Apps im Test: Hübscher twittern mit Android

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So bringen Sie Ihrem Androiden das Twittern bei: Wir haben fünf Apps für das beliebte Nachrichten-Netzwerk getestet und mit der offiziellen Twitter-App verglichen. Einige bieten echte Vorteile gegenüber dem Standard-Client.

Schnell, allgegenwärtig, weltumspannend: Twitter ist längst eine Art Betriebssystem des Echtzeit-Webs der Gegenwart. Das soziale Netzwerk rund um die auf maximal 140 Zeichen begrenzten Nachrichten zählt mehr als eine halbe Milliarde Nutzer. Nicht alle davon echt, nicht alle davon aktiv. Viele davon werden automatisch befüllt, zum Beispiel, wenn es ein Update auf einer Website gibt.

Doch genügend Menschen teilen Gedanken, Links, Fotos und Wut mit der Netzöffentlichkeit, dass aus Twitter so etwas wie ihr Spiegel geworden ist. Ein virtueller Raum, in dem sich Nachrichten binnen Sekunden fortpflanzen. Das kann überwältigend sein, verwirrend und kompliziert. Apps wollen die Twitter-Nutzung vereinfachen. Fünf Alternativen zur offiziellen Twitter-App für Android haben wir auf einem HTC Desire HD mit Android 2.3.5 ausprobiert. Viele der Apps davon bieten echte Vorteile:

1. Die Alles-drin-App: Plume

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Plume ist eine ausgereifte Twitter-App für Android. Zwischen Timeline, Erwähnungen und Nachrichten lässt sich mit Fingerwischen wechseln, mit einem kurzen Tipp werden Funktionen für den jeweiligen Tweet oder die jeweilige Nachricht eingeblendet. Weitere Ansichten lassen sich hinzufügen, etwa alle Tweets von Leuten, die in eine Liste sortiert wurden, oder aber Facebook-Updates. Nervende Nutzer und uninteressante, mit Hashtag versehen Themen lassen sich ausblenden. Die Einstellmöglichkeiten sind vielfältig, bis hin zu der Frage, ob Bilder in der Timeline als Vorschau, oder in welcher Farbe die Tweets eines Nutzers angezeigt werden - auf Wunsch übernimmt Plume die Farbeinteilung auch automatisch für alle Nutzer.

Nachteil: Sind in einem Tweet mehrere Links, lassen sie sich nicht direkt aus der Timeline, sondern erst über ein nachgeschaltetes Menü aufrufen. Links lassen sich nicht bei Online-Lesezeichendiensten speichern. Der Link, um die Premium-Version aus der App heraus zu kaufen, führt zu der kryptischen Fehlermeldung [DF-DIC-02].

Preis: Mit Werbung kostenlos über Google Play erhältlich, die Premium-Version kostet 4,41 Euro.


2. Die Typische: Tweetcaster

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Tweetcaster ist eine umfassende Twitter-App, die nützliche Extras bietet. So lassen sich Links nicht nur im Browser öffnen, sondern an Online-Diensten wie Readability, Instapaper oder Pocket weiterreichen. Praktisch: Mit der Funktion "Smart Filter" lassen sich nur Tweets mit Links, Bildern, Videos oder Stichworten ansehen. Mittels "Zip It" können Nutzer und Tweets mit bestimmten Wörtern stummgeschaltet werden. Interessant: In der "My Stats"-Ansicht kann man sehen, wen man in Tweets besonders häufig erwähnt, wem man am öftesten Sternchen vergibt und wie oft man pro Tag eine Nachricht absetzt.

Nachteil: Das Tippen auf einen Tweet öffnet immer erst ein sehr umfangreiches Menü, Links lassen sich nicht direkt aufrufen. Und seien wir ehrlich: Die offizielle Twitter-App für Android sieht besser aus. Auf unserem HTC-Telefon wird in einem Einstellungsmenü aus dem "ß" in meinem Namen ein umgedrehtes Fragezeichen und eine Bruchzahl.

Preis: Mit Werbung kostenlos bei Google Play, die Pro-Version ohne Anzeigen kostet 3,72 Euro.


3. Die Aufgeräumte: UberSocial

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UberSocial punktet mit einer klaren, aufgeräumten Oberfläche. Das Tippen auf das Kamera-Icon am oberen Bildschirmrand ist eine praktische Abkürzung: Damit ruft man direkt die Fotofunktion auf, anschließend lässt sich das Bild veröffentlichen. Links lassen sich nicht direkt aus der Timeline öffnen, mit einem Tippen öffnet man einen Tweet und bekommt Funktionen angezeigt. Ist ein Link enthalten, wird der entsprechende Link automatisch im selben Fenster darunter geöffnet, ebenso werden Medieninhalte angezeigt. Nutzer lassen sich zu einem "Inner Circle" hinzufügen und lassen sich so gezielt "verfolgen".

Nachteil: UberSocial verrichtet unauffällig seinen Dienst, zur Perfektion fehlen der App allerdings die Anbindungen an Online-Dienste für Lesezeichen. Eine Stummschaltefunktion für Themen, wie sie Plume, Tweetcaster und Slices anbieten, fehlt auch.

Preis: Version mit Werbung kostenlos bei Google Play, die Pro-Version ohne Anzeigen kostet 3,98 Euro.


4. Für Vielnutzer: Slices

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Slices richtet sich vor allem an Twitter-Nutzer, die vielen anderen Twitterern folgen. Diese lassen sich in nichtöffentliche Listen sortieren, sogenannte Slices. Anzeigen lassen kann man sich wiederum alle Tweets, oder nur solche mit Fotos und Videos. Bilder werden als Thumbnail in der Timeline angezeigt. Mit der "Zip it"-Funktion lassen sich Tweets von bestimmten Nutzern oder mit bestimmten Wörtern oder Hashtags einfach ausblenden. Wie bei Tweetbot ist der Online-Dienst Readability eingebunden, ebenso Instapaper, Pocket und Readability.

Nachteil: Einige Elemente sind dann doch etwas klein geraten. Die Tweets wiederum werden so groß dargestellt, das auf dem HTC Desire HD mit 4,3-Zoll-Display oft nur zwei davon zu sehen sind. Um in der Timeline nach ganz oben zu springen, muss erst ein Menü aufgerufen werden. Und wer giftgrün nicht mag, wird mit Slices nicht glücklich werden.

Preis: Version mit Werbung kostenlos bei Google Play, die Pro-Version ohne Anzeigen kostet 3,97 Euro.


5. Die Altlast: Twicca

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Twicca ist in die Jahre gekommen. Vor einem Jahr noch von "Lifehacker" zur besten Twitter-App für Android ausgerufen, gelobt für minimalistische Oberfläche und Funktionen, ist die App nun hoffnungslos überholt.

Nachteil: Veraltet. Nur ein Account möglich, keine Stummschalte-Funktion, keine Benachrichtigungen an das Android-System.

Preis: Wer es wirklich wissen will: kostenlos bei Google Play.


6. Die Solide: Twitter

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Twitter heißt die offizielle Android-App, die sich sich stark am Aussehen der Website orientiert. Eine Oberfläche auf allen Geräten, so findet man sich schnell zurecht. Die App reagiert schnell auf Benutzerangaben und fühlt sich dabei stabil an - etwas, dass bei Android-Apps leider immer noch nicht selbstverständlich ist. Schriftgröße und ein HTTP-Proxy lassen sich einstellen.

Nachteil: Keine zusätzlichen Funktionen, sieht man vom "Teilen"-Menü ab, das alle auf dem Smartphone dafür angemeldeten Apps auflistet.

Preis: Twitter gibt es kostenlos bei Google Play.


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insgesamt 6 Beiträge
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1. hübsch?
nopeecee 15.10.2012
an diesem geklauten OS ist nichts hübsch bzw schlecht abgekupfert
2. Was ist mit Tablets?
deckard42 15.10.2012
wir leben in einer Zeit, in welcher das Tablet den Notebook immer mehr ablöst. Es gibt genügend Menschen, die abends auf der Couch twittern wollen. Und da machen fast alle genannten Apps ein schlechtes Bild. Ich kann an der Stelle TweetCaster empfehlen, dass viel Informationen im Querformat unterbringt und noch sehr bedienungsfreundlich ist.
3. Blanker Neid?
spiegelreflexion 15.10.2012
Zitat von nopeeceean diesem geklauten OS ist nichts hübsch bzw schlecht abgekupfert
Schlecht abgekupfert ist in Android tatsächlich nichts. Auch wenn ein Apple-Fan keine Ahnung von Technik haben braucht, weil in diesem Bausatz allles sorgfältig aufeinander abgestimmt ist und alles, was eventuell schwierig werden könnte, nicht angeboten wird, wäre ein wenig Grundwissen nicht zu verachten: Android ist genau da "geklaut", wo auch IOS "geklaut" ist, nämlich bei Linux (Unix). Aber gut, daß Sie vergleichen, so kommen Sie irgendwann zu fundierten Urteilen.
4.
truditheater 15.10.2012
Zitat von spiegelreflexionSchlecht abgekupfert ist in Android tatsächlich nichts. Auch wenn ein Apple-Fan keine Ahnung von Technik haben braucht, weil in diesem Bausatz allles sorgfältig aufeinander abgestimmt ist und alles, was eventuell schwierig werden könnte, nicht angeboten wird, wäre ein wenig Grundwissen nicht zu verachten: Android ist genau da "geklaut", wo auch IOS "geklaut" ist, nämlich bei Linux (Unix). Aber gut, daß Sie vergleichen, so kommen Sie irgendwann zu fundierten Urteilen.
Das ist nicht richtig. Linux ist nicht gleich Unix. Linux ist an Unix angelehnt, beruht aber nicht direkt auf dem System, sondern beinhaltet nur Elemente (POSIX). Linux stand seit Anfang der 90er in der Entwicklung. iOS hingegen beruht auf dem reinen UNIX, da es den gleichen Kern wie Mac OS X besitzt, welches wiederum aus NextStep heraus entwickelt wurde. NextStep gibt es übrigens schon seit Mitte der 80er.
5.
spiegelreflexion 15.10.2012
Zitat von truditheaterDas ist nicht richtig. Linux ist nicht gleich Unix. Linux ist an Unix angelehnt, beruht aber nicht direkt auf dem System, sondern beinhaltet nur Elemente (POSIX). Linux stand seit Anfang der 90er in der Entwicklung. iOS hingegen beruht auf dem reinen UNIX, da es den gleichen Kern wie Mac OS X besitzt, welches wiederum aus NextStep heraus entwickelt wurde. NextStep gibt es übrigens schon seit Mitte der 80er.
Danke für die Präzisierung! Ändert aber auch nichts daran, daß beide Systeme auf Unix basieren und der Vorwurf geklaut unbegründet ist.
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