzer

Gerade Snapchat scheint aber das ideale Sprachrohr zu sein für eine solche Kampagne. Laut Unternehmensangaben nutzen mehr als fünf Millionen Deutsche die App täglich, wie etwa das "Handelsblatt" berichtete. Etwa 60 Prozent der deutschen Snapchat-Nutzer seien demnach über 18 Jahre alt, viele davon dürften wahlberechtigt sein.

Mit der App lassen sich Nachrichten an Freunde verschicken, die sich nach einigen Sekunden selbst löschen. Außerdem können Nutzer sogenannte "Storys" anlegen, also Geschichten aus aufeinanderfolgenden Videos oder Fotos. Die können für 24 Stunden von anderen Nutzern abgerufen werden. Außerdem kooperiert Snapchat im Bereich "Discover" mit diversen Medienunternehmen weltweit. In Deutschland zählt zum Beispiel SPIEGEL ONLINE zu den Partnern.

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Anleitung für Einsteiger: So funktioniert Snapchat

Die meisten privaten Nutzer teilen auf Snapchat unterhaltsame Inhalte - zum Beispiel eben Selfies, die in der App durch spezielle Filter verzerrt oder verändert werden.

Im vergangenen Jahr zeigte sich die App aber durchaus auch politisch und gab Nutzern in den USA die Möglichkeit, die Präsidentschaftswahl mit einem speziellen Filter zu kommentieren. Auch im Vorfeld der Parlamentswahl in Großbritannien im Juni führte Snapchat einen Wahl-Filter ein, der Jungwähler dazu motivieren sollte, sich vorschriftsgemäß für die Wahl registrieren zu lassen.

In Deutschland liegt die Wahlbeteiligung der Jungwähler traditionell unter dem Durchschnitt. Zur Bundestagswahl 2013 fiel sie unter den 21- bis 24-Jährigen am niedrigsten aus: 60,3 Prozent dieser Gruppe gaben damals ihre Stimme ab. Erstwähler zeigten offenbar mehr Engagement: In der Gruppe der unter 21-Jährigen gingen 64,2 Prozent an die Wahlurnen. Am stärksten war die Wahlbeteiligung unter den 60- bis 69-Jährigen. Hier beteiligten sich zu 79,8 Prozent an der Abstimmung.

str

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