Spanische Fußball-Liga App für Fans macht Pay-TV-Betrüger ausfindig

Die offizielle App der spanischen Fußball-Liga aktiviert während der Spiele das Mikrofon und die GPS-Ortung des Smartphones. So werden Kneipenbesitzer lokalisiert, die Fußball zeigen, aber nicht dafür zahlen.

Lionel Messi vom FC Barcelona
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Die offizielle Smartphone-App der spanischen Fußball-Liga wird von rund zehn Millionen Fans genutzt, um sich aktuelle Spielstände, Nachrichten und Statistiken anzeigen zu lassen. Die Liga selbst nutzt die Anwendung aber für ganz andere Zwecke: Sie lokalisiert damit Kneipen, die Fußballspiele übertragen, ohne die fälligen Gebühren für das Pay-TV-Angebot zu zahlen. Zu diesem Zweck greift die App auf das Mikrofon und die GPS-Ortungsfunktion des jeweiligen Smartphones zu, wie die spanische Zeitung "El Diario" herausgefunden hat. Die Liga hat das bestätigt.

Das Mikrofon wird demnach aus der Ferne aktiviert, wenn die Spiele laufen. Erkennt die App die entsprechenden Fußball-Geräusche aus einem Fernsehgerät im Hintergrund, kann sie über die Ortungsfunktion auch feststellen, wo der Smartphone-Besitzer gerade Fußball guckt. Stimmen die Geodaten mit denen einer Kneipe überein, nimmt die Liga einen Abgleich mit ihren Daten vor. So stellen die App-Macher fest, ob der Kneipeninhaber als Gebührenzahler registriert ist.

Die Liga teilte mit, dass dabei nicht das reine vom Mikrofon aufgenommene Audiosignal an sie übertragen werde, sondern ein daraus erstellter Binärcode. So solle die Privatsphäre der Nutzer geschützt werden.

Fans als Spitzel - freiwillig oder nicht?

Da viele Kneipenbesitzer zwar Fußball zeigen, aber nicht dafür zahlen, entsteht der Liga und damit den Vereinen nach eigenen Angaben ein Schaden in Höhe von 150 Millionen Euro im Jahr. Damit rechtfertigt sie, die App-Nutzer als "Spitzel" einzusetzen, wie Kritiker es ausdrücken.

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Inwieweit die Fans wissen, was die App tut, ist unklar. Sie erfordert eine einmalige Anmeldung, an deren Ende zwei Häkchen zu setzen sind. Das erste besagt, dass man die Nutzungsbedingungen akzeptiert, hier muss das Häkchen von jedem Nutzer gesetzt werden. Das zweite ist optional - hier wird beschrieben, dass Mikrofon- und Standortdaten verwendet werden, um Betrugsversuche von Gaststätten aufzudecken. Wie das genau funktioniert, steht dort nicht.

Die Betriebssysteme Android und iOS, für die es die App gibt, erlauben es Nutzern prinzipiell, einer Anwendung nachträglich einzelne Berechtigungen wie zum Beispiel den Standortzugriff zu entziehen. Allerdings funktionieren einige Apps dann nicht mehr.

pbe

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insgesamt 4 Beiträge
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hman2 11.06.2018
1. Eindeutig rechtswidrig nach DSGVO
...und da das eine europäische Verordnung ist, gilt das auch in Spanien.
swnf 11.06.2018
2. Wieso?
Zitat von hman2...und da das eine europäische Verordnung ist, gilt das auch in Spanien.
Können Sie Ihre Aussage auch belegen? Dem Artikel nach habe ich das nämlich so verstanden, dass hier keine personenbezogenen Daten verwendet werden!
komatzu 11.06.2018
3. natürlich ist das absolut rechtswidrig
auch eine Umwandlung in einen binärcode oder Sonst Was ist eine Aufnahme des gesprochenen Worts und wer sagt denn dass man das nicht zurück wandeln kann. solche appbetreiber sollten sofort abgemahnt werden.
sirgorath 11.06.2018
4.
Zitat von komatzuauch eine Umwandlung in einen binärcode oder Sonst Was ist eine Aufnahme des gesprochenen Worts und wer sagt denn dass man das nicht zurück wandeln kann. solche appbetreiber sollten sofort abgemahnt werden.
Nein ist es nicht. Das hören von gesprochenem Wort ist in keinster Weise rechtswidrig. Lediglich das Speichern davon ist rechtswidrig. Wenn nun die gehörte Sprache in einen hash Wert umgewandelt und so übertragen wird, gibt es keine Aufnahme von ihrer Stimme. Lediglich eine folge von 1 und 0, welche nicht mehr zurückgewandelt werden kann. (das ist der Sinn hinter einem hash Wert) Es ist lediglich verboten Personenbezogene Daten zu speichern. Ein binärer Zeichenstrang ist leider nicht personenbezogen.
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