Versteckte Funktion Twitter könnte bald Nachrichten verschlüsseln

Direktnachrichten zwischen Twitter-Nutzern werden sich möglicherweise bald verschlüsseln lassen. Darauf lassen Hinweise im Code schließen. Der Dienst würde dann zum Konkurrenten von WhatsApp und anderen Messengern.

Smartphone-Nutzer vor Twitter-Logos
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Smartphone-Nutzer vor Twitter-Logos


In Twitters Android-App finden sich Hinweise auf eine kommende Funktion: die Verschlüsselung der Direktnachrichten. Sollte sie aktiviert werden, bekämen Twitter-Nutzer einen prinzipiell sicheren Kommunikationskanal nach Art von Messenger-Apps wie WhatsApp, Signal oder Threema.

Entdeckt hat die Funktion eine Informatik-Studentin namens Jane Manchun Wong - in der Installationsdatei der App. Solche Dateien enthalten häufig Code für Funktionen, die der Anbieter erst noch testet oder demnächst einführen will.

Dass es so eine Funktion geben könnte, ist seit Längerem absehbar. Der Whistleblower Edward Snowden hatte Ende 2016 den Twitter-Chef Jack Dorsey per Tweet aufgefordert, so etwas einzuführen. Dorsey hatte geantwortet: "Vernünftig und etwas, worüber wir nachdenken werden."

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Nützliche Funktionen: Das wünschen sich Leser von WhatsApp, Facebook und Co.

"Secret conversations" ("Geheime Unterhaltungen") heißt das entsprechende Feld bisher. Wong hat Screenshots davon auf Twitter veröffentlicht. Die Verschlüsselung scheint demnach optional zu sein. Zur Verifikation werden offenbar der eigene sowie der Schlüssel des Gegenübers angezeigt, wobei bisher weder das genaue Verschlüsselungsverfahren, noch der Aufbau der Schlüsselverwaltung erkennbar sind. Beides ist entscheidend dafür, wie sicher der Kanal wirklich sein kann und ob er jenseits von mobilen Apps überhaupt nutzbar wird.

Auch Facebook hatte 2016 eine Messenger-Funktion namens "Secret Conversations" eingeführt:

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Facebook-Messenger: So aktivieren Sie die "geheimen Konversationen"

Twitter-Chef Jack Dorsey antwortet mit einem Emoji

Der große Vorteil von Twitter gegenüber Messenger-Apps wäre der grundlegende Aufbau, sprich: die Vernetzung von Menschen, die sich nicht kennen und weder Telefonnummern noch E-Mail-Adressen des jeweils anderen haben.

Bisher können Unterhaltungen öffentlich in der Twitter-Timeline stattfinden, sichtbar für alle, das Profil eines der Nutzer aufrufen oder mindestens einem von ihnen folgen. Oder sie können in die sogenannten Direktnachrichten verlagert werden, wo sie nur noch für die teilnehmenden Nutzer sowie für Twitter selbst zu sehen sind.

Direktnachrichten werden bisher aber nicht verschlüsselt auf den Servern des Unternehmens gespeichert. Sie können also von Behörden eingesehen werden, die Twitter zur Herausgabe von Nutzerdaten zwingen, sowie von Hackern, die fremde Accounts kapern. Eine gute Verschlüsselungslösung würde beides unmöglich machen.

Laut US-Medien wie "TechCrunch" will Twitter die Verschlüsselungsoption noch nicht offiziell bekannt machen. Auf den entsprechenden Bericht reagierte Dorsey nur mit einem Flüster-Emoji.

pbe

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