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ShareTheMeal: Uno-App soll den Welthunger besiegen helfen

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Smartphone-App "ShareTheMeal": 40 Cent pro Klick, jeweils eine Mahlzeit für hungernde Kinder Zur Großansicht
DPA

Smartphone-App "ShareTheMeal": 40 Cent pro Klick, jeweils eine Mahlzeit für hungernde Kinder

Mit Apps kann man sich orientieren, shoppen, kommunizieren oder einfach spielen. Aber den Hunger in der Welt bekämpfen? Die Entwickler von "ShareTheMeal" glauben: Ja. Hinter der App steht das Welternährungsprogramm der Uno.

Wenn App-Vermarkter über ihre Produkte sprechen, bekommt man oft eine Menge ermüdenden Enthusiasmus zu hören. Enthusiasmus über Dinge, die niemanden außer den Vermarktern selbst interessieren, "Conversion Rates" zum Beispiel oder "Installs". Bei Sebastian Stricker ist das anders. Wenn er über "ShareTheMeal" spricht, ist da ebenfalls kaum gebremster Enthusiasmus zu spüren - aber für etwas ganz anderes als Geld.

Stricker zieht ein Smartphone aus der Tasche, stippt ein bisschen darauf herum und zeigt dann auf einen sechsstelligen Zähler. Darauf steht beim Gespräch gerade eine Zahl jenseits von 125.000. "So vielen Kindern haben wir in den letzten Wochen eine Mahlzeit verschafft", sagt Stricker und zeigt dann auf seinen Unterarm: "Ich bekomme immer noch jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich das sage."

Stricker, 32, war einmal Unternehmensberater, danach hat er als Entwicklungshelfer gearbeitet, in Tansania für eine Stiftung und später unter anderem in Liberia und Sierra Leone, für das Welternährungsprogramm der Uno. Wenn er sagt, dass ihm der Hunger in der Welt ein Anliegen ist, dann ist das keine hohle Phrase.

40 Cent für Essen, Transport, Logistik, Verwaltung

Er ist überzeugt: Den Hunger in der Welt kann man besiegen, im Zweifel Spende für Spende, zuallererst bei den Kindern. Wer sich "ShareTheMeal" auf seinem Smartphone installiert, kann - sind die Zahlungsdaten einmal eingegeben - mit jeweils einem Fingerstippen 40 Cent spenden. Und die reichen, um ein Kind in Afrika mit einer Mahlzeit zu versorgen.

Als erstes Etappenziel hat sich "ShareTheMeal" vorgenommen, jedes Schulkind in Lesotho im südlichen Afrika mit Mahlzeiten zu versorgen. Das Essen wird durch das Uno-Welternährungsprogramm verteilt. In der App kann man sehen, wie viele Bezirke des Landes aktuell schon versorgt sind. Vielleicht, so das Kalkül, denken Smartphone-Nutzer beim Essen ja gelegentlich daran, dass sie mit minimalem Aufwand auch ein Kind mit Nahrung versorgen könnten, das diese dringend braucht.

Lesotho, eine parlamentarische Demokratie, die rundherum vom Staat Südafrika umgeben ist, zählt weltweit zu den Ländern, in denen sich Kinder am wenigsten darauf verlassen können, regelmäßig etwas zu essen zu bekommen. "Knapp 40 Prozent aller Kinder leiden dort unter chronischer Unterernährung", sagt Stricker. Aktuell bräuchten rund 50.000 Schulkinder dort Ernährungshilfe. Lesotho gehört auch zu den Ländern der Erde, in denen die Lebenserwartung am geringsten ist.

"Wir wollen in einem Land starten, in dem Hunger ein echtes Problem ist und unsere App somit eine sichtbare Wirkung erzielen kann. Nach und nach wollen wir weitere Regionen unterstützen", sagte Bernhard Kowatsch, der zweite Mitgründer von "ShareTheMeal".

Smartphone-Nutzer zu hungernde Kinder: 20 zu 1

Weltweit gebe es über zwei Milliarden Smartphone-Nutzer und 100 Millionen hungernde Kinder. Die Kleinspenden tun den meisten Smartphone-Besitzern nicht weh, können aber vor Ort einiges bewirken. In Lesotho etwa bekommen die Kinder das gespendete Essen in der Schule, was wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie die Schule auch tatsächlich besuchen.

Man wolle "den Kreislauf aus Hunger und mangelnder Bildung durchbrechen" heißt es in der App. In den 40 Cent pro Mahlzeit seien Transport- und Verwaltungskosten schon enthalten, erklären die Entwickler. Das Welternährungsprogramm gibt eigenen Angaben zufolge sieben Prozent aller Spendeneinnahmen für Verwaltung aus, über 89 Prozent fließen direkt in Hilfsprojekte.

Nach einem sogenannten Soft Launch, also einer Art testweisen Markteinführung in den vergangenen Wochen, startet "ShareTheMeal" am Dienstag offiziell in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Später im Sommer solle die Anwendung international verfügbar sein. Während einer Testphase haben nach Angaben von "ShareTheMeal" bereits über 13.000 Smartphone-Nutzer die App heruntergeladen und über 132.000 Mahlzeiten gespendet. Schon in dieser Testphase kamen pro Tag 100 bis 200 Nutzer und etwa 1500 Mahlzeiten pro Tag dazu.

Die Initiative hinter der App ist in Berlin als gemeinnützige GmbH organisiert. Sie wird von freiwilligen Helfern und verschiedenen Unternehmen unterstützt. So mancher Entwickler macht mit, obwohl er andernorts in der gleichen Zeit viel Geld verdienen könnte.

Die App "ShareTheMeal" der United Nations gibt es für das iPhone, Android-Smartphones und auch für Amazon-Geräte.

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insgesamt 28 Beiträge
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1.
Oberleerer 30.06.2015
Ja genau. Dann werden alle satt und können sich wie bisher nach 30 Jahren verzehnfachen. Wie wärs mit Share-10-kids und share-a-kondom?
2.
7eggert 30.06.2015
Exponentielles Wachstum (Bevölkerung) kann man mit polynomialer Steigerung der Ressourcen (Ertrag aus Landnutzung) nicht dauerhaft versorgen.
3. Sehr gute App,
sterbenderpelikan 30.06.2015
habe sie gerade ausprobiert :)
4. Lieber ....
Koana 30.06.2015
einmal im Jahr 1000 Euro spenden - so beteiligt man den Staat und ich denke die App verschlingt von den 40 Cent sicher auch einen Teil, .... Grundsätzlich aber eine super Idee für jene, die erst ein Bewusstsein für ihre privilegierte Stellung entwickeln müssen und so immer wieder daran erinnert werden. App-Nutzer werden wohl in großer Zahl zu relevanten Spendern, da jene die diese App nutzen, zumindest schon mal an die Hungernden dieser Welt denken. Ich persönlich verdiene nur ca. 400 Euro im Monat, die 1000 Euro im Jahr bekomme ich locker zusammen - ist nicht einmal ein Viertel meines Reichtums. Allerdings würden die meisten hier mich wohl als einen asozialen Penner sehen - da ich in einer Laube wohne, ein altes Fahrrad nutze und eben nur Gelegenheitsarbeit leiste. Sie würden mich als asozial ansehen, da ich keine Beiträge in die Staatskasse zahle. (...übrigens meine Spende zahlt ein anderer - der hat was davon steuerlich - er legt aber noch das zehnfache drauf - er hat zumindest ansatzweise verstanden......)
5.
Claudia_D 30.06.2015
Hab sie mir jetzt auch herunter geladen. Wenn allerdings nur in D, A und CH verfügbar, haben wir ein Problem, wenn ich wieder nach Hause nach IT fahre.
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