San Francisco - Die kalifornische Generalstaatsanwältin Kamala Harris hat sechs der größten App-Store-Betreiber dazu gedrängt, die Privatsphäre von Nutzern besser zu schützen. Harris verkündete eine Vereinbarung mit Apple
, Google
, Microsoft
, dem Blackberry-Anbieter RIM, Hewlett-Packard
und Amazon
. Parallel will auch die Regierung von Präsident Barack Obama für mehr Daten- und damit Verbraucherschutz im Netz sorgen - allerdings auch wieder nur mit einer Selbstverpflichtung der Branche.
Nach der Vereinbarung, die Staatsanwältin Harris mit den Branchengrößen getroffen hat, müsste künftig jede App, die die Betreiber anbieten, bestimmte Datenschutzstandards erfüllen. Dazu gehört vor allen Dingen, dass der Nutzer darüber aufgeklärt wird, welche Daten von ihm gesammelt werden und was damit geschieht. Bislang passiere dies nur in den seltensten Fällen, erklärte Harris.
Erst kürzlich war aufgeflogen, dass die App des Online-Netzwerks Path die Adressbücher von iPhones anzapfte und die Daten zum Server des Unternehmens übertrug - ohne Wissen des Nutzers. Auch andere Apps gerieten in Verruf. Adressbücher saugen beispielsweise auch die offiziellen Apps des mobilen "Hier bin ich"-Dienstes Foursquare und auch die offizielle Twitter-App ab. Nach Protesten fügten mehrere Unternehmen Warnmeldungen ein, die Nutzer nun über die Adressbuchübernahme informieren. Apple sah sich veranlasst, per Update künftig den Zugriff auf Kontaktlisten nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers zu ermöglichen.
Erst öffentlich gewordene Datenschutzverstöße sorgen für Aktivität
In Kalifornien, dem US-Bundesstaat, in dem Harris Generalstaatsanwältin ist, gibt es schon seit Jahren ein vergleichsweise strenges Datenschutzgesetz, das als eines der schärfsten im ganzen Land gilt. Bislang aber hielten sich viele App-Entwickler augenscheinlich nicht an die kalifornischen Regeln - das will Harris mit der Selbstverpflichtung der Branchengrößen nun ändern. "Die Verbraucher bekommen so mehr Information, damit sie verstehen, wie ihre persönlichen und privaten Informationen benutzt und womöglich manipuliert werden können." Nutzer müssten "informiert werden, was sie preisgeben, bevor sie eine App herunterladen".
Dem Fachdienst CNet zufolge werden die großen Plattformbetreiber, also vor allem Apple, Google und Amazon, ihre App Stores und Online-Marktplätze umgestalten müssen, um dem Regularium gerecht zu werden. Außerdem verpflichten sie sich, die Entwickler zu kontrollieren, die Apps für ihre Geräte bereitstellen. Hunderttausende Apps sind in den Online-Shops von Google und Apple derzeit erhältlich, mittlerweile werden damit jährlich Milliarden Dollar umgesetzt. 35 Milliarden Apps sind bislang auf Mobilgeräte heruntergeladen worden. Die meisten davon stammen jedoch aus der Heerschaar Zehntausender unabhängiger Entwickler, die die Plattformen der Giganten als Marktplatz für ihre eigenen Waren benutzen. Apple kontrolliert die Apps, die im eigenen Store angeboten werden, derzeit schärfer als Google, doch der Adressbuch-Lapsus betrifft auchiOS-Anwendungen.
Entscheidend ist jedoch, dass es sich bei dem Vorstoß um eine Selbstverpflichtung handelt: Die Plattformbetreiber verpflichten sich, ihre Entwickler anzuweisen, künftig die eigenen Datenschutzrichtlinien vor der Installation einer neuen App transparent zu machen. Macht ein Entwickler falsche Angaben über die eigenen Datenschutz- und Verarbeitungsregeln, kann er aufgrund eines kalifornischen Gesetzes gegen unfairen Wettbewerb oder irreführende Werbung belangt werden.
Obama will sieben goldene Netz-Regeln durchsetzen
Fast gleichzeitig mit der Vereinbarung zwischen der kalifornischen Generalstaatsanwältin verkündete auch die Regierung von Barack Obama einen Vorstoß für mehr digitale Privatsphäre: "Amerikanische Verbraucher können nicht mehr länger auf klare Verkehrsregeln warten, die sicherstellen, dass ihre persönliche Information online sicher ist", erklärte Obama. Man schlage deshalb eine "Bill of Rights" für den Datenschutz im Netz vor.
Bei Obamas Vorstoß geht es vor allem um die Möglichkeit, mit einem Klick im Web-Browser festzulegen, dass man seine Online-Aktivitäten nicht von Werbenetzwerken und Dienstleistern wie Google verfolgt wissen möchte. Bislang aber geht es dabei nur um ein freiwilliges System.
Die sieben Punkte der von der Regierung Obama vorgeschlagenen "Consumer Privacy Bill of Rights" lauten:
stk/cis/dpa-AFX/Reuters
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