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Nach Tinder jetzt Snapchat: Zurückspulen? Erst zahlen!

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Snapchat-App: Nutzer können selbst bestimmen, wie lang andere ihre Inhalte sehen dürfen Zur Großansicht
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Snapchat-App: Nutzer können selbst bestimmen, wie lang andere ihre Inhalte sehen dürfen

Snapchat lebt von Flüchtigkeit: Fotos und Videos verschwinden nach dem Ansehen. Jetzt kassiert die Chat-App diese Funktion. Für 99 Cent gibt es drei Wiederholungen. Auch die Flirt-App Tinder nimmt Geld fürs Zurückspulen.

Bilder und Videos, die nach einmaligem Anschauen automatisch verschwinden: Mit dieser Funktion ist der 2011 gestartete Messenger Snapchat weltweit bekannt geworden - so bekannt, dass es mittlerweile über Hundert Millionen Menschen geben soll, die die App mindestens einmal täglich nutzen. Snapchat verspricht nicht zuletzt Flüchtigkeit für all jene, die sich um ihre Privatsphäre sorgen.

Von 2013 an bot der Dienst dann die Möglichkeit, jeden Tag einmal einen zweiten Blick auf exakt ein Foto oder ein Video zu werfen. Dank dieser Wiederholung war das Verschwinden der Inhalte also nicht mehr ganz so endgültig. Natürlich konnte man auch schon immer Screenshots von Snaps machen oder einen Clip extern mitschneiden.

Mit einem neuen Update verlieren Snapchat-Inhalte nun noch mehr von ihrer Flüchtigkeit - zumindest wenn es sich der Empfänger leisten kann. Die App bietet US-Nutzern seit Dienstag eine erweiterte Replay-Option an. Mit ihr kann man sich gegen einen In-App-Kauf für 0,99 Dollar drei Nachrichten noch einmal anschauen. Zehn Replay-Chancen kosten 2,99 Dollar, 20 gibt es für 4,99 Dollar.

Einerseits scheint Snapchat neben Werbeeinblendungen eine weitere Erlösquelle gefunden zu haben, die das Unternehmen für marktreif hält. Anderseits löst sich die Firma mit der Funktion vom Grundkonzept ihrer App. Denn Nachrichten schicken, die man sich mehr als einmal ansehen kann, funktioniert auch mit jeder anderen Chat-App - und das kostenlos.

"Zeit ist Geld"

Im Snapchat-Blog heißt es: "Wir haben pro Tag eine Replay-Chance angeboten, was manchmal die Millionen von Nutzern frustrierte, die jeden Tag viele Snaps erhalten, die eines Replays würdig wären. Aber dann wurde uns bewusst: Ein Replay ist wie ein Kompliment. Also warum sollte man bei nur einem aufhören?"

Einen Absatz weiter erklärt Snapchat, dass sich jeder Inhalt maximal einmal gegen Geld zurückspulen lässt, bevor ein ungewohnter Satz fällt: Die Replays seien "ein wenig teuer", heißt es, "aber Zeit ist Geld! ;)". Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Firma ihr neuestes Angebot als Gegenteil von einem Schnäppchen inszeniert.

Snapchat ist nicht die erste Firma, die ihrer App im Nachhinein Einschränkungen wegnimmt, die viele Stammnutzer irgendwann geärgert haben könnten. Auch beim Flirtservice Tinder hatten sich Nutzer über Monate hinweg daran gewöhnt, dass ihr Wischen nicht ganz unbedeutend war: Hatte man nämlich einmal per Links-Wisch sein Desinteresse an jemandem bekundet, tauchte diese Person in der Regel nie wieder im Strom der Flirtwilligen auf.

Zurückwischen gegen Geld

Im Frühjahr stellte das Unternehmen jedoch Tinder Plus vor, eine Premiumversion der App, die sich gegen einen Monatspreis freischalten lässt. Der Preis dafür liegt Nutzerberichten zufolge meistens zwischen 2,99 und 14,99 Euro, älteren Nutzern wird der In-App-Kauf teurer angeboten. Tinder Plus bietet die Option, ein Wischen rückgängig zu machen, falls man seine Meinung im Nachhinein ändert. Außerdem gibt es in der kostenlosen Version mittlerweile ein Tageslimit vorgeschlagener Kontakte.

Während Tinder Plus offenbar recht gut angenommen wird - Tinder taucht zum Beispiel unter den 20 umsatzstärksten iPhone-Apps auf -, muss sich im Fall von Snapchat erst zeigen, wie die Nutzer das neue Angebot finden. In den sozialen Netzwerken reagieren viele Kommentatoren irritiert bis kritisch auf den Bezahlvorstoß: So fragen sich etwa bei Reddit einige, ob den App-Machern kein anderes Monetarisierungskonzept eingefallen sei.

Ein Reddit-Nutzer kommentiert: "Wenn ich Snapchat benutzen würde, würde ich die Betreiber nicht dafür bezahlen, Inhalte noch einmal abzuspielen, die Nutzer erstellt haben." Und eine Twitter-Nutzerin schreibt, das Bezahlen für Snapchat-Replays würde sie an eine andere App erinnern: an das Handyspiel "Candy Crush".

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Kohle
cindy2009 16.09.2015
Nein, ich will nicht auf co2 hinaus. Aber umsonst ist halt doch nur der Tod.
2. Großartiges Unternehmertum
peter-k 16.09.2015
Mit NICHTS Geld verdienen. Das ist noch besser als schnittfestes Wasser oder essbare Luft verkaufen.
3. ? ?
xenoxx 16.09.2015
Bin ich zu blöde? Mir erschliesst sich der Sinn dieser fantastischem Apps definitiv nicht. Zumindest nicht auf Seiten der Nutzer.
4.
themistokles 16.09.2015
Zitat von peter-kMit NICHTS Geld verdienen. Das ist noch besser als schnittfestes Wasser oder essbare Luft verkaufen.
Bitte was? Vorschlag: Dann programmieren Sie doch einfach auch mal so eine App. Anschließend mieten Sie ein paar Server oder alternativ setzen diese auf. Und hier bitte nicht die Punkte Sicherheit und Stabilität vergessen. Wenn ihre App dann einmal läuft, vergessen Sie bitte nicht an Udates, Mitgliederverwaltung, etc. zu denken.
5. Konsument
Attlila 16.09.2015
Ja, wir sind Zahlvieh geworden. Ich halte es aber so wie früher: GGG für solche (Erpresserzahl) Programme. Gesehn Gelacht Gelöscht Tinder flog übrigens auch raus...
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