Neue Videofunktion Spotifys spärliches YouTube-Cover

Bei Spotify gibt es jetzt auch Podcasts und Videos - darunter Comedy von YouTubern und Sendungen aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Braucht die Welt das?

Videoauswahl bei Spotify: Jimmy Kimmel neben den Lochis

Videoauswahl bei Spotify: Jimmy Kimmel neben den Lochis

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Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Spotify hat ein gewisses Talent darin, neue Funktionen auszurollen, ohne dass es jemand mitkriegt. Gerade erst hat ein neues Angebot die Betaphase überstanden: In der Android-App gibt es seit einigen Tagen den Menüpunkt "Shows", hinter dem sich Videoclips und Podcasts verbergen. Dass Spotify auch Videos anbieten will, hatte der Dienst im Mai angekündigt. Jetzt wurde die Ankündigung offenbar in die Tat umgesetzt, auch die iOS-App wird aktualisiert.

Dabei lässt sich so mancher meiner Bekannten immer noch mit der Monate alten Information überraschen, dass der weltgrößte Streamingdienst Hörbücher im Angebot hat: Es gibt Titel von so unterschiedlichen Autoren wie Tommy Jaud, Lena Dunham und Ernest Hemingway, ohne jeglichen Aufpreis.

Wie sich diese Dateien allerdings ohne gezielte Hinweise finden lassen, weiß auch ich nicht. Ein entsprechender Menüpunkt existiert nicht, ich gebe immer "Hörbücher" in die Suche ein, um mich dann umständlich durch Playlists und Dutzende Einzeltitel zum Startkapitel eines Buches zu navigieren.

Audiopodcasts bei Spotify: Viele öffentlich-rechtliche Formate

Audiopodcasts bei Spotify: Viele öffentlich-rechtliche Formate

Ein wenig Presserummel gab es vergangene Woche um die neue "Shows"-Funktion, in der App selbst habe ich sie nur durch Zufall entdeckt. Es ist also nicht auszuschließen, dass den Videos zunächst das Schicksal der Hörbücher droht: Es gibt sie, aber kaum jemand merkt das.

Die Lochis und "Top Gear"

Dabei ist der Katalog an Videos und Podcast durchaus einen Blick wert. Zum Start scheint er vor allem aus Produktionen des von YouTube bekannten Netzwerks Mediakraft und Inhalten des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks zu bestehen, darunter Clips der Teeniestars Die Lochis und die "Tagesschau in 100 Sekunden". Dazu gibt es zum Beispiel Ausschnitte aus dem BBC-Automagazin "Top Gear" und der amerikanischen Late-Night-Show "Jimmy Kimmel Live", beide auf Englisch ohne Untertitel.

Ein wenig eigenwillig mutet der Mix aus US-Highlights, öffentlich-rechtlichen Angeboten und YouTube-Inhalten dann aber doch an, zumal eine für Spotify naheliegende Kategorie "Musik" fehlt. Stattdessen gibt es etwa "Technik und Gaming", "Nachrichten" und "Comedy". Das alles sind nette Häppchen für zwischendurch, Material, das man sich sicher gern anschaut, solange es nichts extra kostet.

Ähnlich dürfte die Funktion von Spotify gedacht sein, der Dienst wirbt jedenfalls mit dem Spruch: "Mit Musik macht das Leben mehr Spaß. So viel steht fest. Aber manchmal will man auch nur ein Video schauen oder sich die Nachrichten ansehen." Das wirkt ein bisschen lustlos und fast so, als hätte der Dienst sein Videoangebot vor allem aufgebaut, um damit werben zu können, dass es bei ihm jetzt auch Videos gibt. Keine Musikvideos, sondern Unterhaltungs-Clips, exklusiv in der Mobil-App.

Jimmy-Kimmel-Clip: Die Videos lassen sich bislang nicht herunterladen oder zu Playlists zusammenstellen; sie lassen sich nur als nächster Clip in die Wiedergabeliste packen

Jimmy-Kimmel-Clip: Die Videos lassen sich bislang nicht herunterladen oder zu Playlists zusammenstellen; sie lassen sich nur als nächster Clip in die Wiedergabeliste packen

Der Hintergedanke, das eigene Angebot vielfältiger machen zu wollen, ist zumindest nachvollziehbar. Der Markt für Streaming-Angebote ist in den letzten Monaten in eine neue heiße Phase gekommen, nicht nur durch den Start von Apple Music. Das für die Wettbewerber ärgerlichste Angebot dürfte eher Amazon Prime sein, eine Versandkostenflatrate, die es Kunden zusätzlich erlaubt, auf einen konzerneigenen Video- und einen Musik-Streamingdienst zuzugreifen.

YouTube ist aktueller

Das alles bietet Amazon für einen Dumpingpreis von 49 Euro im Jahr, so dass Prime-Kunden darüber nachdenken werden, ob sie wirklich weitere Videoflatrates oder Musikdienste wie Spotify brauchen. Deren Angebot mag facettenreicher und umfangreicher sein, dafür kostet zum Beispiel Spotifys werbefreie Premium-Variante zehn Euro im Monat. Das sind im Jahr 120 Euro - ein Preis, der sich mit einem netten Videoangebot vielleicht eher rechtfertigen lässt?

Momentan allerdings lässt die Umsetzung der "Shows"-Funktion zu wünschen übrig. Im WLAN funktioniert das Abspielen problemlos, doch mit Blick auf einige von von YouTube bekannten Inhalte hat man das Bauchgefühl, sich durch eine Lightversion der Videoplattform zu klicken.

So waren Stand Montagmorgen zum Beispiel der Kanal der Lochis und "So geht das" nicht auf dem neuesten Stand, auf YouTube bekam man zwei beziehungsweise drei neuere Videos zu sehen. Auf Nachfrage bei Mediakraft heißt es, das Netzwerk arbeite daran, dass die Spotify-Inhalte häufiger aktualisiert werden. Bei den Videos auf Spotify komme es ohnehin "weniger darauf an, dass sie brandaktuell sind, sondern dass sie einen Mehrwert bieten und unterhaltsam sind".

Spotify-Video der Lochis: Den selben Clip gibt es auf YouTube

Spotify-Video der Lochis: Den selben Clip gibt es auf YouTube

Doch auch wenn die Clips pünktlich erscheinen oder sowieso zeitlos sind, bleibt die Frage, warum man sie ausgerechnet über die App des Musikdienstes schauen sollte. YouTube hat eine eigene Smartphone-App, zudem lassen sich die Videos dort kommentieren. In der Spotify-App kann man bislang nicht einmal teilbare Videoplaylists anlegen und auch eine Downloadmöglichkeit für Clips - eins der Killerfeatures des künftigen YouTube-Bezahlangebots Red - existiert nicht, nicht einmal für Premium-Kunden.

Podcasts lassen sich herunterladen

Mit Blick auf die nun ebenfalls verfügbaren Podcasts wird "Shows" wohl einen besseren, aber bei weitem keinen leichten Stand haben: Sowohl für Android als auch für iOS existieren jede Menge beliebte Podcast-Apps, deren Angebot an abonnierbaren Kanälen ähnlich breit ist.

Positiv fällt bei den Podcasts zumindest auf, dass sie sich zum Offline-Hören herunterladen lassen. Ein Erstellen von Playlists, die sowohl Musik als auch Podcasts enthalten, ist allerdings auch hier nicht möglich.

Kurz gesagt: Dafür, zum Videogucken und Podcasts hören plötzlich den Anbieter zu wechseln, fehlen die Anreize. Starke Exklusivinhalte könnten so ein Argument sein, aber die scheint es bislang nicht zu geben. Aber hey, irgendwo hat Spotify jetzt wieder ein paar neue Inhalte im Angebot versteckt.


Zusammengefasst : In der Spotify-App gibt es seit Kurzem Podcasts und Videos, darunter Inhalte des von YouTube bekannten Netzwerks Mediakraft und aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Noch fehlt allerdings das schlagende Argument, warum man die Clips mit Spotify und nicht über andere Dienste abrufen soll.

Update, 18:50 Uhr: Mittlerweile sind auch die morgens noch fehlenden Videos der Lochis und von "So geht das" auf Spotify zu finden.



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insgesamt 5 Beiträge
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dweird 01.02.2016
1. Braucht die Welt das?
Nein. Und braucht die Welt YouTube? Noch mal Nein.
fratan666 01.02.2016
2. @dweird:
Braucht die Welt ihren Kommentar? Nein. Warum müssen Menschen wie Sie immer ihren unqualifizierten Senf zu Themen abgeben, welche Sie doch sowieso nicht interessieren? "Aber das wird man ja wohl noch sagen dürfen"....
Mr. Bergstrom 01.02.2016
3. YouTube Red wird interessant
Mit YouTube Red wird bald in Deutschland ein Angebot starten, dass aktuell eine bessere Alternative zu Apple Music und Spotify werden kann. Werbefreies YouTube und eine eigene App für Musikvideos mit der größten Auswahl am Markt und zusätzlich noch eine klassische Musikstreaming-Flat. Das alles zum selben Preis wie die Streaming-Konkurrenz ist eigentlich unschlagbar. Gerade für die jüngere Zielgruppe, die gerne Musik streamt und gleichzeitig häufig YouTube nutzt. Spotify wird mittelfristig Probleme bekommen, ein ähnlich gutes Angebot hinzubekommen. Vor allem muss Spotify das alles aus eigenen Mitteln finanzieren, während Apple und Google mit dem Angebot auch ohne Probleme dauerhaft Verluste machen können.
mihama 01.02.2016
4. Podcasts und Videos
Ich habe schon länger nach Podcasts gesucht, da ich aufgrund fehlenden Fernsehkonsums aber recht viel Wartezeit beim Pendeln etwas gesucht habe, das ich mir gerne mal wie Radio anhöre, ohne mir irgendwelche "superwitzigen Späße" der Moderatoren antun muss. Ob die Videofunktion jedoch Spotify Premium für mich interessanter macht? Die meisten Inhalte sind auf YouTube sowieso verfügbar, aber daheim auf einem weitaus größeren Bildschirm. Nach wie vor ist Spotify für mich ein Musik-Streaming-Dienst, der einfach gut funktioniert, aber jetzt eben mit dem netten Gimmick des Podcasts. Die Videos hingehen werde ich wohl nicht besonders beachten, auch wenn die Tagesschau in 100 Sekunden ein nettes Infoprogramm für zwischendurch ist. Ob ich Spotify Premium nach den 3 Monaten für 99ct weiter abonniere steht noch nicht fest, aber zur Konkurrenz werde ich schon allein aus Bequemlichkeit nicht wechseln. Sollte sich herausstellen, dass Spotify Premium mir später doch fehlt, dann sind die 10?/Monat halt ausgegeben.
cuetec 01.02.2016
5. Hörbücher
..habe ich auch oft gesucht, diese lassen sich jedoch gut mit mit der App "Spooks" finden und in Spotify öffnen.Ist etwas umständlich,aber zumindest ein übersichtlicher Katalog.Die Videofunktion finde ich nutzlos,ich hätte mir eher einen Genrekatalaog gewünscht, sowie schnellere Ladezeiten.
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