Neue Strategie gegen Hassrede Twitter geht selbst auf Hetzerjagd

Wer beleidigt, bedroht oder belästigt andere auf Twitter? Bisher wartet das Netzwerk auf Nutzerhinweise, um diese Frage zu beantworten. Künftig will Twitter per Software Hetzer suchen und bestrafen.

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Twitter verschärft sein Vorgehen gegen Belästigungen, Mobbing und Hassrede. Der Kurznachrichtendienst will jetzt auch aktiv nach Profilen Ausschau halten, von denen aus andere Nutzer angegriffen werden. "Es wurde deutlich, dass Twitter einen Teil der Last von den Nutzern nehmen muss - und eingreifen, noch bevor sie etwas melden", sagte Twitter-Managerin Sinéad McSweeney der Nachrichtenagentur dpa zu den am Mittwoch angekündigten Neuerungen. Bisher verließ sich Twitter - wie auch viele andere Onlinedienste - vor allem auf Beschwerden der Nutzer.

Es gehe nun darum, mithilfe von Algorithmen typisches missbräuchliches Verhalten zu erkennen - etwa, wenn von einem Profil massenhaft Nutzer angeschrieben werden, die ihm nicht folgen. Solchen Twitterkonten werden dann für eine Zeit Einschränkungen auferlegt: Zum Beispiel können ihre Tweets nur von den Nutzern gesehen werden, die ihnen folgen.

Twitter wurde schon länger vorgeworfen, nicht hart genug gegen Mobbing, Belästigungen und aggressives Verhalten zu bekämpfen, auch wenn der Kurznachrichtendienst in den vergangenen Jahren immer wieder seinen Kurs dagegen verschärft hatte. Gerade im zum Teil schmutzig geführten US-Präsidentschaftswahlkampf kam das Thema zuletzt immer wieder auf.

Dem Kurznachrichtendienst machen ein verlangsamtes Wachstum und fortlaufende Verluste zu schaffen, die Aktie ist im Keller. Twitter-Chef Jack Dorsey will das Steuer mit einem konsequenteren Fokus auf Livenews und Video herumreißen.

Unterhaltungen ganz aus der Timeline ausblenden

Eine weitere Neuerung bei Twitter ist, dass Nachrichten und auch Unterhaltungen mit bestimmten Begriffen oder Sätzen von Nutzern komplett aus ihrer Timeline ausgeblendet werden können. Bei der ersten Vorstellung einer solchen Funktion im November galt sie nur für Benachrichtigungen. Die Nutzer können entscheiden, ob die Sperre einen Tag, eine Woche, einen Monat oder unbeschränkt gelten soll. Twitter wolle zugleich nicht zu viel über sein Vorgehen verraten, damit sich aggressive Nutzer nicht darauf einstellen könnten.

Nutzer, die sich beschweren, sollen jetzt permanent über den Status der Bearbeitung informiert werden. In der Benachrichtigungsspalte bekommen sie etwa eine Bestätigung, wenn die Beschwerde eingeht, sowie Angaben zu eventuellen Maßnahmen, die Twitter ergriff. Solche ausführlichen Informationen seien ein Wunsch der Nutzer gewesen, sagte McSweeney.

"Es wird Fehler geben", räumte sie ein. Es werde vorkommen, dass fragwürdige Inhalte auf der Plattform bleiben - und genauso, dass zu Unrecht Maßnahmen gegen Nutzer eingeleitet würden. "Wir haben nicht den Luxus, unsere Fehler verstecken zu können." Twitter lerne aber dazu und solche Fehler sollten auch nicht die Fortschritte verdecken.

gru/dpa



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